die Lage

„Arbeit ist der beste Schutz vor Armut“

Hülya Düber von der AG Arbeit und Soziales über den Alltag im Jobcenter

Frau Düber, als ehemalige Sozialreferentin in Würzburg kennen Sie sich mit der Praxis im Jobcenter aus. Was sind die größten Probleme bei der Vermittlung von Arbeitslosen?

Die größte Herausforderung ist, dass wir es in der Praxis selten mit nur einem Problem zu tun haben. Viele Menschen bringen gleich mehrere Vermittlungshemmnisse mit: fehlende Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen oder schwierige Lebenslagen. Das macht die Integration komplex. Gleichzeitig erleben wir aber auch: Verbindlichkeit hat zuletzt abgenommen. Termine werden seltener eingehalten, Absprachen häufiger nicht umgesetzt. Das erschwert Vermittlung ganz konkret.

Welche Verbesserungen versprechen Sie sich von der Neuen Grundsicherung?

Die Neue Grundsicherung setzt genau an diesen Punkten an. Sie bringt wieder mehr Verbindlichkeit ins System und stellt klar: Vermittlung in Arbeit hat Vorrang. Es beginnt mit einem persönlichen Erstgespräch und einem verbindlichen Kooperationsplan, in dem Schritte und Erwartungen klar festgelegt werden. Gleichzeitig gilt: Wer Unterstützung bekommt, muss auch mitwirken. Das ist ein modernes Verständnis von „Fördern und Fordern“. Hilfe, wo sie notwendig ist, und Mitwirkung, wo sie möglich ist.

Welche Veränderungen erwarten Sie angesichts des technologischen Wandels am Arbeitsmarkt?

Der technologische Wandel wird den Arbeitsmarkt deutlich verändern, vor allem für Menschen ohne ausreichende Qualifikation wird es schwieriger. Deshalb ist klar: Qualifikation ist der Schlüssel. Wir müssen in Aus- und Weiterbildung investieren und gleichzeitig erwarten, dass diese Chancen auch genutzt werden.

Ein wichtiger Baustein ist für mich auch der Aktiv-Passiv-Transfer, der jetzt gesetzlich verankert wird. Das bedeutet ganz einfach: Statt Geld nur für Leistungen auszugeben, nutzen wir es gezielt, um echte Jobs zu fördern. Menschen sollen nicht in Maßnahmen bleiben, sondern in sozialversicherungspflichtige Arbeit kommen.

Unser Ziel ist klar: weniger Abhängigkeit vom Staat und mehr Menschen in regulärer Beschäftigung. Denn Arbeit ist und bleibt der beste Schutz vor Armut.

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