Rede


Teilen

Agroforstsystemen können sich aus land- und forstwirtschaftlicher Sicht lohnen

Rede zum Bundeswaldgesetz

55.) Beratung BeschlEmpf u Ber (10.A)
zum Antrag DIE LINKE.
Bundeswaldgesetz ändern - Agroforstsysteme unterstützen forstwirtschaftliche Vereinigungen stärken und Gentechnik im Wald verbieten
zum Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Das Bundeswaldgesetz novellieren und ökologische Mindeststandards für die Waldbewirtschaftung einführen
- Drs 16/9075, 16/9450, 16/12198-
Die Nahrungsmittel- und Bioenergieproduktion sowie der Natur- und Umweltschutz stehen in einem untrennbaren dynamischen Zusammenhang. Die kürzlich eingetretene weltweite Krise bei der Versorgung mit bezahlbaren Nahrungsmitteln, verbunden mit der Tatsache, dass Lebensmittelpreise sich zukünftig am Erdölpreis orientieren werden, ist nur ein Beleg für diese Wirkung. Hinzu kommt, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf annähernd 9 Mrd. Menschen anwachsen wird. Dies wird die Nachfrage nach Lebensmitteln weiter erhöhen. Außerdem werden sich die Verzehrgewohnheiten weiter verändern.
 
Seit zehn Jahren ist der Verbrauch in den Schwellenländern wie z. B. China oder Indien von Fleisch und Milch gewachsen und wird sich weiter erhöhen. Hinzu kommt, dass der weltweit steigende Energiebedarf, Auswirkungen auf das Energie- und Rohstoffangebot und die Energiepreise haben wird.
 
Das Ziel muss sein, die in Deutschland vorhandenen Potenzen im Sinne von hoher Wertschöpfung und größtmöglicher Unabhängigkeit zu nutzen und zu entwickeln. Land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe und die Nahrungsmittelproduktion dürfen nicht als Objekt spekulativer Eingriffe genutzt werden.
 
Die Land- und Forstwirtschaft befindet sich derzeit in einem rasanten Wandel. Die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien und das Wachstum der gesamten Branche haben dazu geführt, dass die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen gestellt wird.
 
Landwirte sind seit einiger Zeit nicht mehr nur Nahrungsmittelerzeuger, sondern zunehmend auch Energiewirte. Mit diesem Wandel gehen vielfältige Gesetzesänderungen einher, die sowohl die Land- als auch die Energiewirtschaft betreffen.
 
Eingeleitet, begleitet und unterstützt wurden diese Veränderungen durch vielfältige Aktions- und Förderprogramme der Bundesregierung zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zum Klimaschutz. Das novellierte Erneuerbare Energien Gesetz wird weitere Veränderungen mit sich bringen. Ganz entscheidend sind dabei die  finanziellen Anreize. Fest steht, dass es ohne Startfinanzierungen und angemessenen Subventionen zu keiner marktwirtschaftlich getragenen Veränderung in diesem Energiesektor käme. Dennoch ist das langfristige Ziel der CDU/CSU-Fraktion, auch hier stärker die Kräfte des Marktes zur Entfaltung kommen zu lassen.
 
 
Aufgabe dieser Bundesregierung ist es, die vor uns liegenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesse in diesem immer wichtiger werdenden Sektor aktiv zu gestalten.
 
Dabei hilft es nicht mit ideologischen Vorbehalten die bevorstehenden Probleme und Entscheidungen anzugehen, sondern mit ausgewogenem Sachverstand.
 
Es gilt die vielfältigen Dimensionen, die jede dieser Entscheidungen betrifft gut zu durchdenken.
 
Die vorliegenden Anträge werden diesen Zielen und de rechtlichen Einbindung von Agroforstsystemen in die Normen der Landnutzung nicht gerecht.
 
Mit der Frage der agroforstlichen Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, sind auch die Fragen nach der Flächenkonkurrenz für die Nahrungsmittel- und Energieproduktion, sowie die Fragen nach den umwelt- und naturschutzrechtlichen Auflagen und Regelungen zu klären. Diese wiederum sind oft von europarechtlichen Regelungen, wie die Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion, sowie der Einführung der Cross Compliance, bestimmt. Die 2003 beschlossene EU-Agrarreform koppelt Direktzahlungen ab 2005 unmittelbar auch an die Erbringung bestimmter Leistungen im Umwelt- und Naturschutz.
 
Aber nicht nur das.
 
Es stellt sich außerdem die Frage, wie das Bundeswaldgesetz gestaltet werden muss, damit landwirtschaftliche Flächen unbeschadet ihres rechtlichen Status als Agroforst oder mit anderen neuartigen Systemen zukünftig kombiniert und genutzt werden können. Diese Klärung fordert zwar auch der Antrag der Grünen, doch geht die vorliegende Klarstellung nicht weit genug. Der Gesetzgeber muss vor allem entscheiden, wie restriktiv mit der neuen Form der landwirtschaftlichen Nutzung „Agroforst“ umgegangen werden soll, z. B.: Reicht die gute fachliche Praxis zur Agroforst-Bewirtschaftung? Inwieweit soll das Jagdrecht, der Umwelt- und Naturschutz hier zum Tragen kommen? Welche wasserschutzrechtlichen Voraussetzungen sind zu beachten?
 
Entscheidend ist auch die Einbindung in die Umweltgesetzgebung.
 
Gute Erfahrungen in England und Frankreich mit Agroforstsystemen lassen durchaus den Schluss zu, dass sich diese Systeme aus land- und forstwirtschaftlicher Sicht lohnen können. Die Leistungen von Gehölzen bei der Produktion, der mikroklimatischen Regulierung und dem Erosionsschutz sind unbestritten und sind weiter wissenschaftlich zu untersuchen.
 
Die Zahl der wissenschaftlichen Untersuchungen ist weiter zu erhöhen und die Ergebnisse von verschiedensten Standortbedingungen zu verdichten. Die Feldversuche wie von der Universität Leeds haben gezeigt, dass auf einer agroforstlichen Fläche in trockenen Sommern eine Ertragssteigerung der Wintergerste von über 20% erreicht werden konnte.
 
Grund hierfür war der durch Baumreihen bewirkte Windschutz, der den Wasserbedarf der Ackerpflanzen verringerte.
 
Die Wirtschaftlichkeit dieser Systeme ist also durchaus möglich. Auch aus Sicht der Biodiversität haben Agroforstsysteme keine negativen Auswirkungen.Durch den Anbau von Gehölzen zur Wertholznutzung auf einer Fläche, die gleichzeitig landwirtschaftlich durch Ackerbau und / oder Weidehaltung genutzt wird, entsteht ein mehrschichtiges Ökosystem, dass das ganze Jahr über Lebensraum für Tiere bietet. Auf Grund der Fragen, die sich aus dieser neuen Nutzungsform der landwirtschaftlichen Flächen ergeben, hat die Bundesregierung bereits 2005 mehrere Forschungsprojekte initiiert.
Zudem wurden mit den Veränderungen in der Ressortforschung des BMELV die Voraussetzungen, für eine kontinuierliche wissenschaftlich fundierte Beratungs- und Begleitforschung geschaffen.
 
So sind die dem Johann Heinrich von Thünen-Institut angeschlossenen Forschungseinrichtungen zur Biodiversität, Ökologischen Landbau, Waldökologie, Forstgenetik und Holzbiologie exzellent dazu geeignet, die notwendigen wissenschaftlichen begründeten Entscheidungshilfen zu liefern.
Ob eine agroforstliche Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen sich letztendlich wirtschaftlich lohnt, muss der Markt entscheiden.
 
Unter kritischer Wichtung der zuvor dargestellten Sachverhalte sind die Anträge der Fraktion DIE LINKE und der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abzulehnen.