Rede


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Volkmar Vogel: Baukultur ist keine Kunst am Bau!

Rede zum Baukulturbericht 2016/17

Wir beraten heute im Bundestag zum zweiten Mal über einen Baukulturbericht. Die Stiftung „Baukultur“ hat sich damit fest als wichtigster Ansprechpartner für die Baukultur etabliert. Mit dem inhaltlich aussagekräftigen, gut und verständlich formulierten und mit wichtigen Empfehlungen für Politik und Gesellschaft versehenen Bericht steht fest: Baukultur ist keine Kunst am Bau! Baukultur ist auch nicht on top. Baukultur empfiehlt das Wie des Bauens, ohne dass damit zwingend Mehrkosten verbunden sind.

Nach dem ersten Baukulturbericht, der sich vor allem mit unseren Metropolen beschäftigte, war es logisch und richtig, dass sich der jetzige, zweite Baukulturbericht mit den vielfältigen Beziehungen zwischen Stadt und Land sowie den Entwicklungen in mittleren und kleinen Städten und Dörfern auseinandersetzt.

Bei allen wichtigen strukturellen Beziehungen zwischen den großen Städten und den ländlichen Regionen halte ich es für richtig, dass die Verantwortlichen in der Stiftung „Baukultur“ diese Betrachtungen voneinander getrennt haben. Denn es gibt Unterschiede zwischen großen Metropolen und kleinen Städten und Dörfern. Das ist auch richtig und sollte so bleiben. Ebenso richtig und wichtig ist es allerdings auch, dass wir in allen Siedlungsstrukturen für ein lebenswertes Wohn- und Arbeitsumfeld sorgen.

Wir haben die Empfehlungen aus dem ersten Bericht aufgegriffen. So haben wir zum Beispiel mit der Änderung der Baunutzungsverordnung und dem darin geschaffenen „Urbanen Gebiet“ dafür gesorgt, dass Leben und Arbeiten in den Quartieren wieder besser möglich ist. Dies ist ein wichtiger Beitrag für durchmischte Quartiere. Zudem haben wir durch bessere Möglichkeiten der Nachverdichtung und Aufstockung für effektivere Baulandnutzung gesorgt. Gleichzeitig unterstützen wir mit unserem Programm „Grün in der Stadt“, mit dem modifizierten Programm des Stadtumbaus und mit der Weiterentwicklung des Programms „Soziale Stadt“ ein lebenswertes Umfeld in der Stadt.

Für unsere kleinen Städte und Dörfer steht diese Aufgabe aus meiner Sicht noch bevor. Hier sollten wir uns für die nächste Legislaturperiode die Aufgabe stellen, Baunutzungsverordnung und Bauordnung auch diesen Siedlungsstrukturen anzupassen.

Unsere Dörfer dürfen keine Schlafdörfer sein. Wohnen und Arbeiten muss auch in kleinen Gemeinden gut möglich sein. Junge Leute, die in ihrem Dorf oder in ihrer Stadt bleiben wollen oder dorthin zurückkehren möchten, müssen Möglichkeiten zum Bauen haben. Die Umnutzung von nicht mehr gebrauchten Wirtschaftsgebäuden zu Wohnzwecken muss leichter möglich sein. Auch der sogenannte Außenbereich im Innenbereich darf kein Tabu mehr für mögliche Bebauung sein.

Gewerbe – und dabei nicht nur Gastronomie und Einzelhandel, sondern auch Handwerk und Produktion – muss im Ort möglich sein. Heutige Produktionsmethoden verursachen weniger Lärm und Luftbelastung.

Der vorliegende Baukulturbericht 2016/17 zeigt gute Lösungsansätze für solche erstrebenswerten Entwicklungen. Allen daran Beteiligten, insbesondere den Mitarbeitern der Stiftung „Baukultur“, möchte ich dafür danken.

Es ist eine richtige Entscheidung, dass wir die Zuwendung der Stiftung im Bundeshaushalt für das laufende Jahr auf circa 1,5 Millionen Euro aufgestockt haben. Dies darf als Ansporn gelten für die Förderer und Mitglieder der Stiftung, ihr Engagement ebenfalls merklich zu erhöhen. Angesichts des Berichtes, aber insbesondere der damit verbundenen Diskussion um Entscheidungsprozesse ist dies gut angelegtes Geld für die Baukultur in unserem Land.

Ich bin gespannt und freue mich bereits jetzt auf den dritten Baukulturbericht. Themen gibt es reichlich. Die Verbindung von Baukultur und Energieeffizienz in Verbindung mit nachwachsenden Baustoffen ist ebenso eine Herausforderung wie die Betrachtung unserer Industrie- und Gewerbegebiete samt ihrer Industriebauten, die darauf stehen. Auch diese Häuser und Hallen prägen unsere Siedlungsstrukturen.

Ich hoffe, dass es uns gelingt, in den nächsten Jahren unsere Diskussionen zur Baukultur im Gebäude der Schinkelschen Bauakademie – deren Wiederaufbau der Bund wohlgemerkt mit 80 Millionen Euro finanziert – führen zu können.