Corona-App

Text und Interview


(Quelle: picture alliance/ ZB)
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Rückkehr zu mehr Normalität mit der Corona-App

Nadine Schön und Georg Nüßlein im Interview

Eine Möglichkeit, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen kann, ist eine Tracing-App. Sobald sie bereitsteht, können Bürger die App freiwillig auf ihre Mobilgeräte laden. Ihnen soll darüber anzeigt werden, ob und wo sie mit Corona-Infizierten in einen gefährlichen Kontakt gekommen sein könnten. Über Funktionsweise und Zweck geben die stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön und Georg Nüßlein, im Kurzinterview Auskunft.

Warum ist eine Tracing-App wichtig? 

Nüßlein: Die Rückverfolgung von Infektionsketten und das gezielte Isolieren von Infizierten und Kontaktpersonen ist deshalb enorm wichtig, weil nur so das Infektionsgeschehen verlangsamt werden kann. Um die Corona-Pandemie einzudämmen, dürfen und müssen wir auch technische Möglichkeiten nutzen – allerdings nicht staatlich gesteuert, sondern nur auf freiwilliger Basis. 

Seit einigen Wochen wird an einer sogenannten Tracing-App getüftelt. Sie könnte Teil eines Gesamtkonzeptes im Kampf gegen das Virus werden: Die App, das Tragen von Mund-Nase-Masken im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften sowie weiter Abstandhalten – all das kann dazu beitragen, dass sich das Virus langsamer ausbreitet, dass wieder mehr Menschen in ein „normales“ Leben zurückkehren können. Damit werden auch die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen abgemildert.

Gesundheitsschutz und Datenschutz in der Balance

Wie funktioniert die App? 

Schön: Seit Wochen arbeiten Forscher aus der ganzen Welt an Lösungen. Die Bundesregierung hat sich nun für eine dezentrale Softwarearchitektur entschieden. Das heißt: Die Daten werden nicht zentral auf einem Server gespeichert, sondern dezentral auf den einzelnen Smartphones - was dem Datenschutz und der Datensicherheit dient. 

Mit der App sollen Nutzer besser nachvollziehen können, ob sie mit einer Person in Kontakt gekommen sind, die sich mit Covid-19 infiziert hat. Um herauszufinden, in welchem Abstand man sich zu dieser Person befunden hat und wie lange, soll die Bluetooth-Technologie auf den Mobiltelefonen genutzt werden. 
Ist das Tracing auf dem Handy aktiviert, werden die App-Nutzer, die in den letzten 14 Tagen in einer gewissen Reichweite zu einem Infizierten waren, über die Infektion informiert. Zusätzlich soll es den Nutzern möglich sein, ihre pseudonymisierten Daten freiwillig an das Robert-Koch-Institut (RKI) zu melden. Das RKI kann dann die erhaltenen Daten auswerten. Die Analysen der Daten fließen wiederum in den Informationsmechanismus ein.

Wie sinnvoll ist die App?

Nüßlein: Wir müssen aus der Krise lernen und dafür auch digitale Möglichkeiten nutzen: Die App kann ein weiterer wichtiger Schritt hin zu ein wenig mehr Normalität in diesen Zeiten werden. 
Damit sie zu einem Erfolg wird, müssen allerdings genügend Menschen mitmachen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Teilnahme von rund 60 Prozent der Bevölkerung nötig ist. Dafür bedarf es Vertrauen und Akzeptanz eines jeden Einzelnen in die Technologie. 

„Dezentrale Lösung und freiwillige Nutzung“

Wie soll dieses Vertrauen geschaffen werden?  

Schön: Alle Maßnahmen müssen transparent gemacht werden. Die Verwendung der App muss anonym, IT-sicher, datenschutzkonform und freiwillig erfolgen. Deswegen war es die richtige Entscheidung der Bundesregierung, auf eine dezentrale Lösung auf freiwilliger Basis zu setzen. Dass darüber hinaus jeder Nutzer – ebenfalls auf freiwilliger Basis - selbst entscheiden kann, ob er dem RKI seine Daten für epidemiologische Erkenntnisse zur Verfügung stellen möchte, ist ein guter Ansatz. An dieser Lösung muss nun schnell weitergearbeitet werden.