Rede


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Steuerrecht grundsätzlich zugunsten von Familien mit Kindern weiterentwickeln

Rede zum Einkommenssteuergesetz

13.a) Zweite und dritte Beratung CDU/CSU, FDP

Einkommensteuergesetz in Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 7. Mai 2013

- Drs 17/13870, 17/14195, 17/14206 -

 

b) Zweite und dritte Beratung SPD

Gleichstellung der Lebenspartnerschaft mit der Ehe im Einkommensteuerrecht

- Drs 17/13871, 17/14195 -

 

c) Zweite und dritte Beratung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 7.5.2013 zur Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe im Einkommensteuerrecht

- Drs 17/13872, 17/14195 -

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Wir Bayern leben nach dem Motto Liberalitas Bavariae.

(Zurufe von der SPD: Was?)

Das heißt, leben und leben lassen. Wir lassen uns nichts unterstellen, wie Herr Beck es hier getan hat. Wir diskriminieren niemanden,

(Lachen bei Abgeordneten der SPD – Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein! Sie behandeln nur ungleich!)

und wir lassen uns auch von Ihnen, Herr Beck, wie Sie es getan haben, keine Homophobie vorwerfen.

(Johannes Kahrs [SPD]: Ihnen schon! Den Bayern nicht!)

Das Bundesverfassungsgericht hat am 7. Mai 2013 in einem Beschluss entschieden, dass die steuerliche Ungleichbehandlung von Verheirateten und Lebenspartnern verfassungswidrig ist und beseitigt werden muss – nichts anderes, nicht mehr und nicht weniger. In dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts und auch heute geht es um das Steuerrecht. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf setzen wir diesen Beschluss schnellstmöglich um. Das ist kein Minischritt, sondern ein kurzfristig richtiger Schritt für die betroffenen Lebenspartnerschaften.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Alle Regelungen des Einkommensteuergesetzes, die für Ehegatten gelten, sind nunmehr auch auf Lebenspartner anwendbar. Es gelten die gleichen steuerlichen Rechte und Pflichten. Das sollten Sie anerkennen. Die Gleichstellung hinsichtlich der einkommensteuerrechtlichen Vorschriften zum Ehegattensplitting erfolgt rückwirkend zum Zeitpunkt der Einführung des Instituts der Lebenspartnerschaft im Jahr 2001. Wir halten es im Sinne der Rechtssicherheit für richtig, jetzt die Fälle zu erfassen, die noch nicht abschließend veranlagt wurden, wie dies im Steuerrecht üblich ist.

Ein Blick zurück zeigt, dass Sie überhaupt keinen Grund haben, jetzt den Lehrmeister zu spielen. Sie von der SPD haben in Ihrer Regierungszeit in diesem Bereich gar nichts zustande gebracht.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Das ist doch Blödsinn! – Weiterer Zuruf von der SPD: Heuchelei!)

Das ist die Wahrheit, aber die wollen Sie nicht hören. Heute wollen Sie die Betroffenen instrumentalisieren. Das ist Ihr Thema. Sie wollen aus parteitaktischen Gründen die Betroffenen instrumentalisieren.

(Widerspruch bei der SPD)

Das lassen sich die Betroffenen aber nicht gefallen; denn sie wissen genau, dass Sie in der Vergangenheit letzten Endes nie das gemacht haben, was Sie hier fordern.

(Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Das ist wirklich Quatsch, und das wissen Sie auch! Wir sind am Bundesrat gescheitert!)

Wir führen diese Diskussion sachlich und nicht emotionell wie Sie; dafür haben hier ja einige Vertreter der Opposition den Beweis geliefert. Es ist dem Thema nicht angemessen, die Betroffenen in dieser parteitaktischen Form zu instrumentalisieren.

(Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Das ist vielleicht eine Unterstellung! – Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie instrumentalisieren die Debatte für Ihre Abschiedsrede!)

Wir halten uns selbstverständlich an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Wir regieren schnell. Knapp anderthalb Monate nach der Verkündung des Urteils setzen wir dieses Gesetz um. Positiv sehen wir auch die Rechts- und Verwaltungsvereinfachung dieser Umsetzung. Unterhaltsaufwendungen innerhalb der Lebenspartnerschaften müssen nicht mehr gesondert geltend gemacht und nachgewiesen werden. Statt zwei Steuererklärungen muss nur noch eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden. Damit kommen wir der Forderung nach Steuergerechtigkeit und Steuervereinfachung in diesem Bereich nach.

Noch zu prüfen ist, ob sich in Nebengesetzen zum Einkommensteuerrecht weiterer Anpassungsbedarf zugunsten der Lebenspartner ergibt.

(Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Dann warten Sie mal auf die nächsten Urteile!)

Es geht hier vor allem auch um Änderungen an Stellen, an denen der Begriff „Lebenspartner“ nachzutragen ist. Das sollte gesammelt in einem Jahressteuergesetz erledigt werden.

(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hätten Sie 2013 schon haben können!)

Das haben wir im Ausschuss mit dem Vertreter des Bundesfinanzministeriums so angesprochen.

Die Gesetzentwürfe, die Sie geliefert haben, sind dürftig; sie sind nicht vollständig, sie sind Stückwerk.

(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was fehlt denn? – Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Quatsch!)

Letzten Endes muss ein Gesetz mit aller Vernunft erarbeitet werden. Wir werden das im Steuerrecht prüfen und einen sachgemäßen Gesetzentwurf vorlegen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Daniel Volk [FDP] – Johannes Kahrs [SPD]: Immerhin klatscht einer von der FDP! – Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Das ist der Falsche!)

Wir, CDU und CSU, sind eine Volkspartei für alle.

(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ah!)

Als solche setzen wir uns für alle Menschen ein, für die gesamte Gemeinschaft.

(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Seit Jahrzehnten diskriminieren Sie!)

Allerdings sind wir genau deshalb gegen eine verfrühte Diskussion im Adoptionsrecht, die Sie uns hier überstülpen wollen.

(Widerspruch der Abg. Dr. Barbara Höll [DIE LINKE])

Kinder sind etwas anderes als steuerrechtliche Fragen, meine Damen und Herren. Unstrittig ist, dass es bei dieser Thematik größere Vorbehalte in der Bevölkerung gibt als beim Thema Splitting. CDU und CSU sind die Parteien der Familien. Wir wollen dem Auftrag des Grundgesetzes, Ehe und Familie unter besonderen Schutz zu stellen, weiterhin intensiv nachkommen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE])

So ist das Steuerrecht grundsätzlich zugunsten von Familien mit Kindern weiterzuentwickeln. Kinder sind das höchste Gut für die Zukunft unserer Gesellschaft. Deswegen müssen wir dies auch besonders gewichten. Das schreibt das Grundgesetz auch vor.

Für die kommende Wahlperiode wollen wir eine Erhöhung des Kinderfreibetrages und eine Anhebung des Kindergeldes durchsetzen.

(Widerspruch bei Abgeordneten der SPD)

Außerdem sollen Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, in der Rente bessergestellt werden. Das ist eine zielführende und gerechte Familienpolitik.

(Zuruf der Abg. Iris Gleicke [SPD])

Sie sollten einmal deutlich anerkennen, dass diese Familienpolitik für das Gemeinwohl, für unsere Familien der richtige Ansatz ist. Wir lassen uns keine Vorwürfe und Unterstellungen, wir seien homophob, machen. Das ist völlig daneben. Lassen Sie uns auf einem gemeinsamen Weg die richtigen Schritte gehen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ingrid Arndt-Brauer [SPD]: Wollen wir ja! Endlich die richtigen Schritte gehen! – Iris Gleicke [SPD]: Meine Güte!)