- Marc Biadacz über die geplante Rentenreform
- Beitragszahler nicht überfordern
- Chancen des Kapitalmarktes nutzen
Die Entwicklung ist eigentlich erfreulich. Die Menschen in Deutschland werden immer älter und können ihren Ruhestand immer länger genießen. Die Schattenseite: Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler. Die Kosten explodieren, die Beitragssätze steigen. Um das Rentensystem zukunftsfähig zu machen, hat eine Kommission aus Experten ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das in Gänze auf die Zustimmung der Koalitionspartner stößt. Über einzelne Aspekte ein Gespräch mit dem Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Arbeit und Soziales, Marc Biadacz.
Herr Biadacz, sind die 33 Empfehlungen der Rentenkommission der Befreiungsschlag?
Biadacz: Die Kommission hat ein einstimmig beschlossenes Gesamtpaket geliefert, das mich wirklich überzeugt. Es sind 33 Vorschläge, die zwei Ziele verfolgen. Erstens sollen alle Menschen eine auskömmliche Rente haben. Zweitens soll unser leistungsfähiges Rentensystem fortbestehen. Beides geht aber nur, wenn wir die Beitragszahlenden nicht überfordern. Und dafür liegt jetzt ein guter Maßnahmen-Mix auf dem Tisch, den wir noch in diesem Jahr verabschieden wollen.
Das Renteneintrittsalter soll an die Lebenserwartung angepasst werden. Warum ist das besser als eine Kopplung des Rentenbeginns an die Zahl der Beitragsjahre?
Biadacz: Künftig soll eine einheitliche Regelaltersgrenze grundsätzlich für alle Menschen gelten. Und weil glücklicherweise unsere Lebenserwartung steigt, werden wir in den nächsten Jahrzehnten auch erst in Rente gehen können, wenn wir älter sind als 67 Jahre.
Ich finde es gerecht, dass das Lebensalter entscheidend ist für den Zugang zur Rente und nicht die Zahl der Beitragsjahre allein. Denn je früher Menschen abschlagsfrei in Rente gehen, desto länger beziehen sie eine Rente – das ist unfair gegenüber den anderen Versicherten und wir brauchen mehr Steuermittel für die Rentenzahlungen. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, der soll zukünftig auch leichter eine Erwerbsminderungsrente bekommen.
Übrigens: Durch die Aktivrente können schon heute alle Menschen bis 2.000 Euro im Monat steuerfrei verdienen, wenn sie auch über das Renteneintrittsalter hinaus angestellt arbeiten.
Die gesetzliche Rente soll künftig eine Aktienkomponente enthalten. Warum überlässt man es nicht den Versicherten, eine private Altersvorsorge mit Mitteln des Kapitalmarktes aufzubauen?
Biadacz: Mit den Chancen des Kapitalmarktes machen wir die Rentenversicherung zukunftsfest: Durch Rentenbeiträge und Kapitalerträge sollen künftige Generationen sogar mehr Rente bekommen. Wir holen nach, was Schweden schon in den 1990er Jahren erkannt hat. Gleichzeitig ermöglichen wir Menschen Zugang zum Kapitalmarkt, die bisher vielleicht noch keine Erfahrung mit ETFs und Aktienfonds sammeln konnten.
Für alle, die privat vorsorgen, startet übrigens schon 2027 das Altersvorsorge-Depot: Durch eine höhere Förderung, niedrige Kosten und ein staatliches Standardprodukt ist es auch für Aktien-Neulinge eine gute Wahl. Denn über mehrere Jahrzehnte betrachtet werden am Kapitalmarkt die Risiken gewissermaßen ausgesessen. Das gilt genauso für die Kapitaldeckung in der Rentenversicherung, die voraussichtlich ab 2028 beginnt.