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Christen in Flüchtlingsheimen besser schützen

Experten fordern bessere Auswahl an Sicherheitskräften, kleinere Unterkünfte und mehr Personal

In den letzten Wochen haben sich Berichte über Mobbing und Gewalt gegen Christen und andere religiöse Minderheiten in Flüchtlingseinrichtungen gemehrt. Die Vorwürfe reichen von verbaler Einschüchterung über zerstörte Kultgegenstände bis hin zu gewaltsamen Übergriffen. Für die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag steht fest, dass diese Übergriffe in keinem Fall hinnehmbar sind. Im Rahmen eines Fachgesprächs diskutierte die Fraktion jetzt mit Vertretern von Kirchen, Flüchtlingseinrichtungen, Polizei und muslimischen Verbänden über das Ausmaß der Probleme sowie über geeignete Lösungswege.

Unklar blieb allerdings, wie groß der Umfang von Beleidigungen, Übergriffen oder Gewalt überhaupt ist. Der freikirchliche Berliner Pfarrer Gottfried Martens, der viele christliche Flüchtlinge betreut, wies auf eine Umfrage in seiner Gemeinde hin, der zufolge es dort 200 Fälle gegeben hat. Der Leiter der Zentralstelle Prävention beim Landeskriminalamt Berlin, Wolfram Pemp, sagte dagegen, die Zahlen seiner Statistik deckten sich damit nicht. Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte: „Ein Massenphänomen ist es nicht.“

Solide Zahlengrundlagen zu diesem Thema fehlen bislang. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder wies darauf hin, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière zugesichert habe, solche Straftaten künftig in einer Sonderkategorie religiös motivierter Delikte bei der politisch motivierten Kriminalität zu erfassen.

 „Wir müssen die Religionsfreiheit durchsetzen“

Kauder hat sich bereits mehrfach klar gegen eine getrennte Unterbringung von Christen in Flüchtlingsunterkünften ausgesprochen. „In einem Land, in dem Religionsfreiheit herrscht, ist dies nicht der richtige Weg. Wir müssen die Religionsfreiheit durchsetzen.“ Allerdings kann sich der Fraktionsvorsitzende vorstellen, Gruppen von Christen gezielter auf Flüchtlingsheime zu verteilen. Eine größere Gruppe habe es leichter, ihre Interessen zu verteidigen. „40 zu 200 ist anders als nur vier zu 200“, sagte er.

Gemischte Teams bei Sicherheitskräften

Der Vorsitzende des Stephanuskreises, Heribert Hirte, forderte, künftig größeren Wert auf gemischte Teams bei den Sicherheitskräften zu legen. Sie sollten aus Männer und Frauen, Christen und Muslimen, Arabern und Europäern bestehen. Polizist Pemp wies allerdings darauf hin, dass die Sicherheitsfirmen jetzt schon händeringend Personal suchten. Eine spezifische Auswahl sei also schwierig.

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch schlug vor, bei den Ursachen von Konflikten in Unterkünften anzusetzen. Notwendig seien soziale Betreuung, eine angemessene Ausstattung der Unterkünfte und klare Hausregeln. Zudem regte Koch an, die Unterkünfte zu verkleinern. „Wir müssen weg von den Turnhallen“, sagte er. Die Unterbringung großer Menschenmengen in Gebäuden ohne ausreichende Privatsphäre befördere Aggressionen. Dies bestätigte die Ehrenamtskoordinatorin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Gerit Probst. Sie forderte zudem mehr Sozialbetreuer und mehr Fachpersonal zur Gewaltprävention.

Muslimische Verbände wollen Teil der Lösung sein

Ender Cetin, Geschäftsführer der Sehetlik-Moschee am Berliner Columbiadamm, sieht muslimische Verbände und Moscheegemeinden nicht als „Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung“ an, wenn es um die Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen geht. Gerade junge Muslime in seiner Gemeinde wollten Brücken bauen und muslimische Flüchtlinge über deutsche Werte und das Grundgesetz aufklären.