Rede


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Sven Volmering: Wir stehen bei den Naturwissenschaften im OECD-Vergleich überdurchschnittlich gut da

Rede zur MINT-Bildung als Grundlage für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei allem Wahlkampfgetöse

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Meinen Sie den Kollegen Schipanski aus Thüringen?)

muss man an dieser Stelle erst einmal festhalten, dass ein Großteil der den MINT-Bereich betreffenden Forderungen, die die Grünen in ihrem Antrag formulieren, deckungsgleich mit dem ist, was unsere Berichterstatterin Sybille Benning herausgearbeitet hat. Ihr möchte ich an dieser Stelle für ihr Engagement recht herzlich danken,

(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Daniela De Ridder [SPD]: Und was ist mit unserer Kollegin hier?)

gemeinsam und in Zusammenarbeit mit der Kollegin Scho-Antwerpes.

Ich finde es schon ein bisschen bedauerlich, dass in dieser Debatte insbesondere von den Grünen die positiven Ergebnisse der PISA-Studie im MINT-Bereich ein bisschen leichtfertig abgetan worden sind.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche positiven Ergebnisse?)

Sie sprechen in Ihrem Antrag davon, es gebe Stagnation auf hohem Niveau, und das sei für Sie kein Erfolg.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!)

Wenn wir nach dieser Definition vorgehen würden, dann hätte der FC Bayern München in den letzten Jahren überhaupt keinen Erfolg gehabt, weil er auf dem Niveau des deutschen Meisters stehengeblieben ist.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ha, ha, ha! Das ist ja ein cooler Vergleich!)

So einfach ist es letztendlich doch nicht. Wenn wir ein hohes Niveau halten, ist das allemal besser, als wenn wir auf einem mittleren oder einem niedrigen Niveau stehenbleiben würden oder unser Niveau insgesamt absacken würde.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist aber kein hohes Niveau, was wir haben!)

All das ist überhaupt nicht passiert. Wir stehen bei den Naturwissenschaften im OECD-Vergleich überdurchschnittlich gut da. Wir stehen auch in Mathe gut da. Unsere Leistungsstarken liegen über dem OECD-Durchschnitt, und unsere Leistungsschwächeren liegen deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Auch das muss der Wahrheit halber gesagt werden, damit hier in Deutschland nicht ständig ein falscher Eindruck erweckt wird.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Ich brauche an dieser Stelle nicht auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen – sie sind in dieser Debatte schon genannt worden –, einzugehen, auch nicht auf die zahlreichen guten Initiativen. Es findet ein weiterer Ausbau statt; Kollege Jung hat darauf hingewiesen. Für uns als CDU/CSU ist es wichtig, vor dem Hintergrund der Themen Industrie 4.0, Digitalisierung und Fachkräftemangel auf die enge Kooperation mit der Wirtschaft und dem Mittelstand hinzuweisen, damit wir das Ziel erreichen, das Image der MINT-Berufe zu verbessern,

(Beifall der Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD])

damit es uns gelingt, die Abbrecherquoten zu verringern, und damit wir gute Fachkräfte gewinnen.

(Elfi Scho-Antwerpes [SPD]: Das ist wichtig!)

Zu diesem Zweck müssen wir es schaffen, die entsprechenden Multiplikatoren in allen Bereichen der Bildungsketten in ihrer Rolle als MINT-Botschafter zu stärken.

(Dr. Daniela De Ridder [SPD]: Genau!)

Da finde ich es schon bemerkenswert, wie schlecht im Grünenantrag über Lehrer gesprochen wird – ich zitiere –:

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie bitte? Quatsch!)

Die meisten naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunden sind wenig kognitiv anregend und werden kaum durch Experimente ergänzt.

Dies führen Sie als Ursache für die – ja guten – Ergebnisse bei der PISA-Studie an, und dann beschimpfen Sie wieder einmal den Bund, der mit der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ nur halbherzig reagiert habe.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie verstehen wohl alles nur so, wie es Ihnen in den Kram passt!)

Das ist definitiv falsch und ist durch die eindrucksvolle Liste der verschiedenen Initiativen und Programme auch längst widerlegt.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Hinzu kommt, dass Sie auch die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ positiv erwähnen. Sie widersprechen sich in Ihrem Antrag also selbst. Ich glaube, das, was Sie hier gemacht haben, ist ein bisschen mit heißer Nadel gestrickt.

(Beifall bei der CDU/CSU – Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein, überhaupt nicht! Wir treiben Sie! Wie immer!)

– Doch, doch. Sie tun so, als ob der MINT-Unterricht in Deutschland flächendeckend noch immer so aussieht wie im Fernsehen beim Telekolleg aus den frühen 80er-Jahren.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Es gibt aber mittlerweile über die 1 100 MINT-Schulen hinaus viele engagierte Kollegen, die wirklich lebensnahen Unterricht machen

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lesen Sie doch mal die PISA-Studie!)

und die es schaffen, Begeisterung zu wecken, indem sie auch Projekte wie „Jugend forscht“ in ihren Unterricht einbauen. Wenn der Unterricht wirklich so schlecht wäre, dann verstehe ich nicht, warum wir diese guten Ergebnisse erzielt haben.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche guten Ergebnisse?)

Wir wissen, dass natürlich nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber deshalb sagen wir ja, dass wir bei der Studienorientierung etwas machen wollen, dass wir die Begleitforschung stärken wollen

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also haben wir doch Defizite?)

und dass wir didaktische Konzepte entwickeln wollen, um das Interesse an den MINT-Fächern gerade bei Mädchen und Migranten dauerhaft zu halten. Die entscheidende Frage ist letztendlich: Wie bekommen wir es hin, schwierige Sachverhalte vielleicht besser und lebensnaher zu vermitteln?

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh! Ist das jetzt eine Kritik an Lehrerinnen und Lehrern, Herr Kollege? Sie widersprechen sich ja hinten und vorne selber!)

Ich habe an dieser Stelle bereits oftmals darauf hingewiesen, wie rudimentär Einrichtungen zu Lehrerausbildung und Fortbildungen teilweise ausgestattet sind. Wenn ich höre, dass in Nordrhein-Westfalen über 4 000 Lehrer- und Verwaltungsstellen nicht besetzt sind, dann muss ich sagen: Dies ist das Ergebnis schlechter Schulpolitik. Auch darüber müssten wir einmal reden.

(Beifall bei der CDU/CSU – Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh Mann, das muss ja richtig wehtun, was?)

Dass Sie so schreien, zeigt ja, dass ich Sie treffe.

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es gibt 4 Milliarden Euro mehr für die Schulen in NRW!)

Letzter Punkt. Im EFI-Jahresgutachten wurde diese Woche festgestellt, dass Deutschland ein Topinnovationsstandort ist.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Wir arbeiten weiter daran, das auszubauen. Über den Digitalpakt haben wir in diesem Hohen Hause schon bei verschiedensten Gelegenheiten gesprochen.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der Digitalpakt ist eine leere Floskel!)

Die MINT-Fächer haben da gute Chancen; denn wenn der Unterricht digital durchgeführt wird, ist das lebensnah. Ich fordere, dass Bund und Länder den Digitalpakt schnell umsetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen als letzter Redner in dieser Sitzungswoche ein schönes Wochenende und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)