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Katrin Albsteiger: "Diese Vision von Erasmus weitertragen"

Rede zur Bildung in Europa - ERASMUS-Programm

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Vieles kann die Parlamentsarbeit manchmal mühsam machen. So schön es ist, wenn man sich hier in Plenardebatten richtig aneinander reiben und wirklich auch sehr unterschiedliche Auffassungen zu dem einen oder anderen Thema vertreten kann – auch gestern hatten wir so eine Debatte hier im Plenum; wahrscheinlich waren es mehrere dieser Art –, so schön ist es doch auch – gerade zum Ende dieser Sitzungswoche –, über ein Thema zu diskutieren, bei dem große Einigkeit in diesem Parlament herrscht.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Für den vorliegenden Antrag – ich möchte gar nicht sagen, dass er nach langwierigen Verhandlungen entstanden ist – haben wir uns durchaus viel Zeit genommen. Dafür möchte ich mich auch herzlich bei meinem Kollegen Martin Rabanus bedanken. Das war eine sehr gute Zusammenarbeit. Gerne wieder!

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Martin Rabanus [SPD]: Ebenso! Das kann ich nur zurückgeben!)

– Herzlichen Dank.

(Beifall des Abg. Dr. Thomas Feist [CDU/CSU])

Es ist schon gesagt worden: Derzeit befindet sich das Programm Erasmus+ in der Zwischenevaluation. Wir erwarten bis Ende des Jahres die Veröffentlichung des Ergebnisses. Deswegen und schon allein deshalb, weil schließlich auch die europäische Ebene erfahren muss, wie wir über dieses Programm denken, ist gerade jetzt ein sehr guter Zeitpunkt, um uns hier im Parlament auch noch einmal mit diesem Thema zu beschäftigen.

Wir fordern die Bundesregierung in unserem Antrag auf, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass die Gelder, die erheblich aufgestockt wurden, bis zum Ende der Programmperiode, 2020, tatsächlich auch für das Programm verwendet werden können und dass dieses wichtige und richtige Programm auch danach, nach 2020, fortgesetzt wird.

(Beifall im ganzen Hause)

Wie es in dieser Debatte schon mehrfach angesprochen worden ist, war es uns ebenfalls ein Anliegen – Sie finden das im Antrag –, dass wir alle Einzelprogramme hier auch gesondert benennen, weil jedes Einzelprogramm ein spezifisches Programm mit einer ganz bestimmten Zielgruppe ist.

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der Name ist nicht wichtig! Wichtiger ist das, was drin ist!)

Die kleineren Programmbereiche müssen, wenn sie noch nicht so bekannt sind, noch ein bisschen bekannter und sichtbarer gemacht werden. Das können wir auch heute hier bei dieser Debatte leisten.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Um einen Programmbereich noch einmal herauszustreichen – mein Kollege hat das auch bereits getan –: Wichtig für uns ist die berufliche Bildung. Diesen Punkt halte ich tatsächlich für sehr wichtig.

Auch in der letzten Legislaturperiode haben wir uns dazu schon ein Ziel gesetzt, nämlich, 10 Prozent aller Auszubildenden eine Auslandserfahrung zu ermöglichen. Das ist ein sehr schönes Ziel. Wenn man sich aber anschaut, wo wir gerade sind, dann sieht man, dass wir bei circa 4 Prozent liegen. Hier ist noch massiv Luft nach oben und muss noch einiges passieren.

Im europäischen Vergleich sind wir hier im Übrigen gar nicht so schlecht, aber das hat natürlich auch seinen Grund. Warum? Die duale berufliche Bildung hat bei uns in Deutschland eine lange Tradition und ist unheimlich erfolgreich.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Gerade deshalb ist es sehr wichtig, dass unsere Auszubildenden auch als Botschafter in andere Länder gehen und zeigen, wie großartig das duale System ist, welche Chancen und welche Nähe zum Arbeitsmarkt es bietet und was für ein tolles Instrument es ist – auch, um Jugendarbeitslosigkeit zu verhindern. Genau deswegen wollen wir darauf auch weiterhin unseren Schwerpunkt setzen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Über die Bedeutung von Erasmus+ in Europa ist hier schon viel gesprochen worden. Es ist tatsächlich auch ein Gegengift für Populismus und Euroskepsis. Auf die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Römischen Verträge und auf das 30‑jährige Jubiläum des Programms Erasmus ist hingewiesen worden. Das sind tolle Sachen.

Darüber hinaus gibt es aber auch andere, neue Ideen, die dazu beitragen, dass Europa gerade für junge Menschen erlebbarer gemacht und denjenigen entgegengewirkt wird, die immer nur Phrasen dreschen und sagen: „Europa und die Werte sind wichtig“, während sie eigentlich gar nicht wissen, was genau dahintersteckt.

Genau deswegen finde ich es zum Beispiel auch toll, dass es Initiativen wie die gibt, allen, die 18 werden, ein Interrailticket zur Verfügung zu stellen – das ist tatsächlich großartig –, damit die Mobilität der jungen Menschen erhöht wird und sie Erfahrungen sammeln können.

(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach, machen Sie mit? Cem Özdemir hat das diese Woche auch gefordert!)

Aber auch das Europäische Solidaritätskorps, um das hier einmal anzusprechen, ist eine tolle Initiative, die wir unterstützen sollten.

(Beifall des Abg. Dr. Thomas Feist [CDU/CSU] – Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nur zu!)

Deswegen möchte ich mich zum Schluss dieser Debatte herzlich bedanken und alle einladen, diese Vision von Erasmus weiterzutragen und unseren Antrag zu unterstützen; denn wir haben mit der heutigen Debatte die Gelegenheit, eine ein Stück weit Wirklichkeit gewordene Vision weiterzutragen und auszubauen.

Was ist der millionenfache Austausch von jungen Menschen, von Jugendlichen in Europa anderes als das tatsächliche Zusammenwachsen Europas,

(Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Beste Friedenspolitik!)

in dem Grenzen sowie sprachliche und kulturelle Unterschiede überwunden werden und in dem Nachbarn von Fremden tatsächlich zu Freunden werden?

(Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Beste Außenpolitik!)

Lassen Sie uns daran gemeinsam weiterarbeiten. – Jetzt wünsche ich Ihnen allen ein schönes Wochenende.

Herzlichen Dank.

(Beifall im ganzen Hause)