Konrad Adenauer zum 50. Todestag

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(Quelle: picture alliance/ KEYSTONE)
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Adenauer war Glücksfall für Deutschland

Vor 50 Jahren, am 19. April 1967, starb Konrad Adenauer in seinem Haus in Rhöndorf. Bis in seine letzten Lebenstage hatte er gearbeitet, sich um die Entwicklung Deutschlands, den Fortgang der europäischen Einigung und das transatlantische Verhältnis gesorgt. Heute gedenken wir dieses Mannes, der ein Glücksfall für Deutschland war. „Er hat“, so würdigt Unionsfraktionschef Volker Kauder Adenauer, „unser Land in die westliche Staatengemeinschaft geführt, und er ist eine der wichtigsten Gründerväter Europas“

Konrad Adenauers Lebenszeit umfasste vier Epochen deutscher Geschichte: das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die deutsche Teilung während des Kalten Kriegs. Adenauer prägte in seiner Kanzlerschaft nicht nur die Entwicklung der Bundesrepublik in entscheidender Weise, sondern die Grundlinien seiner Politik – Westbindung, europäische Integration, Soziale Marktwirtschaft – gehören bis heute zu den Fundamenten der deutschen Gesellschaftsordnung. Adenauer legte den Grundstein für die heutige EU.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, also den Ausgangspunkt der heutigen EU, hat Adenauer ebenso geprägt wie die Römischen Verträge. Einen "geschichtlichen Augenblick" nannte er die als Gründung der Europäischen Union geltenden Verträge und einen "großen Schritt der Einigung Europas". Und tatsächlich veränderten sich Deutschland und Europa in kaum einer anderen Kanzlerschaft so sehr wie in 14 Jahren Adenauer-Ära.

Adenauer versöhnte die Deutschen mit der Demokratie

„Aus Trümmern entstand ein modernes Land. Die Soziale Marktwirtschaft setzte ökonomische Dynamik frei, sorgte für Teilhabe und sicherte gegen Not. Die erfolgreiche Integration von Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, aber auch der Millionen Parteigänger und Funktionsträger des Nationalsozialismus gab der jungen Bundesrepublik sozialen Frieden. Der starke Kanzler versöhnte die Deutschen mit der Demokratie, so schreibt es die Geschäftsführerin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Corinna Franz.

Gemeint ist die repräsentative, parlamentarische Demokratie. Denn in der Tat ist es Adenauer gelungen, den Deutschen zu beweisen, dass Demokratie und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehen. Waren die Deutschen zu Beginn seiner Kanzlerschaft noch skeptisch, befürworteten sie gegen Ende seiner Amtszeit die Demokratie. Und das lag auch am Kanzler selbst. Als führungsstarke Persönlichkeit war Adenauer stilbildend für das Amt des Bundeskanzlers. Sein Charisma bestand darin, seine politischen Überzeugungen in einfachen und verständlichen Sätzen zu formulieren.

Errungenschaften der Ära Adenauer: Westbindung und Soziale Marktwirtschaft

Auf diese Weise setzte er viele wichtige innen- und außenpolitische Grundentscheidungen durch, darunter die soziale Marktwirtschaft, auf der Deutschlands wirtschaftlicher Wiederaufstieg beruhte und bis heute beruht.

Ein weiterer großer Erfolg Adenauers: Deutschlands feste Zugehörigkeit zum westlichen Bündnis. Diese Westbindung setzte er gegen alle Widerstände durch, denn er war der Überzeugung, dass Deutschland nur dann eine Chance auf eine Zukunft in Frieden und Freiheit hat, wenn es die westlichen Werte teilt. Das ist bis heute breiter politischer Konsens. Ebenso wie die engen deutsch-israelischen Beziehungen. Es war Adenauer ein persönliches Anliegen, nach dem Holocaust Kontakte zum Staat Israel zu knüpfen und Wiedergutmachung zu leisten. Über die Jahrzehnte ist das Vertrauen gewachsen und das Existenzrecht Israels heute Teil deutscher Staatsräson.

Natürlich hat sich das christlich-demokratische Erbe seit Adenauers Tod vor 50 Jahren mitunter stark verändert. Über manches ist die Zeit hinweg gegangen. Was den Wandel jedoch überdauert, sind Adenauers Politikverständnis, seine Grundüberzeugungen und Werte. Sie sind zeitlos und überraschend aktuell.