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„Wie definieren wir unser Deutschsein?“

Wege zur gemeinsamen deutschen Identität mit Einwanderern

Was ist deutsch? Welche Werte gelten? Wie entwickelt sich eine deutsche Identität bei Einwanderern? Die Integrationsbeauftragte, Cemile Giousouf, diskutierte bei einem Fachgespräch der Unionsfraktion im Bundestag mit den Teilnehmern spannende Fragen.

Kultur der Mitverantwortung

16 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte verändern unsere Gesellschaft und damit ihre Organisationsstrukturen und ihre Selbstdefinition. Immer mehr Menschen in Deutschland bewegt daher die Frage, wie wir das Zusammenleben in unserer Gesellschaft gestalten, wie wir eine gemeinsame deutsche Identität schaffen, unabhängig davon, ob der Geburtsort in der Bundesrepublik liegt oder nicht. „Wie können wir uns auf das Gemeinsame besinnen, anstatt auf das Trennende“, fragte der Generalsekretär der CDU, Peter Tauber. Er machte deutlich, dass es Einwanderern nicht nur um eine Interessensvertretung ginge, sondern dass ihnen Teilhabe wichtig sei. Das Mitreden, Mitgestalten, das Schaffen einer „Kultur der Mitverantwortung“.  Davon könne Deutschland nur profitieren.

Schubladendenken abschaffen

Verantwortung übernehmen, das ist auch für die Gäste dieses Fachgesprächs, ein Anliegen. Sie haben sich organisiert, in Vereinen, in Verbänden und versuchen in den verschiedensten Bereichen ein anderes Bild des Einwanderers zu prägen. Eine von ihnen ist Leila Younes El-Amaire, die sich bei „Juma“ – jung, muslimisch, aktiv - engagiert. Sie kritisierte, dass junge Muslime meist als eine einheitliche Masse dargestellt werden. Da läge die Kernproblematik. Dieses Schubladendenken müsse abgeschafft werden. Sie setzt sich dafür ein, dass das Bild junger Muslime realistischer dargestellt wird.

Eine weitere Teilnehmerin der Diskussion war die Kulturmanagerin Breschkai Ferhad. Sie legte besonderen Wert auf die Sprache. Das Wort Fremdenfeindlichkeit, forderte sie, solle nicht mehr benutzt werden. Denn fremd bedeute doch eigentlich, nicht nordeuropäisch auszusehen und keinen deutschen Namen zu tragen. Dabei hätten längst einige Einwanderer die deutsche Staatsbürgerschaft.

Was ist Identität?

„Niemand hat nur eine Identität“, sagte Martin Patzelt, der Berichterstatter der Fraktion im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In der DDR sei es nicht gelungen, eine einheitliche Identität herzustellen. Gelungene Integration brauche jedoch eine gemeinsame Identität. Daran müsse man arbeiten.

Wie das gehen kann, beschrieb Dominik Wullers vom Verein Deutscher.Soldat. e.V. eindrücklich. Sein Vater war Afrikaner. Als Kind lernte Wullers rassistische Bemerkungen kennen. Es war schwierig für ihn trotz allem Selbstbewusstsein zu entwickeln. Das gelang ihm erst bei der Bundeswehr. Dort habe man zusammen die Erfahrung gemacht, dass man aufeinander angewiesen sei. Da habe er gelernt, was deutsche Identität sei.

Was ist deutsch?

„Wir haben festgestellt, jeder nutzt unterschiedliche Begriffe, um das Wort Deutsch zu beschreiben“, bemerkte Cemile Giousouf. Alle Teilnehmer waren sich einig: Deutschland sollte eine unserer Identitäten sein. Auch wenn das Land durch den Nationalsozialismus die dunklen Seiten des „Deutschseins“ kennt. Dominik Wullers berichtete, dass 12 Prozent der Soldaten Migrationshintergrund hätten. Er wies darauf hin, dass diese Soldaten einen Eid auf Deutschland geleistet hätten. Schwarz und deutsch, für Wullers ist das selbstverständlich.