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(Quelle: picture alliance / dpa)
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Kampf gegen Doping im Spitzensport

Bundestag debattiert neuen Gesetzentwurf für fairen und sauberen Sport

Wer sich als Spitzensportler dopt, muss Strafen fürchten. So sieht es das neue Anti-Doping-Gesetz vor. Die Strafverfolgung wird auch auf Hintermänner und Netzwerke erweitert. Dazu drei Fragen an Eberhard Gienger, den sportpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Frage: Warum ist der Gesetzentwurf ein Meilenstein im Anti-Doping-Kampf?

Gienger: Erstmals wird durch das neue Gesetz die Gesundheit der Sportler, die Fairness und Chancengleichheit sowie die Inte­grität des sportlichen Wettkampfs strafrechtlich geschützt. In der Vergangenheit haben diverse Dopingfälle die Glaubwürdigkeit des Sports schwer erschüttert. Doping im Sport gefährdet im großen Maße die Gesundheit der Athleten und die fundamentalen Werte im Sport. Der organisierte Sport kann offensichtlich dem fortwährenden Problem „Doping“ alleine, ohne staatliche Unterstützung, nicht Herr werden. Deshalb ist das neue Anti-Doping-Gesetz mit erweiterten Strafvorschriften notwendig.

"Selbstdoping wird erfasst"

Der Gesetzentwurf sieht eine Verschärfung der strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten an vielen Stellen vor: Zum ersten Mal werden durch das Strafrecht z.B. gezielt dopende Leistungssportler erfasst. Bisher waren hierfür v.a. der organisierte Sport bzw. die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) zuständig. Neben der Sperre bzw. dem Ausschluss vom sportlichen Wettkampf droht dopenden Sportlern nun auch ein Strafverfahren vor einem ordentlichen Gericht. Das bedeutet, dass das so genannte „Selbstdoping“ mit dem neuen Gesetz erfasst wird.

Weiterhin werden die bisher geltenden Straftatbestände zur Verfolgung von Hintermännern und zur Bekämpfung des Dopingmarktes um neue Tatbegehungsweisen erweitert. Damit findet eine Erweiterung auf den Geldwäschetatbestand des § 261 des Strafgesetzbuchs statt. Zudem wird der Datenaustausch zwischen Ermittlungsbehörden und der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) verbessert, wie auch die wichtige Funktion der Sportschiedsgerichtsbarkeit gestärkt.

Frage: Warum ist die Rolle der Sportschiedsgerichtsbarkeit so wichtig?

Gienger: Die Sportschiedsgerichtsbarkeit bietet u.a. den Vorteil, schnelle Entscheidungen bzw. Sperren von gedopten Sportlern herbeizuführen, um die Integrität des sportlichen Wettstreits unmittelbar wiederherzustellen. Ein Strafverfahren vor einem ordentlichen Gericht dauert meist länger. In der Zwischenzeit dürften gedopte Sportler weiter an den Start gehen. Das wäre unvorstellbar und würde das Ende des fairen sportlichen Wettstreits bedeuten. Deshalb brauchen wir – neben den strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten – eine funktionierende, internationale Sportschiedsgerichtsbarkeit.

Zudem kann die Sportschiedsgerichtsbarkeit ebenso harte Strafen verhängen: Neben den strafrechtlichen Konsequenzen müssen dopende Sportler einen Ausschluss vom sportlichen Wettbewerb (für z.B. vier Jahre) befürchten. Das ist eine harte Strafe, wenn man bedenkt, dass der Sport die wirtschaftliche Lebensgrundlage vieler Berufssportler darstellt.

"Enormes Abschreckungspotential"

Die Sportschiedsgerichtsbarkeit und die staatliche Gerichtsbarkeit ergänzen sich demnach, wobei sie unterschiedliche Ansatzpunkte haben. Bei der Sportgerichtsbarkeit müssen Sportler beweisen, dass sie (bei einem positiven Test) nicht gedopt haben. Bei der staatlichen Gerichtsbarkeit muss die Anklage den Beweis eines Dopings anführen. Mit dem neuen Anti-Doping Gesetz entfalten beide zusammen ein enormes Abschreckungspotential, um letztlich den sauberen Sport und fairen Wettbewerb effektiv zu schützen.  Am 17.06.2015 werden wir uns - im Rahmen einer Anhörung im Deutschen Bundestag - mit dem Gesetzentwurf befassen und dabei mit ausgewiesenen Experten einzelne Details diskutieren.

Frage: Welche Strafen drohen?

Gienger: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer zu Dopingzwecken z.B. ein Dopingmittel herstellt, mit ihm Handel treibt, es veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt oder verschreibt. Bei besonders schweren Fällen kann es zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren kommen. Dies ist der Fall, wenn bei Dopingpraktiken z.B. die Gesundheit einer großen Zahl von Menschen gefährdet wird, die Gefahr des Todes oder einer schweren Schädigung an Körper oder Gesundheit besteht oder Dopingmittel an Minderjährige abgegeben werden.