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(Quelle: picture alliance/ dpa)
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Vernetzung im Gesundheitswesen stärken

Auf die gute Gesundheitsversorgung in unserem Land können wir stolz sein. Patientinnen und Patienten erhalten die bestmögliche Diagnostik, Behandlung und Pflege. Dennoch ist es notwendig, die Leistungserbringer im Gesundheitswesen über die Sektoren hinweg besser zu vernetzen. Wie das in Zukunft umgesetzt werden soll, das war Thema eines Fraktionskongresses in Berlin.

Vernetzung wird immer wichtiger

Um künftige Versorgungsengpässe zu vermeiden muss die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Vertretern nichtärztlicher Gesundheitsberufe – Pflegern, Therapeuten, Assistenten und Laboranten – intensiviert werden. Denn bestehende Lasten müssen in Zukunft bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung auf mehr Schultern verteilt werden. Und das Thema Gesundheitsversorgung bewegt die Menschen. „Kein Thema“, so Unionsfraktionschef Volker Kauder, „elektrisiert in einer älter werdenden Gesellschaft so, wie das Thema Gesundheit. Jeder hat den Wunsch, dass er länger leben kann, älter wird und das natürlich auch gesund.“

Gute medizinische Versorgung verlängert Leben

Die Medizin habe hier in den letzten Jahrzehnten schon unglaubliches vollbracht, sagte Kauder. „Dass wir so lange leben können, ist nicht nur unseren Genen zu verdanken, sondern auch der Medizin.“ Dennoch spreche der Kongress ein Thema an, dass mehr und mehr an Bedeutung gewinnen wird – „nämlich die nicht-ärztlichen Berufe im System der Gesundheitsversorgung. Diese nehmen eine wichtige und zentrale Rolle ein.“

Ärztliche Versorgung auf dem Land aufrechterhalten

Als wichtigen Diskussionspunkt nannte Kauder vor allem die ärztliche Versorgung auf dem Land. Die Botschaft an die Menschen müsse lauten: „Wir versorgen dieses Land auch zukünftig und auch in der Fläche, auf dem Land, mit qualifiziertem ärztlichen und nichtärztlichem Personal.“

Präsenzapotheken müssen bestehen bleiben

In dem Zusammenhang thematisierte der Unionsfraktionsvorsitzende auch das Thema Versandapotheken. Kauder sieht sie in gefährlicher Konkurrenz zur stationären Apotheke: „Ich will nicht“, sagte er, „dass wir im ländlichen Raum keine Präsenzapotheke mehr haben“.

HHVG ist wichtiger Schritt

Einen weiteren wichtigen Aspekt der Vernetzung nannte auch Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein. Auf Grund der zunehmend besseren Qualifikation der Heilmittelerbringer sollen diese, so der Gesundheitspolitiker, besser in die Gesundheitsversorgung eingebunden werden. Ein erster Schritt auf diesem Weg war im Februar vom Deutschen Bundestag mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) beschlossen worden.

Blankoverordnungen sollen zum Erfolgsmodell werden

Für Physiotherapeuten sieht das HHVG zum Beispiel Modellvorhaben zur Blankoverordnungen vor – das heißt, der Arzt stellt zwar weiter die Diagnose. Der Therapeut wählt dann aber selbst eine Therapie und die Dauer der Therapie aus. Perspektivisch soll es später auch einen Direktzugang zum Physiotherapeuten geben, bei dem Patienten ohne vorherigen Arztbesuch eine Therapie erhalten sollen. Seit 1976 ist das etwa in Australien und seit 2006 in den Niederlanden Praxis. Hier, so Nüßlein, brauche es neben anderen Voraussetzungen jedoch zunächst ein einheitliches Qualifikationsniveau der Heilmittelerbringer.

Gesundheitspolitik ist Vernetzungspolitik

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bezeichnete das HHVG als ein wesentliches Element bei der Frage, wie man nichtärztliche Gesundheitsberufe stärken und verschiedene Gesundheitsleistungen vernetzen kann. Das Gesetz sei, wie fast alle Gesetze im Gesundheitssektor, ein klassisches Vernetzungsgesetz. Es trage so genau zu dem Gesundheitswesen bei, dass man in einer Gesellschaft des längeren Lebens brauche.

„Es geht immer um mehr Vernetzung“, sagte Gröhe. Und: „Es geht immer um die bestmögliche Mannschaftsleistung.“

Als weitere wichtige Faktoren für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen nannte Gröhe zudem die Stärkung einer modernen Ausbildung plus die Delegation und Substitution bei der Patientenbetreuung. Hier sieht der Minister noch Luft nach oben. Bei der Begleitung eines Patienten durch die Zusammenarbeit verschiedener Leistungserbringer liege man noch weit hinter den Möglichkeiten, so Gröhe.

Die Veranstaltung in voller Länge können Sie hier noch einmal sehen.