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Meilenstein deutscher Geschichte

Vor 25 Jahren - erste freie Volkskammer-Wahl in der DDR

Die Bürger der DDR durften damals zum ersten Mal ihr Parlament, die Volkskammer, frei wählen. Ein Erfolg der Oppositionsbewegung in der DDR. Unser Rückblick.

„Die Wahl war kein Geschenk der SED. Die Menschen haben sie sich erkämpft“. Roland Jahn, Chef der Stasiunterlagenbehörde, wird in diesen Tagen nicht müde, das zu betonen. Dieser 18. März 1990 war für viele Menschen in der DDR ein besonderer Tag: Zum ersten Mal durften sie ein Parlament frei wählen. 400 Volkskammer-Sitze waren zu vergeben. Wenige Tage später, am 5. April 1990, trat das Parlament dann zum ersten Mal zusammen (Videomitschnitt).

Gedenken im Bundestag

Der Bundestag erinnerte mit einer Debatte an diesen Höhepunkt der friedlichen Revolution in der DDR. 1989/90 war geprägt vom wachsenden Selbstbewusstsein der Menschen in der DDR. Sie wollten sich nicht länger durch die Staatspartei SED gängeln und beherrschen lassen. „Wir sind das Volk“ skandierten sie auf den Montagsdemonstrationen. „Nie wieder Sozialismus“ war ihre Überzeugung. Der Mauerfall 1989 hatte das Parteiensystem in der DDR grundlegend verändert: Aufbruchsstimmung zwischen Kap Arkona und Oberwiesenthal. Überall gründeten sich Gruppen und Parteien, deren Wurzeln meist in der DDR-Oppositionsbewegung lagen. 

Weg frei für Deutsche Einheit

Bis zum 18. März 1990 war die Volkskammer ein Scheinparlament unter der SED-Herrschaft. Einstimmig hatten die Abgeordneten die Beschlüsse der SED-Parteiführung bis dahin durchgewunken. Diese erste freie Wahl veränderte nicht nur die gesamte politische Landschaft in der DDR, sie machte den Weg frei für die Einheit Deutschlands, besiegelt schließlich am 3. Oktober 1990. „Diese Volkskammer war des Volkes Kammer“, blickt Lothar de Maizière, erster und einziger frei gewählter Ministerpräsident der DDR, heute zurück. „Nur sie konnte durch ihren Beitrittsbeschluss das ganze Deutschland herstellen.“

Christdemokraten als Wahlsieger

Wahlsieger 1990 war die "Allianz für Deutschland". Sie bestand aus CDU (40,8 Prozent), DSU (6,3 Prozent) und DA (0,9 Prozent) und stellte mit Sabine Bergmann-Pohl (CDU) die erste demokratisch gewählte Volkskammer-Präsidentin. Insgesamt kam die „Allianz für Deutschland“ auf 192 von 400 Sitzen im Parlament.

Lob für Kohl und Bush

„Zum Glück haben wir außerdem nicht allein gehandelt. Es gab auch im anderen Teil Deutschlands und es gab in der Welt Menschen, die die Bedeutung und Tragweite der Ereignisse erkannten“, erinnert sich de Maizière. So habe im Westteil Deutschlands Bundeskanzler Helmut Kohl die Deutsche Einheit zu seiner Sache gemacht. George Bush, damals US-Präsident, habe Kohl und das Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung unterstützt. Lothar de Maizière: „Die Menschen in der DDR konnten daher Eigenschaften entfalten, die sie bis dahin nicht zeigen durften.“ 

Zeitzeugin dieser Tage war übrigens Katharina Landgraf (CDU), Bundestagsabgeordenete aus Leipzig. Sie schildert ihre Erlebnisse hier.  Lesematerial: Vor 25 Jahren. Die einzige frei gewählte Volkskammer der DDR