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Bankenkredit versus Kapitalmarktspritze

Unionsfraktion diskutiert mit Experten über Gründungs- und Unternehmensfinanzierung

Wie ist Deutschland bei der Finanzierung seiner Unternehmen aufgestellt und an welchen Stellen kann die Politik für Verbesserungen sorgen? Über diese und ähnliche Fragen diskutierten Finanzpolitiker der CDU/CSU-Fraktion mit Experten aus der Wirtschaft unter der Moderation des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus.

Tatsache ist: Während sich Unternehmen in Deutschland vorzugsweise über Bankenkredite finanzieren, spielt in anderen Ländern, wie beispielsweise in den USA, die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine viel größere Rolle. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder machte deutlich, Bankkredite allein könnten die Finanzierungsbedürfnisse der deutschen Wirtschaft nicht lösen.

Öffentliche Förderung für Startups

In dem Panel „Gründungsfinanzierung“ unter Leitung des Fraktionsmitgliedes Philipp Murmann bestätigte sich die Einschätzung, dass Startups auf privates Kapital angewiesen sind. Unternehmensberater Tobias Habbig etwa regte an, zu überlegen, wie für mehr institutionelles Kapital gesorgt werden könne – auch wenn Deutschland  den Vergleich mit anderen Ländern auf diesem Gebiet nicht scheuen müsse. Öffentliche Förderung alleine sei allerdings nicht der Schlüssel, sagte Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft. Pawel Chudzinski , Mitgründer des Frühphasen-Investors Point Nine Capital, schlug vor, auch die steuerlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen herstellen

Die finanzpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Antje Tillmann, widmete sich in dem Panel „Bankengestützte Finanzierung“ der klassischen Finanzierungsform durch Kreditinstitute. Unternehmer Mathis Kuchejda wies darauf hin, dass der Mittelstand der stabilste Kreditnehmer in Deutschland sei. Professor Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum machte deutlich, dass eine Modernisierung der deutschen Bankenlandschaft nicht etwa bedeute, kleine, innovative Finanzdienstleister („FinTechs“) einfach zu kopieren. Vielmehr müssten die Banken die Bereiche Analyse und Beratung in den Vordergrund stellen. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon mahnte an, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Finanzmarktbeteiligten zu schaffen, indem „Schattenbanken“ - also Unternehmen, die Bankdienstleistungen anbieten, ohne eine Bank zu sein - international besser reguliert werden.

Kapitalmarktgestützte Finanzierung

In dem Panel „Kapitalmarktgestützte Finanzierung“ unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Parlamentskreises Mittelstand, Mathias Middelberg, warb Alexander von Preysing von der Deutschen Börse dafür, in die Kapitalmarkt- und Wirtschaftsbildung zu investieren. Der Grund, weshalb die Kapitalmarktfinanzierung in Deutschland weniger stark verankert sei, sahen die Experten Arnold Fohler von der DZ Bank und Hanns Beese von der Constantin AG in einer ganz anderen  Mentalität hierzulande als beispielsweise in den USA. Die Politik könne aber das Interesse dadurch wecken, dass die kapitalmarktgedeckte Altersvorsorge über Aktien stärker gefördert werde.

Alternative Finanzierungsformen

In dem letzten Panel arbeitete die CDU-Abgeordnete Anja Karliczek mit den Experten Sonja Brei von der Alba Group, Horst Fittler vom Bundesverband Leasing und Rechtsanwalt Tobias Riethmüller die Stärken „alternativer Finanzierungsformen“ heraus. Im Vordergrund standen das Leasing und das Crowdfunding. Leasingfirmen könnten mit Hilfe der bei ihnen beschäftigten Ingenieure den Wertverlauf eines Wirtschaftsguts exakt prognostizieren, meinten die Experten. Eine Gefahr wurde in den laufenden internationalen Arbeiten zur Reform der Leasingbilanzierung gesehen, die auch auf das deutsche Handelsgesetzbuch abfärben könnten. Horst Fittler wies zudem darauf hin, dass die Leitlinien, die die European Banking Authority erlässt, oft nicht auf die Sondersituation beim Leasing passen.