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Finanzen: Viele Geldscheine der Europäischen Union
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(Quelle: picture alliance / chromorange)
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Neue Maßstäbe beim Kleinanlegerschutz

Neues Gesetz macht Geldanlagen sicherer

Wer Gespartes investieren möchte, muss sich umfassend informieren können. Schließlich möchte jeder sein Geld wiedersehen. Möglichst um einen guten Prozentsatz gewachsen.

Dass die Bundesregierung die Interessen der Kleinanleger fest im Blick hat, beweist das Kleinanlegerschutzgesetz, das im Bundestag verabschiedet wurde.

Mit diesem Gesetz werden Anleger in Zukunft besser vor zweifelhaften Anbietern und undurchsichtigen Finanzprodukten geschützt. Das gilt künftig auch für Finanzanlagen auf dem sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“. Hier soll es mehr Transparenz, mehr Information und mehr öffentliche Kontrolle geben. „Mit den neuen Regeln für umfassendere und verständlicher formulierte Informationen für Verbraucher sorgen wir dafür, dass den Kleinanlegern deutlicher die mit einer Anlage verbundenen Risiken vor Augen geführt werden", bewerten die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann, und der zuständige Berichterstatter, Frank Steffel, das Gesetz.

Gültigkeit von Anlageprospekten

Verbraucher müssen alle notwendigen Informationen erhalten, um selbständig für sie geeignete Produkte erkennen zu können. Die Berater müssen Infomaterial ausarbeiten, das auch Risiken ausreichend klarmacht. Diese Informationsprospekte sollen künftig nicht mehr unbegrenzt, sondern nur noch 12 Monate gültig sein. Bei Verstößen kann die Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht (BaFin), die Anbieter künftig stärker sanktionieren bis hin zum Vermarktungsverbot der betroffenen Vermögensanlage.

Ausnahmen für Crowdinvesting

Für vele junge Unternehmen – vor allem im Startup-Bereich – ist Crowdinvesting eine überlebenswichtige Alternative zur klassischen Unternehmensfinanzierung. Die Anhebung der Prospektfreiheitsgrenze von ursprünglich 1 Million Euro auf 2,5 Millionen Euro erleichtert diese Finanzierungsmöglichkeit. Dem gleichen Ziel dient die Möglichkeit, das Vermögensinformationsblatt (VIB) jetzt komplett elektronisch zur Verfügung zu stellen, um diesen Unternehmen Kosten zu ersparen. „Mit den jetzigen Regelungen im Kleinanlegerschutzgesetz sichern die Koalitionsfraktionen die Grundlagen der in Deutschland noch jungen Crowdinvesting-Branche“, erklärt der Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Agenda der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Jarzombek.

Der schwerwiegendste Einschnitt für junge Startups und Initiativen war das Werbeverbot in sozialen Medien. Netzwerke, wie Facebook, Twitter oder Google+, sind wichtige und preiswerte Kommunikationskanäle, die junge Unternehmen und Crowdinvesting-Plattformen zur Akquise potenzieller Anleger nutzen. Dieses Werbeverbot wurde mit dem Kleinanlegerschutzgesetz jetzt aufgehoben. Werbung muss jedoch mit Warnhinweisen (ähnlich der auf Zigaretten) versehen werden. Hansjörg Dutz, Berichterstatter der Arbeitsgruppe Digitale Agenda: „Dies stellt sicher, dass Kleinanleger über die hohen Risiken von Crowdinvestitionen informiert werden und das persönliche finanzielle Risiko richtig einschätzen können.“ Transparenz, Vertrauen und Rechtssicherheit seien gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum dieser jungen Branche.

Um soziale Projekte, gemeinnützige Körperschaften, Religionsgemeinschaften  und Genossenschaften bei der Suche nach Geldgebern für ihr soziales Engagement nicht zu behindern, wird es für das Crowdinvesting gesonderte Regelungen geben.

Verlässliche Laufzeit

Änderungen auch bei der Laufzeit von Vermögensanlagen. Hier gelten künftig nur zwei Jahre Mindestlaufzeit, frühestens ein Jahr nach Abschluss darf gekündigt werden. Die Bundesregierung erhofft sich durch diese Regelung eine stabilere Finanzierungsgrundlage für die Anbieter. Aber auch der Anleger profitiert, indem er sein Geld in ein Projekt von einer gewissen Dauer steckt.

Lehren aus der Krise

Der Gesetzentwurf zeigt, dass die Bundesregierung die richtigen Lehren aus der Finanzkrise der letzten Jahre gezogen hat. Eines jedoch muss auch klar sein: Kein Gesetz kann einen hundertprozentigen Schutz vor Anlageverlusten oder gar Anlagebetrug bieten. Dazu ist die Entwicklung von Anlageprodukten von zu vielen Faktoren abhängig. Für Investitionen gelten daher auch weiterhin die zwei wichtigsten Grundregeln: Erstens, je höher der Zins, desto höher das Risiko. Und zweitens: Von Finanzprodukten, die man nicht versteht, sollte man besser die Finger lassen.

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