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(Quelle: picture alliance / dpa)
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"Der Westen soll durch Streuen von Falschinformationen destabilisiert werden"

Kurzinterview mit Jürgen Hardt

"Wir müssen uns von der romantischen Vorstellung lösen, dass Putin für ein stabiles starkes Russland steht und damit gut für Europa ist", mahnt Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Im Kurzinterview mit der DuMont Hauptstadtredaktion warnt er vor dem gezielten Streuen von Falschinformationen durch den russischen Geheimdienst. Lesen Sie hier drei Antworten auf drei zentrale Fragen:

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Russland den US-Wahlkampf durch Diebstahl von Daten beeinflusst hat?

Wir wissen seit längerem, dass es russische Strategie ist, den Westen durch Streuen von Falschinformationen zu destabilisieren. Dazu gehört der Angriff auf das Computersystem des Deutschen Bundestags. Der Verfassungsschutz vermutet außerdem, dass die Veröffentlichung geheimer Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss auf Russland zurückzuführen ist. Wir müssen uns von der romantischen Vorstellung lösen, dass Putin für ein stabiles starkes Russland steht und damit gut für Europa ist. Putin hat eine dürftige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bilanz. 25 Jahre nach Ende der Sowjetunion bleibt das Land weit unter seinen Möglichkeiten. Er muss feststellen, dass seine Zeit abgelaufen ist.  Der Konflikt mit außen, die Diskreditierung des Westens ist Teil der Strategie. Das ist das Wesen aller autokratischen Herrscher: Wenn es im Land Probleme gibt, wird versucht, dem Volk einen Feind von außen zu präsentieren.

Welches Interesse hätte Putin denn an einem US-Präsidenten Donald Trump?

Er bringt damit Unruhe ins System. Im Übrigen ist es ihm vielleicht auch gar nicht so unrecht, dass Russland jetzt als Quelle der geleakten Dokumente gilt. Er kann damit zeigen, welche Macht und welchen Einfluss er besitzt. Die Botschaft ist: Der Westen hat Angst vor Russland. Wenn er vor allem seinen eigenen Leuten imponieren will, hilft das enorm.

Was erwarten Sie für den Bundestagswahlkampf kommendes Jahr?

Es wird spannend, in welchem Maße da versucht wird, mit Falschmeldungen zu arbeiten. Das beste Mittel dagegen vorzugehen, ist, eine offene Diskussion über das Thema zu führen. Die deutsche Demokratie ist groß und erwachsen. Die deutschen Medien sind deutlich besser aufgestellt als die in den USA, mit selbstbewussten unabhängigen Journalisten und öffentlich-rechtlichen Massenmedien. Die können also besser die Hintergründe recherchieren und Lügen als Lügen darstellen. Das werden sie tun und Aufklärung schaffen.

Interview für DuMont Hauptstadtredaktion, Fragen von Daniela Vates.