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Vor 30 Jahren: Erlösende Worte vom Balkon der Prager Botschaft

Freude, Dankbarkeit und Erleichterung

Auch nach 30 Jahren lösen die Filmaufnahmen vom 30. September 1989 Gänsehaut aus. Auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag, dem Palais Lobkowicz, sprach der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zu mehr als 5000 Flüchtlingen aus der DDR seinen berühmten Halbsatz und legte einen Meilenstein auf dem Weg zur Deutschen Einheit.

Begleitet wurde Genscher von dem damaligen Kanzleramtschef Rudolf Seiters (CDU). Er sagte später, die Szene gehöre „zu den emotionalsten Erlebnissen“ seines politischen Lebens. „Die Erinnerung an die Freude, Dankbarkeit und Erleichterung der Menschen bei den Gesprächen im Garten, die Jubelrufe nach der Verkündung der Ausreisemöglichkeit – das alles holt einen immer wieder ein.“ Prag sei die Stadt, in der der erste Stein aus der Mauer gebrochen wurde.

Die rund 5000 DDR-Bürger hatten über Tage, Wochen und teilweise Monate unter schwierigsten hygienischen Bedingungen im Garten der Botschaft oder im Gebäude selbst ausgeharrt. Ihre von Seiters mit der SED-Führung ausgehandelte Ausreise in die Bundesrepublik gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Deutschen Einheit.