Rede


Marlene Mortler (Quelle: )
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Familienerholung wendet sich an alle Familien

Rede zu Kinder- und Jugendtourismus

28.a*) Beratung BeschlEmpf u Ber (20.A)

zum Antrag CDU/CSU, FDP
Kinder- und Jugendtourismus unterstützen und weiter fördern

zum Antrag SPD
Reisen für Kinder und Jugendliche ermöglichen - Förderung sicherstellen und "Aktionsplan Kinder und Jugendtourismus in Deutschland" weiterentwickeln

- Drs 17/8451, 17/8924, 17/9913 -

b*) Beratung BeschlEmpf u Ber (20.A)

zum Antrag DIE LINKE.
Mitgliedschaft in der International Organisation of Social Tourism

- Drs 17/4844, 17/9308 -

Kinder- und Jugendreisen in Deutschland verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit. Sie sind nicht nur für die Tourismuswirtschaft bedeutsam, sondern fördern auch die Entwicklung, die soziale Kompetenz und den Zusammenhalt junger Menschen in unserem Land. Kinder- und Jugendreisen schaffen intensive Gemeinschaftserlebnisse. Sie stärken unsere Kinder auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Sie bieten gute Gelegenheiten, die eigene Heimat kennen- und schätzen zu lernen sowie auch frühzeitig in Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen zu treten.

Wir haben in unserem Antrag darauf hingewiesen, wie die Bundesregierung bereits mit erheblichen Mitteln Fort- und Weiterbildungsangebote, Informationsveranstaltungen, die internationale Jugendarbeit, den Bau von Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätten sowie von Jugendherbergen unterstützt.

Wir machen uns zudem für eine noch intensivere Unterstützung stark: bei der Qualifizierung, bei der Vernetzung und Kooperation jugendtouristischer Angebote, beim möglichen Aufbau einer Internetplattform sowie bei der intensiveren internationalen Vermarktung.

Für Letzteres bietet das Themenjahr „Junges Reiseland Deutschland“ der Deutschen Zentrale für Tourismus im kommenden Jahr einen idealen Anknüpfungspunkt.

Darüber hinaus wollen wir, dass die Einsatzmöglichkeiten des neuen Bundesfreiwilligendienstes in jugendtouristischen Einrichtungen verstärkt genutzt werden. Auf diese neuen Möglichkeiten soll die Bundesregierung an geeigneter Stelle hinweisen.

Im Gegensatz zu den Forderungen der SPD gibt es noch weitere Punkte, mit denen wir auch ohne finanziellen Aufwand einiges bewegen können. Einige Bundesländer etwa lassen Reisevermittler als Organisatoren von Klassenfahrten nicht zu. Wie kürzlich bei einer Veranstaltung des Bundesforums Kinder- und Jugendreisen e. V. deutlich wurde, wünschen sich dies aber manche Lehrer. Da die mit der Organisation einer Klassenfahrt verbundene Arbeit neben dem normalen Job aus ihrer Sicht zuweilen zu aufwendig ist, hätten sie gern die Möglichkeit, bei Bedarf auch auf kommerzielle Anbieter zurückgreifen zu können.

Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, bei den Bundesländern auf die positiven Aspekte der Einbeziehung von Reisevermittlern bei der Planung von Klassenfahrten hinzuweisen. Dabei geht es nicht um die Vergabe öffentlicher Mittel für private Anbieter, sondern um eine Unterstützung für Lehrer bei der Planung und Durchführung von Klassenfahrten, die ansonsten möglicherweise nicht stattfinden.

Das zweite Thema der heutigen Debatte ist die Forderung der Linken, dass Deutschland Mitglied in der Internationalen Organisation für Sozialtourismus werden soll. Damit soll die Möglichkeit für eine direkte Einflussnahme auf die Fortentwicklung des Sozialtourismus und das Kennenlernen guter Praxisbeispiele eröffnet werden.

Diese Organisation ist aber bisher vergleichsweise wenig in Erscheinung getreten, und eine dortige Mitgliedschaft ist unserer Meinung nach nicht zielführend. Schon heute engagiert sich die Bundesregierung stark im sogenannten Sozialtourismus und fördert Familien-ferienstätten, Jugend-, Bildungs- und Begegnungsstätten, Jugendherbergen sowie die internationale Jugendarbeit. Eine Auflistung der wichtigsten Punkte können Sie gerne in unserem Antrag nachlesen.

Außerdem gibt es neben den aus öffentlichen Mitteln und von gemeinnützigen Organisationen unterstützten Angeboten für die genannten Zielgruppen in Deutschland zahlreiche attraktive und preisgünstige Quartiere. Dies gilt insbesondere für den ländlichen Raum, dessen Stärkung ein Schwerpunkt unserer tourismuspolitischen Arbeit ist. So gibt es eine Vielzahl sehr attraktiver, naturnaher, sehr persönlich betreuter Urlaubsangebote auf dem Bauernhof, die noch dazu häufig sehr preisgünstig sind. Das gilt nicht nur für die Übernachtung, sondern auch für das Essen und andere Dienstleistungen.

Anfang dieser Woche haben wir – die Koalitionsfraktionen – einen Kongress mit 500 Teilnehmern zum Thema „Ländliche Räume, regionale Vielfalt“ durchgeführt. Dabei haben wir uns auch intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir die ländlichen Räume als Reiseziel stärken können. Das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis der oft einzigartigen touristischen Angebote ist sicher ein wichtiges Argument dabei. Gerade hier sind Urlauber und Familien mit begrenztem Budget gut aufgehoben.

Außerdem möchte ich auf die ausgezeichneten und preiswerten Angebote der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung hinweisen, die vom Katholischen und dem Evangelischen Arbeitskreis für Familienerholung zusammen mit dem Paritätischen Arbeitskreis für Familienerholung gebildet werden. Die Vorsitzende des Katholischen Arbeitskreises ist die Kollegin Elisabeth Winkelmeier-Becker aus unserer Fraktion, die Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises – und gegenwärtig auch der Bundesarbeitsgemeinschaft – ist unsere SPD-Kollegin Gabriele Lösekrug-Möller.

Zentrales Anliegen ist es dort, Familien mit vielen Kindern einen preiswerten Urlaub in familienfreundlichen Unterkünften anzubieten und den Zusammenhalt in den Familien zu stärken. Dafür gibt es in Deutschland 120 gemeinnützige Familienferienstätten, die seit den 50er-Jahren entstanden sind. In diesen Einrichtungen gibt es immerhin rund drei Millionen Übernachtungen pro Jahr.

Familienerholung wendet sich an alle Familien, doch werden finanziell benachteiligte und kinderreiche Familien, Alleinerziehende sowie Familien mit behinderten Kindern oder behinderten Angehörigen besonders berücksichtigt. Angebote für Familienberatung, zur Stärkung der Familienkompetenz und zur gesundheitlichen Prävention spielen dabei heute eine große Rolle. Bau und Renovierung von Familienferienstätten werden im Übrigen ebenfalls bereits aus dem Bundeshaushalt gefördert in Kofinanzierung mit den Bundesländern und den Trägern.

Statt Geld für eine nicht zielführende Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation auszugeben, sollten wir lieber als Bundestagsabgeordnete diese Fami-lienferienstätten unterstützen, die sich manchmal noch etwas schwertun bei der Vermarktung und noch lange nicht allen bekannt sind, die als Gäste infrage kommen. Wenn sich in Ihrem Wahlkreis eine solche Einrichtung befindet, informieren Sie sich doch einmal vor Ort über deren Arbeit, weisen Sie mit auf diese Angebote hin und machen Sie beispielsweise bei eigenen Besuchen in Schulen und Kindergärten auf diese besonderen und preisgünstigen Familienerholungsangebote aufmerksam. Damit könnten wir alle einen wichtigen Beitrag leisten und gezielt helfen.