Thema des Tages

Soziale Medien: Schutzräume für Kinder und Jugendliche schaffen 

  • 400 Gäste beim Kongress der CDU/CSU-Fraktion
  • Schutz, Befähigung und Teilhabe als Leitlinien
  • Verbote allein sind keine Lösung

Digitale Medien sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eröffnen sie Kindern und Jugendlichen Chancen auf Teilhabe, Vernetzung und Wissensaustausch. Andererseits bergen sie Risiken – von exzessiver Nutzung bis hin zu suchtähnlichem Verhalten, gepaart mit Inhalten, die das Kindeswohl gefährden. Über die Frage, was die Politik tun kann und soll, um Kinder und Jugendliche zu schützen, sprachen Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion mit Experten aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Recht sowie mit jungen Erwachsenen auf einem Kongress. An der Veranstaltung nahmen 400 Gäste teil. 

In einem Alltag, der immer digitaler wird, müsse der Staat seine Schutzfunktion wahrnehmen, gerade für Kinder und Jugendliche, forderte Fraktionschef Jens Spahn zum Auftakt des Kongresses. Mit Verboten alleine lasse sich aber kein Problem lösen. „Wir müssen mit Hochdruck das richtige Maß finden, damit die Generation, die heranwächst, die digitale Welt beherrscht und nicht von ihr beherrscht wird“, betonte er.

Für differenzierte und pragmatische Lösungen

Gegen pauschale Verbote sprach sich auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anja Weisgerber aus. Sie forderte eine differenzierte und praktikable Herangehensweise. Denn: „Soziale Medien sind nicht per se gut oder schlecht. Aber es gibt Chancen und Risiken.“ Daher brauche es verständliche Leitplanken und Schutzräume für Kinder und Jugendliche.

Bestandsaufnahme der Expertenkommission alarmiert

Wo die Risiken liegen, darauf hatte die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ in ihrer Bestandsaufnahme hingewiesen, die in dieser Woche veröffentlicht wurde. Da geht es um Hass und Gewalt, Extremismus und Pornographie, Stalking und Mobbing, allein was die Inhalte geht. Schaut man auf die Auswirkungen, dann ist von Sucht und Selbstgefährdung, Isolation und nachlassender Lernleistung die Rede. Die familien- und jugendpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Anne König, nannte die Ergebnisse erschütternd und alarmierend. Sie zeigten den dringenden Handlungsbedarf.

Jugendliche wünschen sich Altersbegrenzung

Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bildungsministerium, erklärte, dass die Koalition sich bei allem, was sie erwäge, an der UN-Kinderschutzkonvention orientiere. Dabei strebe man einen Dreiklang an, der aus Schutz, Befähigung und Teilhabe bestehe. Im Mittelpunkt stehe die Frage, „Wie kann ein sinnvoller Umgang mit sozialen Medien aussehen?“ Jede Regulierung müsse auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Sie sprach sich auch dafür aus, Kinder und Jugendliche selbst in die Diskussion über Beschränkungen einzubeziehen. 

Der Digitaltrainer Daniel Wolff zieht aus seinen Gesprächen mit Schülern die Erkenntnis, dass die übergroße Mehrheit sich die Einführung einer Altersbegrenzung wünscht. Verena Holler von der Elternbewegung ‚Smarter Start ab 14‘ äußerte die Meinung, dass man mit einem solchen Schritt auch die Eltern aus einem Dilemma befreien könne. Denn ihre Verbote greifen nur schwer, so lange die Kinder dem Gruppendruck ausgeliefert sind, soziale Medien zu nutzen.  

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