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Aussöhnung als Aufgabe

Kongress der Unionsfraktion zu Deutschlands Arbeit an den Kriegsfolgen seit 1945

Gegenwärtig wächst in der Gesellschaft das Interesse an der deutschen Nachkriegsgeschichte. Vor allem die jüngere Generation begibt sich auf Spurensuche. Der Fachkongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am vergangenen Montag im Reichstag hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die aktuelle Bedeutung dieses Teils der deutschen Vergangenheit aufzuzeigen.

Zu dem ganztägigen Kongress mit dem Titel „Aussöhnung als Aufgabe. Deutschlands Arbeit an den Kriegsfolgen seit 1945“, der vom vertriebenenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Klaus Brähmig , iniitiert worden war, kamen über 250 Teilnehmer. Auf drei Podien sprachen namhafte Experten und hochrangige Vertreter der Bundesregierung.

 

Kauder erinnert an die Flucht seiner Eltern

Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder erzählte, dass er selbst einen Vertriebenenhintergrund habe, da seine Eltern einst als Deutsche aus Jugoslawien fliehen mussten. Er würdigte den außerordentlichen Beitrag, den die Heimatvertriebenen zur Entwicklung Deutschlands geleistet hätten. Mit Blick auf die aktuelle Vertreibung von Christen in der Welt betonte er, dass Vertreibung immer Unrecht sei und nie akzeptiert werden dürfe.

Der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen der Fraktion, Klaus Brähmig, wies darauf hin, dass er der erste Abgeordneten aus den neuen Bundesländern in dieser Funktion sei. Mit derzeit 70 Mitgliedern sei sie so groß wie nie zuvor. Diesen Schwung habe man im Bundestag genutzt, um sich mit den Folgen der Vertreibung für Deutschland auseinanderzusetzen. Die Gruppe brachte beispielsweise 2011 anlässlich des 60. Jahrestages der Stuttgarter Charta den bisher umfangreichsten Antrag zu Flucht und Vertreibung ein.

 

 

Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bekräftigte, dass die Bundesregierung ebenso wie die Unionsfraktion nach wie vor das Kriegsfolgenschicksal anerkenne. Unter Menschen, die vom Kriegsfolgenschicksal betroffen sind, subsummiert man die 1,3 Millionen Vertriebenen, die im Bund der Vertriebenen organsiert sind, sowie die 2,4 Millionen Aussiedler und zwei Millionen deutsche Minderheiten in Osteuropa.

 

„Kulturerbe der Ostgebiete hat festen Platz in Erinnerungsarbeit“

Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte, das Kulturerbe der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete habe einen festen Platz in unserer Erinnerungsarbeit. Die Bundesregierung habe dafür gesorgt, dass der Förderetat in diesem Bereich von knapp 13 Millionen Euro im Jahr 2005 auf heute rund 17 Millionen Euro erhöht wurde.

Zum Abschluss des Kongresses stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel fest, dass man in den vergangenen Jahren gelernt habe, das Schicksal der Flüchtlinge und Vertriebenen besser wahrzunehmen. Bei allem Ringen um den richtigen Weg zwischen Rückschau und Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft habe sich der Umgang mit den Kriegsfolgen geändert. Dieser sei sensibler und auch selbstverständlicher geworden.

Die Umsetzung des sichtbaren Zeichens gegen das Unrecht von Vertreibungen in Berlin sei zum Greifen nahe, sagte die Kanzlerin. Sie hoffe, noch in dieser Legislaturperiode die Einweihung in einem symbolischen Akt vornehmen zu können.