Rede


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Die Nachhaltigkeitsziele müssen lokal umgesetzt werden

Rede zum Indikatorenbericht 2014 „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland“

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Als letzte Rednerin in dieser Debatte möchte ich, nachdem wir noch viel Optimierungspotenzial festgestellt haben, aber auch eine Menge Lob gehört haben, jetzt einfach einmal aufzeigen, was wir schon alles unternehmen, um die Nachhaltigkeitsstrategie mit Leben zu füllen.
 
Die 17 Nachhaltigkeitsziele müssen jetzt auch lokal umgesetzt werden. Die Umsetzung dieser konkreten weltweiten Ziele erfordert es, unser Leben in Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Jetzt befinden wir uns in einem strukturierten Dialog, um die vertikale Kohärenz bei der Umsetzung zu gewährleisten. Seit diesem Herbst geschieht das auch unter reger Teilnahme der Bevölkerung dank der Bürgerdialoge im Rahmen der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.
 
In dieser Rede möchte ich mich auf zwei Indikatoren des Nachhaltigkeitsberichtes konzentrieren: die Indikatoren zu Bildung und zu Innovation, also Forschung. 
 
Bildung ist der Katalysator für die Sicherung einer nachhaltigen und damit besseren Zukunft; und in der neuen Nachhaltigkeitsstrategie soll Bildung für Nachhaltigkeit mehr Gewicht erhalten. Bildung für nachhaltige Entwicklung hat das Ziel, vom Wissen zum Handeln zu kommen. Bis 2030 soll jeder Lernende zum Beispiel wissen, was ein nachhaltiger Lebensstil ist, was Menschenrechte sind und was Geschlechtergerechtigkeit bedeutet. Das alles soll ein nachhaltiges Bewusstsein fördern. Bildung für Nachhaltigkeit ist kein Randthema, sondern gehört in Kita, Schule, Berufsschule, Hochschule, Forschungs-institute und Unternehmen; denn der Blick in die Zukunft muss mitgedacht werden – lebenslang.
 
(Beifall bei der CDU/CSU – Volker Kauder [CDU/CSU]: Klatscht mal, ihr Faulenzer!)
 
Es gibt bereits Initiativen, die diese Aufgaben durchführen. Im Anschluss an die UN Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ werden wir jetzt unser nationales Konzept umsetzen. Hier freut es mich ganz besonders, dass auch die erfolgreiche Bundesinitiative zur MINT-Bildung, das „Haus der kleinen Forscher“, in dem schon die Kleinsten in Kita und Grundschule für Wissenschaft und Forschung begeistert werden, in die Vermittlung von Bildung für Nachhaltigkeit einbezogen wird. 
 
(Marie-Luise Dött [CDU/CSU]: Das ist eine gute Initiative!)
 
Wenn wir, wie im Koalitionsvertrag festgelegt, 80 Prozent der Kindertageseinrichtungen mit dem „Haus der kleinen Forscher“ erreichen, so ist das doch wohl schon ein guter Anfang.
 
(Beifall bei der CDU/CSU)
 
Diese vielversprechende Verbindung von MINT-Initiativen und Bildung für nachhaltige Ent-wicklung begrüße ich ausdrücklich.
 
Ich komme zur Forschung. Forschungsergebnisse unterstützen unser Verständnis von Klimawandel und unsere Fähigkeit, mit den Folgen umzugehen. Im Rahmen dieses Wandels zu einer nachhaltigen Ge-sellschaft müssen wir scheinbar gegenläufige Ziele in Einklang bringen: Wohlstand, Fortschritt und eine lebenswerte Zukunft. Dabei sollen gleichzeitig der Ressourcenverbrauch und der Ausstoß klimaschäd-licher Stoffe gemindert werden. Das ist eine Herausforderung und Chance zugleich. Auch unser Leitantrag auf dem CDU Parteitag „Nachhaltig leben – Lebensqualität bewahren“ unterstreicht das einmal mehr. Er ist lebens- und ausführenswert.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
 
Mit den Kopernikus-Projekten wurde jetzt die größte Forschungsinitiative zur Energiewende gestartet. Neue Energiesysteme und  konzepte sollen entwickelt werden, um sie im großen Maßstab anwenden zu können. Sowohl die maximale Förderdauer von zehn Jahren als auch die geplante Fördersumme von 400 Millionen Euro machen den herausragenden Stellenwert des Vorhabens deutlich. Kopernikus soll die Weichen für neue Wege in der Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stellen. Kopernikus ist eine Energieforschung, die uns hilft, Nachhaltigkeit und unsere Klimaziele zu erreichen.
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
 
Das Anfang dieses Jahres vorgestellte Forschungsprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“, FONA3, ist darauf ausgerichtet, Innovationen zum Umbau zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu fördern. Unter den zentralen Elementen des neuen Programms ist neben der Green Economy und der Energiewende besonders die Zukunftsstadt das Thema, das mich als Berichterstatterin für nachhaltige Stadtentwicklung besonders beschäftigt. Die Stadt der Zukunft braucht eine nachhaltige Stadtentwicklung.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
 
Nachhaltige Stadtentwicklung ist erfreulicherweise ein eigenes globales Nachhaltigkeitsziel, das SDG 11. Im Bereich nachhaltiger Urbanisierung ist die deutsche Forschung auch international führend und trägt mit einer Reihe ausgezeichneter Forschungsprogramme dazu bei, Städte und Megacitys der Zukunft lebenswert zu machen. 
 
(Marie-Luise Dött [CDU/CSU]: Das müs-sen wir mehr in den Fokus stellen!)
 
– Wir müssen das mehr in den Vordergrund stellen; da hat die Kollegin völlig recht.
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Marie-Luise Dött [CDU/CSU]: Genau!)
 
Zusammen mit den UN-Habitat-Programmen und weiteren Partnern fördert das BMBF mit dem Projekt „Rapid Planning“ die Entwicklung einer schnell umsetzbaren transsektionalen Stadtplanungsmethodik, die eine rasche Anpassung an schnellwachsende Städte erlaubt. Ich hatte die Möglichkeit, mit Architekten und Studenten in Hanoi intensiv dieses Programm zu diskutieren. Es kommt gut an, und es wird auch realisiert. 
 
Für die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wäre es gut – das meint auch der Bericht –, Faktoren mit den Indikatoren Fläche, Innovation und nachhaltige Mobilität im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zusammenzufassen und abzubilden. Das muss natürlich im Dialog mit den Kommunen geschehen.
 
Als Berichterstatterin sind mir verschiedene Kommunen bekannt, die dank des FONA-Programms „Zukunftswerkstatt“ hervorragende, nachhaltige und zukunftsweisende Projekte implementiert haben. Ich nenne hier nur Freiburg und Bottrop, von Münster ganz zu schweigen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU)
 
Eine ganz erfreuliche Entwicklung ist die zunehmende Wertschätzung urbaner Grünflächen in der Stadtplanung. Grün in der Stadt sorgt nicht nur für Freiräume, Orte der Begegnung, der Erholung, der Integration, sondern liefert auch einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz und Gesundheit.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Valerie Wilms [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau: Grün!)
 
Grün in der Stadt ist einfach lebensnotwendig 
 
(Peter Meiwald [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ein gutes Schlusswort!)
 
– und völlig ideologiefrei, meine Kollegen. – Davon profitieren kleine und große Städte, kleine Forscher bis hin zu großen Forschungsvorhaben nachhaltig. Meine Kollegen, ich wünsche Ihnen allen eine gute Weihnachtszeit und bedanke mich für die gute Zu-sammenarbeit in diesem Jahr.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)