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(Quelle: picture alliance/ dpa)
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Lehrer haben bei MINT-Bildung eine Schlüsselrolle

Deutschland ist ein Exportland, das von seinen klugen Köpfen lebt. Bildung in naturwissenschaftlichen Fächern ist dabei unverzichtbar. Deshalb berät der Deutsche Bundestag jetzt einen Antrag der Koalitionsfraktionen, der MINT-Bildung als Grundlage des Wirtschaftsstandortes Deutschland sieht. MINT-Bildung ist aber auch ein wichtiger Baustein um die Digitalisierung in Deutschland erfolgreich zu gestalten. Aber welche Rolle spielen dabei die Lehrer? Das beantwortet Sven Volmering im Kurzinterview. Er ist selbst Lehrer und Mitglied im Ausschuss für Bildung und Forschung.

Deutschland hat bei der PISA-Studie im MINT-Bereich sehr gute Ergebnisse erzielt und liegt über dem OECD-Durchschnitt. Weshalb ist aus der Sicht eines Geschichts- und Sozialwissenschaftslehrers der Antrag zur MINT-Bildung dennoch so wichtig?

Deutschland ist ein Exportland, dass von seinen klugen Köpfen lebt. Das 10. EFI-Jahresgutachten hat in dieser Woche festgestellt, dass Deutschland auf dem Weg zu einem Top-Innovationsstandort ist. Diesen Weg wollen wir fortsetzen.  Eine gute MINT-Bildung ist ein wichtiger Baustein um die Digitalisierung in Deutschland erfolgreich zu gestalten. Leider signalisieren Arbeitgeber aus den MINT-Bereichen zunehmend, dass offene Stellen immer schwieriger zu besetzen sind und die Abbrecherquoten im Handwerk zunehmen.   Ein Grund dafür ist das nach wie vor verbesserungsfähige Image entsprechender Berufe insbesondere beim Mädchen und die fehlende Koordination der entsprechenden Initiativen. Daher haben wir einen entsprechenden Maßnahmenkatalog vorgelegt, der die entsprechenden Aktivitäten bündeln und ausbauen soll.  Ebenso wichtig ist es, erfolgreiche Maßnahmen des Bundes fortzusetzen. Das „Haus der kleinen Forscher“ unterstützt bereits in Kitas und Grundschulen, die naturwissenschaftliche Grundbildung und Medienkompetenz und ist daher eine der Maßnahmen, die wir weiter fördern möchten.

Welche Rolle spielen Lehrer und Lehrerinnen bei der MINT-Bildung?

Die Schlüsselrolle für Bildungslaufbahnen und auch im MINT-Bereich spielen die Lehrerinnen und Lehrer. Wir müssen diese stärken, wenn wir unsere Nachwuchsprobleme in diesem Bereich beheben wollen. Kritiker und Dauernörgler tun  so, als ob der MINT-Unterricht in Deutschland flächendeckend noch immer wie beim Telekolleg aus den frühen 80er Jahren aussieht. Es gibt viele Kollegen, die es schaffen, Begeisterung für ihre Fächer zu wecken, indem sie Wettbewerbe und spannende Projekte in ihrem Unterricht einbauen. Nichtsdestoweniger müsse wir darauf achten, dass wir die Berufs- und Studienorientierung noch stärker etablieren und jungen Menschen aufzeigen, dass im MINT-Bereich gute Jobchancen bestehen. Und es ist wichtig, die Begleitforschung zu stärken, um herauszufinden, welche didaktischen Konzepte erfolgreich sind, um das Interesse an den MINT-Fächern gerade auch bei Mädchen dauerhaft zu halten und die Leistungen verbessern.  Deshalb sind die Länder  im Rahmen ihrer Zuständigkeit aufgefordert, verstärkt Lehrerfortbildungen anzubieten.

Wie kann  MINT-Bildung dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereitet werden?

Digitalisierung ist verbunden mit einer Technologisierung. Das setzt voraus, dass wir alle lernen müssen, mit diesen Technologien umgehen zu  können.  Kenntnisse über Computer- und Softwareprogramme sind  dazu ebenso eine zwingende Voraussetzung wie das logische bzw. problemlösende Denken. Wir müssen daher dafür sorgen, dass bereits Kinder und Jugendliche mit den technischen Entwicklungen und den dafür notwendigen Kenntnissen vertraut gemacht werden. Die MINT-Bildung kann dazu einen wichtigen Teil beitragen. Aus diesem Grund begrüße ich ausdrücklich die von Johanna Wanka vorgeschlagene Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft die neben der Schule alle Bereiche des Lernens umfasst. Zu oft wird vergessen, dass es außerdem wichtig, dass sich die bereits jetzt arbeitende Bevölkerung weiterbildet und mit den Anforderungen der Zukunft vertraut macht. Ein lebenslanges Lernen ist die Grundvoraussetzung dafür um mit den Entwicklungen Schritt halten zu können.