Thema des Tages


(Quelle: CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
Teilen

125 Jahre "Rerum Novarum"

Christlichen Sozialehre von heute in Wirtschaft und Gesellschaft

Vor 125 Jahren nahm Papst Leo XIII. mit der Sozialenzyklika „Rerum Novarum" als erstes Kirchenoberhaupt Stellung zu sozialen Fragen. Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag diskutierte jetzt mit Kardinal Reinhard Marx und Experten aus Politik und Gesellschaft über die Bedeutung der christlichen Soziallehre heute.

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, betonte in seiner Rede, dass die Kirche in ihrer Verkündigung nicht „neben der Zeit herlaufen“ dürfe. Wichtig sei, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe. „Was ihm langfristig und nachhaltig dient, das müssen wir fördern“, so Kardinal Marx. Marx erläuterte die Bedeutung von Eigentum und Freiheit in der katholischen Soziallehre. Eigentum sei die Voraussetzung für ein Leben ohne Abhängigkeit. „Dieses Eigentum ist aber nicht grenzenlos, denn die Güter der Erde sind für alle da“, so der Kardinal. Er betonte auch, dass es eine freie Wirtschaft ohne eine Ordnung seitens des Staates nicht gebe.

Geist von "Rerum Novarum" aktuell wie nie

Mit einem Hinweis auf die aktuelle Flüchtlingssituation wies Fraktionsvorsitzender Volker Kauder auf die Zeitlosigkeit und Tagesaktualität der christlichen Soziallehre sowie insbesondere auf den Geist von „Rerum Novarum“ hin. Gerade das christliche Menschenbild könne in der Gegenwart eine gute Orientierung für das politische Handeln sein. „Die Vorstellung vom Menschen als Ebenbild Gottes verleihe diesem eine unteilbare Würde. Diese habe bei „Rerum Novarum“ gegolten, und dieses gelte genauso in der Gegenwart.

Grundlage der deutschen Sozialgesetzgebung

Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag Peter Weiß erinnerte an die „grundlegende Bedeutung“ der christlichen Soziallehre für die Sozialgesetzgebung in Deutschland. „Die christliche Soziallehre hatte einen entscheidenden Anteil an den sozialpolitischen Weichenstellungen in Deutschland. Unser Sozialstaat trägt zum inneren Frieden bei und ist gelebter Ausdruck der Personalität, Solidarität und Subsidiarität“, so Peter Weiß.

In der anschließenden Diskussion wies Elke Hannack, stellv. Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Vorstellungen der Kirchen und der Gewerkschaften hin. Für die Zukunft forderte sie die Umsetzung des Dreiklangs der Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Auf dem Weg hin zu guten Arbeitsbedingungen, gerechten Löhnen und zu Einkommen, die Eigentumsbildung ermöglichen, sind noch einige Schritte zu machen“, so Elke Hannack.

Einfluss auf Entscheidungen der Union

Der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA), Staatssekretär Karl-Josef Laumann, betonte den Einfluss der christlichen Soziallehre auf die Programmatik der Union. „Die Volksparteien CDU und CSU hätte es ohne den Einfluss der christlichen Soziallehre nicht gegeben“, so Karl-Josef Laumann. Dr. Peter Barrenstein, Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischen Unternehmer, verwies in seinen Ausführungen darauf, dass der Gewinn nicht die einzige Zielgröße eines Unternehmens sein dürfe. „Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim“, so Peter Barrenstein. Reiner Meier MdB, Vizepräsident der Europäischen Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer (EUCDA) bilanzierte in seinem Schlusswort: „Der Mensch ist kein Produkt. Die christliche Soziallehre muss uns daher wieder stärker als Wertekompass dienen“.

Mehr zu:

Karl-Josef Laumann