Heiner Geißler war eine herausragende Persönlichkeit

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(Quelle: picture alliance/ Eventpress Stauffenberg)
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Heiner Geißler war eine herausragende Persönlichkeit

Die Unions-Bundestagsfraktion trauert um Heiner Geißler. Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär starb im Alter von 87 Jahren. Geißler hat die Christlich-Demokratische Union und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Jahrzehnte geprägt wie nur wenige andere Politiker.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder kondolierte Geißlers Familie und drückte die Trauer der gesamten Unionsfraktion aus. 

Geißler habe sich, so der Fraktionsvorsitzende, auf eine ganz eigene Weise um Deutschland, die CDU und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verdient gemacht. "Er war eine herausragende Persönlichkeit. An seine Worte, seine Mahnungen, seine Appelle werden wir uns in der Fraktion stets erinnern", sagte Kauder.

Diskussionen über Parteigrenzen hinweg

Weiter würdigte Kauder den ehemaligen Fraktionsvize Geißler als Persönlichkeit, die eigenständig dachte und handelte, aber auch aneckte und offen war für Diskussionen über die Parteigrenzen hinweg.

Auch nach dem Ausscheiden aus seinen politischen Ämtern sei Geißler ein wichtiger Wegweiser für seine Partei und die Bundestagsfraktion gewesen, habe immer wieder daran erinnert, dem „C“ als Wertekompass die gebührende Beachtung zu schenken.

Neben Kauder würdigte auch der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Peter Weiß, die politischen Leistungen Geißlers. Weiß nannte Geißler "einen der wichtigsten gesellschaftspolitischen Impulsgeber unseres Landes". Denn ihm sei es wie kaum einem anderen gelungen, "eine konservative, zutiefst wertorientierte Haltung mit kreativem Fortschrittsgeist zu verbinden."

Geißler und Neubestimmung der "Sozialen Frage" sind untrennbar verbunden

Die Einführung des Erziehungsgeldes sowie die damals noch unter dem Begriff „Erziehungsurlaub“ laufende Elternzeit und die Anrechnung von Erziehungszeiten in der Rentenversicherung erfolgten in Geißlers Zeit als Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Diese familienpolitischen Leistungen markierten den mitunter steinigen gesellschaftspolitischen Aufbruch in der Union mit dem Übergang vom traditionellen Familienverständnis hin zu einem Familienbild, in dessen Zentrum die Wahlfreiheit der Lebensmodelle steht.

Weiß unterstrich, dass mit Heiner Geißler auch die Diskussion um die Neubestimmung der „Sozialen Frage“ untrennbar verbunden ist. Geißler arbeitete hier die soziale Bedürftigkeit von Menschen weit über klassische Parameter wie materielle Sicherheit heraus und definierte gleichzeitig die Grenzen traditioneller staatlicher Sozialpolitik neu.

Bereits in seiner Zeit als Sozialminister in Rheinland-Pfalz war Geißler einer der ersten gewesen, der die Bedeutung von Sozialstationen als Struktur erkannte, die Menschen ein Leben in größtmöglicher Unabhängigkeit belässt, statt sie in Einrichtungen zu versorgen.

Intensive Auseinandersetzung mit Glaubensfragen

Zudem hatte sich Geißler zuletzt intensiv mit Glaubensfragen auseinandergesetzt. In seinen Ämtern zeigte er, wie Glaube und Politik miteinander verbunden werden können, wie der Glaube Richtschnur für die Politik sein kann. Aus der christlichen Botschaft zog er die Schlüsse für die heutige Politik und pochte unter anderem darauf, dass die Idee der sozialen Marktwirtschaft auch in Zeiten der Globalisierung so aktuell wie vor 60 Jahren ist.