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Abgeordnete auf #Startuptour in Berlin

Startups sind der Mittelstand von morgen. Allein in Berlin wird alle 20 Stunden ein neues Startup gegründet. Die Gründerszene ist dementsprechend vielfältig und umfangreich. Das wirtschaftliche Potenzial ist enorm. Das wissen auch unsere Abgeordneten und haben sich jetzt selbst ein Bild gemacht. Auf einer Startuptour durch Berlin schauten sie sich zehn innovative Unternehmen an.

Startups schaffen neue Arbeitsplätze. Sie fördern den Wettbewerb und bringen Innovationen hervor. Die Unionsfraktion hat dieses Potenzial von jungen, innovativen Unternehmen schon lange erkannt. Wir sind überzeugt: Startups sind Seismografen des digitalen Wandels. Sie sind ein Fenster in die Zukunft und zeigen auf, wohin sich Branchen entwickeln können. Sie geben damit Hinweise darauf, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit Deutschland auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt.

Neue Wege gehen, mutig sein

"Neue ‎Wege gehen, disruptiv denken, mutig sein, sich vernetzen - Gründer müssen all das, um erfolgreich sein zu können. Das hat der Besuch bei AtomLeap, einer von zehn Stationen der ersten Startup Tour der Unionsfraktion gezeigt“, fasst die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nadine Schön ihre Eindrücke zusammen. Die Digitalpolitikerin weiß aber auch: Es gibt bereits zahlreiche gute Unterstützungsmaßnahmen und innovationsfördernde staatliche Rahmenbedingungen für Startups. So habe beispielsweise eines der jungen Unternehmen, die vom Hardwareaccelerator AtomLeap unterstützt werden, eine Förderung über das EXIST-Programm erhalten – „eine von vielen wichtigen Unterstützungsmaßnahmen gerade in der Startphase“, so Schön.

Shuttleservice von Allygator ist Mobilität der Zukunft

Das findet auch Thomas Jarzombek, der bei den Machern von Allygator Shuttle zu Gast war. Mit ihrem neuen Fahrservice wollen die Gründer des Fahrdienstes Alternativen zum eigenen Auto schaffen. Passagiere bestellen ihre Fahrt per App, werden durch qualifizierte Fahrer direkt von ihrem Standort abgeholt und zum Ziel gebracht. Dabei teilen sie sich den Shuttlebus mit anderen Fahrgästen. Ein Algorithmus berechnet den schnellsten Weg durch die Stadt. So sollen Wartezeiten und Staus vermieden werden. CEO und Mitgründer von Allygator Shuttle,Maxim Nohroudi, sieht die Shuttles als „sinnvolle Ergänzung“ zum öffentlichen Nahverkehr.

Staus vermeiden: Algorithmen berechnen Verkehrsströme

Thomas Jarzombek gibt dabei ihm Recht: "Die Mobilität der Zukunft wird bahnbrechende Veränderungen mit sich bringen. Das automatisierte Fahren wird den Verkehr in unseren Städten grundlegend verändern.

Mobilitatsstartups die z.B. durch Analyse von Verkehrsströmen passgenaue Lösungen im Nahverkehrsbereich anbieten, leisten bereits heute einen Beitrag dazu, Staus zu vermeiden und Verkehrsaufkommen zu senken“, sagte er nach seinem Besuch bei Allygator.

Nicht auf bestehenden Fördermaßnahmen ausruhen

Dennoch muss klar sein, dass sich die Politik auf bereits existierenden Maßnahmen für junge Unternehmen nicht ausruhen dürfe. „Wir brauchen die Startup-Szene um auch zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Digitale Bildung, Bürokratieabbau, mehr Venture Capital, eine gute Netzinfrastruktur und ein besseres Gründungsklima - vieles müssen wir gemeinsam angehen.

Der Digitale Wandel birgt eine Riesenchance für uns. Diese müssen wir nun nutzen", sagte Nadine Schön nach ihrem Besuch bei AtomLeap.

 

Das Unternehmen hat Verfahren entwickelt, wie für Unternehmen Startups gefunden werden können, die für ihre Arbeit interessant sind. AtomLeap entwickelte dafür eigene Parameter, um bestimmte Trends zu analysieren. Diese maßgeschneiderten Analysen - ausgehend von der globalen Datenbank - sind ein Alleinstellungsmerkmal der Unternehmer.

Abgeordnete unterschiedlicher Fachausschüsse gingen auf Tour

Auch die anderen Teilnehmer der Tour wollten deshalb wissen:  Wo liegen die Chancen, wo sind Bedürfnisse, was kann die Politik noch verbessern? Auf ihrer Tour durch Berlin suchten sie das Gespräch mit Gründerinnen und Gründern von zehn thematisch unterschiedlichen Startups aus den Bereichen eHealth, Mobilität, FinTech, 3D-Druck oder Landwirtschaft.

Startup liefert verlässlichere Wahlprognose als etablierte Institute

Für die Politikerinnen Christina Schwarzer und Gisela Manderla ging es auf ihrer Startuptour zu Civey. Das Kreuzberger Startup ging vor wenigen Monaten mit einem konkreten Ziel an den Start: Verlässliche Daten über Politik und Gesellschaft für jeden zugänglich machen. Mit ihrer ersten größeren Wahlumfrage hat Civey gleich für Aufsehen gesorgt. Zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin lieferten sie die zweitbeste Prognose ab und ließen etablierte Institute wie Infratest dimap und Forsa hinter sich.

Gründerinnen auf dem Vormarsch

Mit Janina Mütze trägt eine junge Frau Mitverantwortung für das Unternehmen – im Startup-Kosmos ist sie damit noch in der Minderheit. Für die Gründerin war die Mann-Frau-Frage jedoch gar nicht so relevant. Ein anderes soziodemografisches Merkmal gibt für sie den Ausschlag: das Alter. „Ich war erst 25, als ich Civey mit gegründet habe. Das Risikobewusstsein ist da noch nicht so ausgeprägt. Ich könnte zurück an die Uni, habe keine Verpflichtungen“, sagt Janina Mütze. Christina Schwarzer sieht das ähnlich: „Wenn man beispielsweise schon Kinder hat, geht man da vielleicht anders ran. Da kann man sich scheitern überhaupt nicht leisten.“

Innovationsfreude setzt Vereinbarkeit von Familie und Beruf voraus

Viel wird in diesem Zusammenhang von Mut und Wagnis gesprochen. Dem Mut, etwas zu wagen und damit auch dem Mut, das eigene Scheitern zu akzeptieren. Dazu braucht es allerdings auch einen Wertewandel in unserer Gesellschaft, der Scheitern in Unternehmen nicht per se geringschätzig betrachtet. Politiker können dafür Vorbilder sein. Aber wenn ein junger Gründer Familie hat, vielleicht Verantwortung für Kinder oder ältere Angehörige trägt, ist das mit dem Mut leichter gesagt als getan. „Dafür müssen wir uns als Politik gute Lösungen überlegen“, findet Christina Schwarzer. „Wir wollen junge Unternehmensgründer fördern und wir wollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Jetzt müssen wir diese beiden Gedanken nur noch zusammen bringen. Instrumente gibt es viele, die wir noch besser auf Gründerinnen und Gründer ausrichten müssen. Das fängt beim Elterngeld an und hört bei flexiblen Kinderbetreuungsmöglichkeiten noch lange nicht auf. Vor allem die Themen Finanzierung und Sicherheit spielen bei Gründern, die eben nicht nur für sich selbst und ihr Unternehmen verantwortlich sind, nochmal eine ganz besondere Rolle.“

Smart Farming als Zukunft der Landwirtschaft

Wie die Digitalisierung im Agrarbereich geht, das zeigte etwa trecker.com. Maik Beermann  war hier zusammen mit seinen Parlamentarier-Kollegen Wilfried Oellers, Josef Rief und Karl-Heinz Wange zu Gast. Das Startup mit Sitz im Herzen von Berlin hat sich zur Mission gemacht, mit der Landwirtschaft eine der ältesten Wirtschaftsbranchen mit Hilfe einer speziellen Software zu digitalisieren. Die Vision, Software und Landwirtschaft zu verbinden sei Treiber und Motivation ihrer Arbeit, sagten die Unternehmensgründer im Gespräch. Ziel des Startups ist es vor allem, für die Kunden eine Leistungssteigerung mit Hilfe digitaler Technologien zu generieren. Dies sei nicht nur die Zukunft der Landwirtschaft, sondern es mache gleichzeitig das Leben der Landwirte leichter, so die Gründer.

Fehlende Breitbandversorgung als Bremse für Innovationen

Der Prozess, der unter Smart Farming bekannt ist, war eines der wichtigen Themen, über das die Abgeordneten sich mit dem trecker.com-Team austauschten. Sie erhielten bei ihrer Tour aber auch einen Einblick in den Alltag eines Startups und konnten am Ende selbst die App des Anbieters testen. Hierbei wurde deutlich: Alle Anwendungen funktionieren nur, wenn auch auf dem Land eine Breitbandversorgung mit schnellem Internet vorhanden ist. Nur dann kann Deutschland das Potential von Smart Farming richtig nutzen und damit auch den Wohlstand unseres Landes zukünftig sichern.

Digitaler Hörtest - Medizintechnik als App

Einem ganz anderen Thema widmet sich das bereits mehrfach ausgezeichnete Startup Mimi Hearing Technologies. Hier konnten die Abgeordneten eine gemeinsam mit der Charité als Forschungspartner entwickelte App für Smartphones im Selbsttest ausprobieren. Die App identifiziert durch einen Hörtest individuelle Hörschwächen in jeweiligen Frequenzbereichen und setzt das Testergebnis unmittelbar über die App Mimi Music bei der Wiedergabe der Musik um, die der Nutzer jeweils gerade hören will. Dabei wird die Wiedergabe individuell auf das persönliche Hörprofil abgestimmt, sodass die volle Frequenzbreite hörbar wird, das heißt, das Klangergebnis wird authentisch und klar.

Um die bereits als Medizinprodukt zertifizierte App breiter einsetzen zu können, hoffen die Entwickler nun sowohl auf Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung durch den GBA als auch auf die standardmäßige Installation auf Smartphones.

Startups schaffen Wohlstand von morgen

Den Parlamentarier Hansjörg Durz führte seine Tour in eine ganz andere Richtung neuer Innovationen. Bei BigRep bekam die Gruppe eindrucksvoll und praxisbezogen gezeigt, wie der 3D-Druck die industrielle Produktion revolutionieren wird. Denn das Startup setzt mit seiner Innovationsabteilung Maßstäbe und forscht nicht nur daran, wie die nächste Generation des 3D-Drucks aussehen wird, sondern es widmet sich bereits der Idee, wie Anwendungen der übernächsten Generation aussehen werden.

„BigRep demonstriert damit, dass bestehende Unterstützungsprogramme für Gründung innovativer Unternehmen gut sind, viel wichtiger aber tatsächlich Investitionen in Forschung und vor allem Bildung sind“, sagte Durz nach seinem Besuch bei den Gründern. „Deutschland kann nur Schritt halten mit der digitalen Revolution, wenn unsere starke, mittelständische Wirtschaft in Innovation und Forschung investiert.“

Intelligente Ladekabel für E-Fahrzeuge

Jens Koeppen machte mit einer weiteren Gruppe von Abgeordneten am EUREF Campus Halt. Ubitrictiy ist ein junges Unternehmen an der Schnittstelle von Telekommunikation und Energiewirtschaft, das mit seiner Geschäftsidee an der dünnen Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge ansetzt. Strom tanken soll überall dort funktionieren, wo einfach Systemsteckdosen installiert werden können – z.B. in Straßenlaternen.

Mitgründer Knut Hechtfischer erläuterte den Abgeordneten, wie Autofahrer ihr E-Fahrzeug an Ladepunkten mithilfe des von Ubitricity entwickelten intelligenten Ladekabels auftanken können. Die Strommenge wird dabei genau erfasst und abgerechnet. Hürden für das junge Unternehmen bestünden laut den Gründern vor allem im „regulatorischen Dschungel“. Um die bestehenden Klemmstellen zu beseitigen, haben die Abgeordneten mit dem Gründer vereinbart, auch zukünftig im Dialog zu bleiben. Jens Koeppen, betonte als Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda, dass sich Politik und Startups bei der Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gegenseitig blockieren dürften: „Hier sind wir als Politik gefragt, um Entwicklungen anzuschieben.“

App unterstützt Kommunen bei der Vergabe von Betreuungsplätzen

Einen anderen gesellschaftlichen Engpass will daneben das Startup Little Bird lösen. Hier war Tim Ostermann zu Gast und im Nachgang sehr beeindruckt: "Das Startup schafft es mit einem ganzheitlichen Ansatz, die Kommunen bei der Vergabe von Betreuungsplätzen zu entlasten und ihnen gleichzeitig neue Analysemöglichkeiten an die Hand zu geben. Eltern profitieren von einem einfach strukturierten System, das den Stress bei der Suche nach einem geeigneten Betreuungsplatz deutlich reduziert“, sagte der Innen- und Digitalpolitiker.

Als politischen Auftrag habe er vor allem zwei Dinge mitgenommen: Einerseits hapert es bei den Startups nach wie vor an geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten. Startups müssen oft eine langwierige, für den Unternehmenserfolg sehr gefährliche Phase durchmachen, bevor sie sich im Markt etablieren können. Andererseits wünschten sich die Startups ein stärkeres Engagement des Staates beim Vorantreiben der Digitalisierung der Verwaltung.

„Hier bleiben noch viele Möglichkeiten ungenutzt, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland großes Potential bedeuten", sagte Ostermann.

Bei Venture Capital noch mehr wagen

Hier setzen die Initiativen der Unionsfraktion an. Denn klar ist: neues Kapital ist wichtig – gerade in der Wachstumsphase. Klar ist aber auch, es braucht gute Ideen. Anspruch ist daher, noch besser zu werden. „Wir müssen gemeinsam die Digitalisierung vorantreiben und damit unseren Wohlstand zukünftig sichern. Denn der digitale Wandel birgt eine Riesenchance für unsere Gesellschaft. Diese müssen wir jetzt nutzen“, resümierte Nadine Schön die Startup-Tour ihrer Fraktion. Allerdings tue die Union auch schon viel für Gründer. So hat sich die Fraktion etwa in den letzten Jahren nachhaltig dafür eingesetzt, die Rahmenbedingungen für junge und innovative Unternehmen immer weiter zu verbessern – gerade im Bereich von Venture Capital: KfW-Förderdarlehen, INVEST-Zuschüsse, High-Tech-Gründerfonds, EXIST-Programme – um nur einige zu nennen.

Digitalisierung der Finanzwirtschaft

Davon profitiert auch die Digitalisierung der Finanzwirtschaft. Einen Einblick in den sogenannten FinTech-Bereich gab das Unternehmen FinLeap. Dr. Andreas Nick war bei den Gründern zu Gast und schaute sich an, wie junge Unternehmen, die in diesem Markt auf moderne Technologien setzen, für Innovation und mehr Wettbewerb in der Branche sorgen.

„'Finleap' bietet eine Plattform sowohl für die Entwicklung neuer Unternehmensideen als auch die Unterstützung junger Firmen im FinTechbereich. Das Unternehmen kann durch die Zusammenarbeit mit der BaFin-lizensierten Solaris-Bank Fintechs im B-to-B als auch im B-to-C Bereich Lösungen anbieten“, sagte Nick im Nachgang der Gespräche. Außerdem seien drei zentrale Punkte deutlich geworden: Die neuen Geschäftsmodelle der FinTechs haben die Wertschöpfungskette des klassischen Marktes für Finanzdienstleistungen aufgebrochen, im Hintergrund vieler FinTechs stünde aber oft eine 'klassische' Bank.

Eine große Herausforderung wachsender Unternehmen bestünde jedoch auch darin, neue qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Denn die Nachfrage nach gut ausgebildeten Talenten, insbesondere in Berlin, könne nicht immer bedient werden. Andererseits würden in Frage kommende ausländische Mitarbeiter zum Teil durch den hohen bürokratischen Aufwand eines Umzuges nach Deutschland abgeschreckt.

Zuletzt, so erfuhr Nick, sei auch für digitale Unternehmen der direkte, physische Austausch wichtig. Berlin biete, so die Gründer, dafür beste Voraussetzungen.