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(Quelle: Karl Schiewerling | Foto: Teamfoto Marquardt)

Streiter für die soziale Marktwirtschaft

Zum Tod von Karl Schiewerling

Mit Karl Schiewerling hat die Fraktion ein Unionspolitiker verlassen, der in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland mit Herzblut und einem klaren christlich-sozialen Kompass geprägt hat. Er war weit über die Grenzen von CDU, CSU und der Unionsfraktion hinaus als verlässlicher Politiker und Partner anerkannt und geschätzt.

Der CDU-Politiker aus Nottuln saß von 2005 bis 2017 im Bundestag und leitete von 2009 bis 2017 die Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vor seiner politischen Tätigkeit bekleidete er 20 Jahre lang das Amt des Diözesansekretärs des Kolpingwerks der Diözese Münster. Sein Glaube, die katholische Soziallehre und sein christlich-soziales Menschenbild waren die Wurzeln seines politischen Wirkens.

CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus bezeichnete Karl Schiewerling als einen der herausragendsten Sozialpolitiker der Fraktion. „Der Mensch stand immer im Mittelpunkt seines Handelns“, sagte Brinkhaus. Persönlich fügte er hinzu: „Karl Schiewerling war uns ein Freund. Wir sind sehr traurig. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie."

Tarifautonomie im Fokus

Ursprünglich aus der Familienpolitik kommend fand er schnell seine Rolle und Aufgabe in Berlin. Mit seinem Namen verbunden ist neben der Wahrung der Tarifautonomie bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns die Eindämmung von Fehlentwicklungen in der Arbeitnehmerüberlassung. Die ersten spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gehen auf seine Initiative und sein Verhandlungsgeschick zurück. 
Ein weiteres Herzensanliegen war ihm die Hilfe für junge Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen: Er hat dafür gesorgt, dass erstmals gemeinsame Hilfestrukturen in der Sozial- und Jugendhilfe entstehen, die arbeitslosen Jugendlichen ein Jobperspektive geben und ihnen damit helfen, den Teufelskreislauf der "vererbenden Sozialhilfe" zu durchbrechen. Karl Schiewerling sagte damals: „Wir sind der festen Überzeugung, dass jeder Mensch seinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Niemand kann nichts und keiner kann alles.“

Rente zukunftsfest gestalten

Sozialpolitisch förderte und forderte Karl Schiewerling die Verantwortung gelebter Sozialpartnerschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern – für ihn ein Fundament der sozialen Markwirtschaft. Gleichzeitig war er ein Streiter für eine starke gesetzliche Rentenversicherung und das Prinzip der Selbstverwaltung. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag prägte er weiter die Rentenpolitik auf Bundesebene: Er leitete als Co-Vorsitzender die Rentenkommission der Bundesregierung, um die Altersvorsorge in Deutschland auch ab 2030 zukunftsfest zu gestalten.
Mit ihm verliert die CDU einen großartigen Menschen und Sozialpolitiker. Karl Schiewerling wurde 69 Jahre alt. Er hinterlässt seine Ehefrau, drei erwachsene Kinder und einen Enkel.
 

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