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Landwirtschaft und Naturschutz miteinander versöhnen

Fachgespräch der Unionsfraktion zu Artenschutz und Biodiversität

Erfolgreicher Artenschutz und der Erhalt der Artenvielfalt gelingen nur im gesellschaftlichen Miteinander. Dies ist Ergebnis eines Fachgesprächs zur Biodiversität, bei dem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion jetzt in Berlin Politiker, Experten und gesellschaftliche Akteure an einen Tisch gebracht hat.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Georg Nüßlein machte klar, dass die hierbei gerade zwischen Naturschutz und Landwirtschaft auftretenden Interessenskonflikte nur gelöst werden können, wenn „Win-Win-Situationen“ geschaffen werden: „Wenn wir wollen, dass unsere Landwirte noch mehr für den Artenschutz tun, dann müssen wir sie dabei unterstützen und entsprechende wirtschaftliche Anreize setzen“, sagte Nüßlein.

Daniel Wolf, der für das Bundesamt für Naturschutz den Artenschutz-Report 2015 koordiniert hat, präsentierte mitunter Besorgnis erregende Befunde. Demnach ist ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten im Bestand gefährdet. Als Konsequenz daraus forderte Wolf eine stärkere Ökologisierung der landwirtschaftlichen Produktion. Till Hopf, Naturschutzreferent beim Naturschutzbund Deutschlands (NABU), berichtete von einem massiven Rückgang des Insektenaufkommens, der in einer Langzeitstudie in Nordrhein-Westfalen festgestellt wurde.

„Wir brauchen mehr Dauergrünland“

Heinz Litzbarski, Vorsitzender des Fördervereins Großtrappenschutz, aus Brandenburg und seit Jahrzehnten aktiver Artenschützer formulierte folgende Erwartungen an die Politik: „Wir brauchen mehr Dauergrünland und weniger Grünlandumbruch, weniger Düngung und einen besseren Moorschutz.“ Außerdem sprach er sich für eine effektive Bejagung des Raubwildes aus, ohne die seiner Meinung nach kein Artenschutz in der Agrarfläche möglich ist.

Christian Konrad, Bürgermeister der Stadt Leipheim in Bayern und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos, berichtete vom erfolgreichen Projekt der Wiedervernässung der Moorlandschaft in seiner Heimat. Er stellte die Bedeutung des Moorschutzes für den Klimaschutz heraus: „Wenn wir hier erfolgreich sein wollen, brauchen wir die aktive Mitarbeit unserer Landwirte. Die kriegen wir aber nur, wenn wir sie für ihre gesellschaftliche Leistung angemessen honorieren“, erklärte Konrad.

Schöpfung bewahren

Die Leistungen der Jagd für den Artenschutz stellte Hartwig Fischer, Präsident des Deutschen Jagdverbandes, heraus. Clemens Neumann, Abteilungsleiter aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, sah im Vertragsnaturschutz ein vor Ort sehr gut funktionierendes Instrument. Seine Kollegin aus dem Bundesumweltministerium, Abteilungsleiterin Elsa Nickel, betonte, dass bei der Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie schon einiges erreicht worden sei, aber nach wie vor erheblicher Handlungsdruck bestehe. Diana Pretzell von der Umweltorganisation WWF verlangte, die Ursachen des Verlusts an Artenvielfalt entschiedener anzugehen. Von „Agrarumweltschutzprogrammen“ und daraus entstehenden Synergien berichtete Hartmut Schwarze, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Für den Aufbau eines flächendeckenden Monitorings über die Entwicklung des Insektenbestandes will sich Klaus-Peter Schulze, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für den Artenschutz, einsetzen. Wichtige Impulse für den Naturschutz könnten auch von der Bundeskompensationsverordnung ausgehen, meinte er. Leider würde diese bislang im Bundesrat blockiert.

Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Marie-Luise Dött, verwies abschließend darauf, dass die Bewahrung der Schöpfung ein Kernelement der Programmatik von CDU und CSU sei. Die Veranstaltung habe viele Herausforderungen aufgezeigt, aber auch Erfolge verdeutlicht: „Aus diesen Erfolgen müssen wir Motivation schöpfen.“ Viele Nutzungskonflikte seien nicht mit einem „Entweder-oder“ zu lösen. Es gehe darum, sinnvolle Anreize für ein „biodiversitätsgerechteres Verhalten“ zu setzen.