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Maik Beermann: "Der Beruf des Landwirts ist Hightechjob geworden"

Rede zur Digitalisierung in der Landwirtschaft

Bei RTL heißt es zu meinem Bedauern schon viel zu lange „Bauer sucht Frau“; denn was diese Sendung bei dem Großteil der Zuschauer über den Landwirt an sich und über die Landwirtschaft von heute vermittelt, hat mit der Realität nicht wirklich viel zu tun. Denn die Landwirte leben mittlerweile so weit in der Zukunft wie kaum eine andere Berufsgruppe. In den großen Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern setzt schon ein Drittel der Bauern auf den Einsatz digitaler Technologien. Bei den kleineren Höfen tun dies immerhin noch 19 Prozent. Die Landwirtschaft ist Treiber und Vorreiter der Digitalisierung. Als Kind des ländlichen Raumes in Niedersachsen ist mir das klar, aber vielen ist das immer noch nicht bewusst. Viele sehen nur das Mehl, die Milch oder das Kotelett, das sich optisch nicht verändert hat; doch im Hintergrund hat in der Produktion ein Wandel eingesetzt, der in seiner Dynamik hochtechnisierte Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie überholt. Der Beruf des Landwirts ist zu einem anspruchsvollen Hightechjob geworden.

Doch die Automatisierung und Digitalisierung schlägt sich nicht nur auf das Berufsbild nieder, sondern hat zugleich großes Potenzial, um die Ökologie mit der Ökonomie ein wenig zu versöhnen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass das Thema Digitalisierung der Landwirtschaft derzeit so viel Beachtung findet. Denn die Herausforderungen und Anforderungen stehen direkt vor der Tür. Ich denke hierbei nur an die Produktionssteigerungen der letzten Jahrzehnte. Und wenn wir uns die Prognosen ansehen, dann wird deutlich, dass auch in Zukunft erhebliche Produktivitätssteigerungen unerlässlich sind. Musste ein Landwirt im Jahr 1930  10 Menschen versorgen, so muss er heute 155 Menschen und im Jahr 2050  250 Menschen versorgen. Daneben müssen aber auch natürliche Ressourcen geschont und das Tierwohl im Blick behalten werden. Hierbei halten digitale Lösungen zahlreiche positive Effekte bereit. Viele sind schon implementiert, andere stehen noch an.

Der Antrag greift genau die Punkte auf, auf die es ankommt. Ich nenne den Breitbandausbau und den Mobilfunkausbau. Nach wie vor liegen zu viele Orte in unseren ländlichen Regionen am digitalen Feldweg. Ich nenne die Einführung einer Agrarmasterplattform. Eine solche Plattform könnte Landwirte von einfachen Arbeitsaufgaben entlasten und parallel dazu sowohl die Produktivität, die Produktqualität als auch die Sicherheit der Prozesse erhöhen. Gerade bei Geo-, Wetter- und Satellitendaten halte ich persönlich eine Bereitstellung an öffentlichen Informationen im Sinne von Open Data und Open Source für nötig. Zugleich sind Fragen des Datenschutzes, der Datensicherheit und der Datenhoheit zu beachten. Nur wenn Landwirte wissen, dass ihre Daten sicher sind und wer darauf Zugriff hat, werden die neuen Anwendungen auch in der Breite genutzt.

Mir imponieren die Landwirtinnen und Landwirte in unserem Land; denn sie sind – manchmal anders als wir hier im Hause – Menschen der Tat und weniger des Wortes. Helfen wir ihnen, die Digitalisierung aktiv zu gestalten, wenn wir wollen, dass sie unsere Land- und Ernährungswirtschaft nachhaltiger macht, und wenn wir wollen, dass die Landwirtschaft zukunftssicher und wettbewerbsfähig bleibt. Die Zeiten des Zuschauens sind definitiv vorüber; vielmehr müssen wir gemeinsam gestalten und als Politik die Rahmenbedingungen setzen.