Stechen einer Tätowierung

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(Quelle: picture alliance/imageBROKER)
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"Tätowieren für Verbraucher sicherer machen"

3 Fragen, 3 Antworten mit Gitta Connemann

Verbraucher müssen sicher sein können, dass sie ihrer Gesundheit nicht schaden, wenn sie sich tätowieren lassen. Deshalb hat die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Gitta Connemann, Vertreter der Branche und der zuständigen Behörden eingeladen, um über Hygienestandards, Zusammensetzung der Farben und Ausbildung der Tätowierer zu sprechen. Im Kurzinterview erklärt sie, wie Politik die Rahmenbedingungen verbessern kann.

Warum beschäftigen Sie sich mit dem Thema Tätowierungen? Gibt es nichts „Wichtigeres“? 

Gitta Connemann: Schätzungsweise 20 Prozent der Menschen in unserem Land tragen ein Tattoo. In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen entscheidet sich jede zweite Frau für eine Tätowierung – Tendenz steigend. Wir sprechen also über ein Alltagsphänomen. Wenn wir Verbraucherschutz ernst nehmen, müssen wir uns mit den Rahmenbedingungen beschäftigen. Wie sehen die aus? Sind sie passgenau? Besteht Regelungsbedarf? Welche Probleme bestehen? 

Wir brauchen zunächst ein Gesamtbild. Deshalb haben wir Vertreter der Tattoo-Verbände, Ministerien, Bundesbehörden, Wissenschaftler, Krankenkassen, Unfallversicherungen und Mediziner zu einem Fachgespräch eingeladen. In diesem ersten Aufschlag loten wir aus, welche Handlungsempfehlungen es z.B. in Sachen Berufszugang, Hygienestandards, Tätowiermittel, Wundbehandlung, Risikoaufklärung, Forschung etc. geben könnte. Dabei geht es uns nicht um das „Ob“ sondern um das „Wie“ des Tätowierens. Wir wollen niemanden gängeln. Jedem sein Tattoo – sofern er bzw. sie volljährig ist. Aber wir brauchen Sicherheit für die Kunden bei Tätowierungen. Wir reden mit den Betroffenen - nicht über sie. 
 
Welche Risiken gibt es im Bereich der Tätowierungen?

Connemann: Tattoos gehen "unter die Haut" - und das ein Leben lang. Die Folgen sind nicht absehbar. Das beginnt bei den Tätowiermitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt hier Alarm. Manche Farben spalten sich im Extremfall in Blausäure und Benzol auf. Einige Substanzen können Krebs auslösen. Allergie- und Infektionsgefahren müssen unter die Lupe genommen werden. Die Langzeitwirkung im Körper ist nicht genau bekannt. Und die wissenschaftliche Datenlage reicht noch nicht. 

Welchen Handlungsbedarf sehen Sie schon jetzt? 

Connemann: Der Begriff des Tätowierers ist nicht geschützt. Jeder, der ein Gewerbe anmeldet, darf loslegen. Es gibt keine Ausbildung, keinen Befähigungsnachweis. Ein Gewerbeschein reicht. Mit einem Starterpaket aus dem Internet kann sich jeder selbständig machen. Glücklicherweise haben die meisten Tätowierer einen hohen Anspruch an sich selbst. Aber es gibt auch Schwarze Schafe. Darunter leiden die wirklichen Könner und Profis - und die Verbraucher. Deshalb fordert die Branche selbst eine Regelung.

Es fehlen verpflichtende Standards für alle Tätowierstudios – für die vorherige Beratung, das Stechen von Tattoos, die Wundbehandlung danach. In vielen Studios werden Tattoos unter einwandfreien hygienischen Bedingungen und von fachkundiger Hand gestochen. Aber das ist leider nicht überall der Fall. Für Verbraucher ist dies nur schwer erkennbar. Sie müssen sich aber darauf verlassen können, dass Standards eingehalten werden.