Lutherfigur vor Kirchentür

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(Quelle: picture alliance/ Universität Jena)
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„Von der Freiheit eines Christenmenschen"

CDU/CSU-Fraktionskongress zum Reformationsjubiläum – Einfluss von Luthers Denkanstößen auf heutige Demokratie als hoch eingeschätzt

Am 31. Oktober 1517 hefte der Augustinermönch Martin Luther der Überlieferung zufolge seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Damit wollte er die Kirche zu einer Rückbesinnung auf die zentralen Grundlagen des Evangeliums aufrufen. Dieses Datum gilt uns heute als der Beginn der Reformation, die sich über die ganze Welt ausbreitete. Anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation, der allein in Deutschland von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird, lud auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu einem Kongress ein. Dort diskutierte sie mit Kirchenvertretern, Politikern und Fachleuten über den Einfluss der Reformation auf die heutige Demokratie. 

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Franz Josef Jung, nannte das Reformationsjubiläum ein Ereignis von überragender Bedeutung. Zum Auftakt des Kongresses, der unter dem Motto „Von der Freiheit eines Christenmenschen – Reformation und Demokratie heute“ stand, verwies Jung darauf, dass die Reformation vor 500 Jahren Vorbote für unsere heutige Zivilgesellschaft gewesen sei, Vorgeschichte unseres freiheitlichen Denkens.

Kreuz im Fraktionssaal zeugt von der Bedeutung des „C“ für die Fraktion

Welche Bedeutung christliche Werte für die Unionsfraktion haben, bezeugt laut Fraktionschef Volker Kauder das Kreuz, das der Künstler Markus Daum geschaffen hat und das den Fraktionssaal von CDU/CSU schmückt. „Es ist die Demonstration dessen, was uns leiten und lenken sollte“, sagte Kauder. Auch er verstehe Luther als Befreier unseres Geistes, als Vordenker der Freiheit. In dem Zusammenhang kritisierte der Fraktionsvorsitzende, dass das Reformationsjubiläum als Event und Luther als Superstar gefeiert werde. Das entspreche zwar dem Zeitgeist, gehe an den Thesen Luthers aber total vorbei.

Der zentrale Satz aus der Denkschrift Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die aus dem Jahre 1520 stammt, lautet: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Diese Sentenz zitierte nicht nur Jung in seiner Ansprache. Auch der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Martin Dutzmann, stellte ihn in den Mittelpunkt seines Impulsreferates.

Dieser Ausspruch, der beim ersten Lesen einen Widerspruch darzustellen scheine, umreiße das Spannungsfeld, in dem Christen stehen, erklärte Dutzmann. Freiheit sei niemals nur die Freiheit von etwas, sondern immer auch die Freiheit zu etwas. So werde deutlich, dass Freiheit immer auch Verantwortung für andere nach sich ziehe.  In einem demokratischen Rechtsstaat würden die zwei Seiten der Freiheit gelebt. „Freiheit bindet sich freiwillig an das Wohl des Nächsten“, sagte Dutzmann.

Freiheit und Nächstenliebe miteinander verknüpft

Auch Volker Kauder stellte die Verbindung von Freiheit und Nächstenliebe in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Beides verknüpfe sich für ihn zur Kernaussage des christlichen Menschenbildes, sagte er. Als politische Richtschnur formulierte er, dass die Politik den Menschen als Ebenbild Gottes so nehmen müsse, wie er ist. „Es ist nicht Aufgabe der Politik, den Menschen zu formen.“ Der Staat müsse die Rahmenbedingungen setzen, dürfe die Bürger aber nicht ideologisch bevormunden.

Den Einfluss der Reformation auf die Demokratie schätzten alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion als hoch bis sehr hoch ein. Zu ihnen gehörten außerdem die ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, der Göttinger Kirchenrechtler Michael Heinig, der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin-Luther-Stiftung, Michael J. Inacker, und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel.