Trauer um Helmut Kohl

Thema des Tages


(Quelle: picture alliance/ dpa)
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"Kohl war freundlich und den Menschen zugewandt"

In der Welt am Sonntag schreibt Volker Kauder über seine ganz persönlichen Begegnungen mit dem verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl. Geschätzt und gemocht habe er ihn, erzählt Kauder und erinnert sich auch an den bewegenden letzten Besuch Kohls in seiner Fraktion. 

"Meine erste persönliche Begegnung mit Helmut Kohl hatte ich im Herbst 1991, wenige Wochen nach meiner Wahl zum ehrenamtlichen Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg. Ich war noch kein Jahr Bundestagsabgeordneter. Man hatte mich gewarnt. Ich sollte nur zuhören, wurde mir von altgedienten Bonner Kollegen geraten. Der Kanzler werde das Gespräch alleine bestreiten.

"Kohl hatte ein sagenhaftes Gedächtnis"

Aber es kam zu meiner Überraschung aber anders. Kohl wollte wissen, was ich bisher in der Partei gemacht habe, was meine Ziele seien, was meine Frau mache, ob sie berufstätig sei. Das ist mir immer wieder bei Kohl begegnet. Er interessierte sich für die Menschen, ihre Familien, für Ihre private Situation. Und er hatte ein sagenhaftes Gedächtnis. So hat er beispielsweise meinen Freund und Kollegen Andreas Schockenhoff immer wieder auf seine drei Kinder angesprochen, die er mit Namen kannte.

"Er war freundlich und den Menschen zugewandt"

Kohl war freundlich und den Menschen zugewandt, er konnte aber auch bestimmt und fordernd sein. Nie vergesse ich, wie er sich einmal missmutig im Plenarsaal vor mir aufbaute und mich ohne Vorwarnung anherrschte: „Du hast Verantwortung als Generalsekretär!" Grund war, dass die Junge Union in meinem Heimatland, die schon damals recht selten auf den Generalsekretär hörte, seinen Rücktritt gefordert hatte - und das Ganze noch dazu vor einem für Kohl wichtigen internationalen Gipfel. Kurze Zeit später war die Sache aber wieder vergessen.

"Ich habe Kohl geschätzt, ja gemocht"

Ich hatte nie ein politisches Amt unter Helmut Kohl. So war ich von ihm unabhängig. Aber ich habe ihn geschätzt, ja gemocht. Als ich zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden war, hat er, der in der Politik alles kannte, mir Ratschläge auf den Weg gegeben. „Du musst loyal zur Fraktion sein, dann ist sie es auch zu Dir. Und die Fraktion muss wissen, was Du willst".

Letzter Besuch in der Fraktion war sehr bewegend

Die bewegendste Begegnung war aber sein letzter Besuch in unserer Fraktion vor fünf Jahren. Er saß schon damals im Rollstuhl, das Sprechen fiel ihm schwer. Seine Worte waren aber wohl gewählt. „Das hier ist meine Heimat. Hier bin ich zu Hause". Die ganze Fraktion hat da gespürt, dass Kohl aus tiefstem Herzen gesprochen hatte."