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Vergewaltigungen stoppen

Opfer sexualisierter Gewalt in Kriegen mahnen

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und die Menschenrechtsorganisation Hawar.help e.V. bot auf einem Kongress den Frauen ein Forum, die Opfer sexualisierter Gewalt in Kriegen geworden sind.

Zusammen mit Menschenrechtsaktivisten, Vertretern aus der Politik, Psychologen und Juristen diskutierten die Teilnehmer darüber, wie Deutschland und die internationale Gemeinschaft helfen können und wie man die Täter zur Rechenschaft zieht.

Überlebenden eine Stimme geben

Der Fraktionsvorsitzende der Union Volker Kauder betonte, dass die Veranstaltung ein klares Zeichen setze. Die Geschichten der betroffenen Frauen zählten und sie könnten mit Unterstützung rechnen. Es müsse noch viel mehr getan werden, um Frauen vor Gewalt zu schützen und jeder müsse sich bewusst machen, dass sexuelle Gewalt nicht auf eine Religion oder Region beschränkt sei.

 „Die Betroffenen wollen nicht länger zu dem Unrecht schweigen, das man ihnen angetan hat.“, so Kauder. Die Tabuisierung von Vergewaltigung als strategisches Mittel der Kriegsführung schütze nur die Täter, so der Fraktionsvorsitzende. Auch die Initiatorin von Hawar.help e.V., Düzen Tekkal, zeigte sich froh darüber, dass das Thema mit der Veranstaltung ein Podium im Deutschen Bundestag gefunden hatte. Denn: „Reden heißt helfen!“ Volker Kauder und Angela Merkel bedankten sich bei den Frauen, die auf der Veranstaltung ihre ganz persönlichen Geschichten mit den Gästen teilten. Kauder sagte: „Sie sind Überlebende und sie sind ungebrochen!“

Frauen schützen und unterstützen

Die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger berichtete über die bedrückenden Erlebnisse von Frauen, die in verschiedensten Kriegen sexualisierter Gewalt zum Opfer gefallen sind. „Es gibt eine Pandemie der sexuellen Gewalt gegen Frauen auf dieser Welt.“, mahnte sie. Deshalb sei es inspirierend zu sehen, dass eine Regierung sich engagiere, auf die Verbrechen der Vergewaltigung als Kriegswaffe aufmerksam zu machen. 

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, hat zusammen mit Düzen Tekkal die Jesidinnen im Irak besucht. „Das Leid dieser Frauen ist unvorstellbar“, so Müller. „Sexualisierte Gewalt sei eines der abscheulichsten Verbrechen.“ Es sei auch Aufgabe deutscher Politik, diese Frauen und Mädchen zu schützen und ihnen medizinische Hilfe zukommen zu lassen. So wurden beispielsweise Gemeindezentren für Frauen aufgebaut, die nach ihrer Gefangenschaft keine Familie mehr hatten, in die sie zurückkehren konnten. Das Land Baden-Württemberg hat im Rahmen einer Initiative über 1000 dieser Frauen aufgenommen und ihnen unter anderem medizinische Hilfe geboten. Flüchtlingsheime werden derzeit mit ca. 200 Millionen Euro gefördert, um sie so auszustatten, dass Frauen und Mädchen besser geschützt sind, so Angela Merkel.

Verbrechen dokumentieren, verfolgen und bestrafen

Gerd Müller stellte klar: „ Vergewaltigung ist nicht nur eine Kriegswaffe. Es ist auch ein Kriegsverbrechen und muss als solches behandelt werden.“ Doch noch herrsche in vielen Ländern praktisch Straflosigkeit. Vorhandene Gesetze müssten konsequent durchgesetzt werden. Dazu sei es auch entscheidend, dass sich Rollenbild und die Stellung des Mannes verändere. „Wenn Frauen in allen Gesellschaftsbereichen gleichberechtigt sind, so sind sie auch in Kriegszeiten nicht plötzlich schutzlos.“ Müller bezeichnete dies als zentralen Ansatzpunkt seiner Entwicklungspolitik.

Auch für Angela Merkel ist die Gleichberechtigung wesentlich, um Frauen und Mädchen zu schützen. „Je länger Mädchen zur Schule gehen, je besser sie ausgebildet sind, desto besser sind ihre Chancen, auf ein selbstbestimmtes Leben.“, so die Bundeskanzlerin.

Leider sei sexualisierte Gewalt kein neues Thema. In Konflikten und Kriegsgebieten werden Mädchen und Frauen immer wieder zur Zielscheibe. Deutschland wolle die enge Zusammenarbeit mit der UN fortsetzen, um Täter zur Verantwortung zu ziehen, Völkerrecht durchzusetzen und Kriegsverbrechen aufzuklären. „Jeder einzelne Fall ist widerwärtig, jeder einzelne Fall ist eine Tragödie!“, betonte Angela Merkel.