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(Quelle: picture alliance/ dpa)
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Frauen als Motor der Integration

Keine Integration ohne Frauen – sie müssen wir stärken

In den letzten Monaten sind viele Menschen nach Deutschland geflüchtet. Nun gilt es, die Bleibeberechtigten zu integrieren. Dabei kommt Frauen eine besondere Rolle zu: Sie sind der Schlüssel zur Integration anderer. Wie das am besten geschehen kann und welche Chancen, aber auch Hindernisse es gibt, das war Thema eines Kongresses der Unionsfraktion in Berlin.

Gleich zu Beginn der Debatte richtete die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nadine Schön den Fokus auf die wesentlichen Fragen: Wie können wir die zu uns kommenden Frauen stärken und traumatisierten Frauen helfen? Wie können wir unsere gesellschaftlichen Werte vermitteln, wie die geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren?

"Es ist völlig selbstverständlich, dass Frauen gleichberechtigt sind"

Der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder betonte, dass nirgendwo auf der Welt die Integration in eine Gesellschaft ohne Frauen funktioniere. An Sie müssten wir uns daher wenden. Was unterschiedliche Vorstellungen insbesondere zur Rolle von Mann und Frau angeht, stellte Kauder klar: „Es ist völlig selbstverständlich, dass Frauen gleichberechtigt sind und die gleichen Rechte und Chancen haben müssen wie Männer.“

Integrationsanforderungen müssen für jedes Familienmitglied gelten

Hieran knüpfte Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes, an. Die Aufnahme und Integration Geflüchteter – also etwa entsprechende Kurse, aber auch die Integration in den Arbeitsmarkt – müssten von der Frau her und mit Blick auf ihre besonderen Bedürfnisse gedacht werden. Kramp-Karrenbauer: „Für jede Familie muss klar sein, dass Integrationsanforderungen für jedes Mitglied gelten, also auch für Frauen und Mädchen.“ Um Probleme aufzulösen schlug Kramp-Karrenbauer etwa Rückzugsräume für Frauen in Unterkünften sowie speziell auf Frauen zugeschnittene Integrationsangebote vor. Denn dezeit lägen die Schwerpunkte bei Integrationsangeboten eher auf männlichen Berufsbildern. Dies müsse sich dringend ändern, so die saarländische Ministerpräsidentin. 

Ebenso schlug sie vor, in der Nähe von Integrationskursen für Frauen auch Kinderbetreuungsmöglichkeiten anzubieten. "Die Frage ist: Wie kann man das flexibler gestalten?", sagte sie. 

Gewalterfahrungen und Traumata berücksichtigen

Unzählige der geflüchteten Frauen sind aufgrund furchtbarer Gewalterfahrungen häufig schon als Kind in der Familie und verstärkt durch Krieg und Vertreibung traumatisiert. Die Leiterin des Kompetenzzentrums Psychotraumatologie an der Universität Konstanz, Maggie Schauer, erklärte, dass die betroffenen Frauen mit ihren Traumata deutlich über dem Schnitt einer westlichen Gesellschaft lägen. Oft müsse sie zwei bis drei Generationen zurückgehen, um die Frauen nachhaltig zu behandeln. Es sei schwierig, aber möglich und mit Blick auf ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zentral.

Frauen muss Partizipation garantiert werden

Den zentralen Wert der Gleichberechtigung hob Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums globaler Islam, an der Universität Frankfurt a.M. hervor. Schlecht gebildete Mütter könnten ihren Kinder in der Schule weniger mitgeben. Den Kindern sei auch nicht geholfen, wenn sie nicht lernten, wie sie sich in der Mehrheitsgesellschaft bewegen müssen. Diese Nachteile drohen sich somit in der nächsten Generation fortzusetzen. Es gebe eine deutliche Korrelation zwischen sozialem Status und gelebter Gleichberechtigung. Schröter forderte: „Unter den Geflüchteten muss Frauen und Mädchen daher sofort Partizipation garantiert werden. Wir haben Prinzipien und die sind nicht verhandelbar.“ Die Integrationsbeauftragte der Unionsfraktion, Gemile Giousouf, fordert daher eine Wertedebatte, das heißt eine Diskussion darüber, wie wir in Deutschland leben wollen.