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Die Inzidenz hat noch nicht ausgedient

  • Leitkriterium für die Corona-Lage ist jetzt die Hospitalisierungsrate
  • Rudolf Henke: Vorrang für Krankenhauseinweisungen im Indikatorenmix gut vertretbar
  • Länder müssen Schwellenwert für Schutzmaßnahmen bestimmen

Seit Beginn der Corona-Pandemie war die Sieben-Tage-Inzidenz die zentrale Messlatte für die Verbreitung des Virus in Deutschland. Angesichts der steigenden Impfquote - vor allem in den Risikogruppen – ist die Zahl der Neuinfektionen jedoch nicht mehr so aussagekräftig wie zu Anfang. Abgelöst wird sie jetzt von einem Mix an Indikatoren – allen voran die Hospitalisierungsrate. Sie zeigt auf, wie viele Menschen wegen COVID-19 pro 100.000 Einwohner pro Woche in ein Krankenhaus eingeliefert werden. 

Der CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke sagt: „Die Sieben-Tage-Inzidenz hatte lange ihre Vorzüge als Leitkriterium, insbesondere in der Zeit der ‚Bundesnotbremse‘.“ Die Notbremse galt bundeseinheitlich vom 23. April bis Ende Juni. Damals richteten sich die Schwellenwerte für Schutzmaßnahmen nach der Zahl der Menschen je 100.000 Einwohner, die sich pro Woche neu mit dem Coronavirus ansteckten. Besonders kritisch war die 100er-Inzidenz, ab der die Länder strenge Kontaktsperren, sogar Ausgangssperren, verhängen mussten. 

Hohe Impfquote bei den Risikogruppen

Inzwischen sind aber zwei Drittel der Menschen in Deutschland einmal und über 60 Prozent vollständig geimpft. Bei den Bürgern über 60 Jahren liegt die Zahl der vollständig Geimpften sogar noch höher, nämlich bei 83 Prozent.

„Das bedeutet Selbstschutz für die meisten Risikogruppen, gesenkte Übertragungsrisiken in der Gesamtbevölkerung und weniger kritische Kontaktpersonen für die Gesundheitsämter.“ 

Frühzeitig Brennpunkte identifizieren

Henke, der selbst Internist ist, weist darauf hin, dass Anzahl und Dynamik der Neuinfektionen weiterhin wichtig bleiben, weil sie frühzeitig aufzeigen, wo Brennpunkte sind. Man brauche weiterhin „früh anschlagende Kriterien wie die Inzidenz“, sagt er. Deshalb werde das Robert-Koch-Institut die Zahl der Neuinfektionen auch weiterhin jeden Werktag veröffentlichen. „Die Inzidenz ist nicht entkoppelt von der Auslastung der Intensivstationen, aber man muss sehen: In früheren Wellen hat die gleiche Inzidenz zu doppelten oder sogar dreifachen Intensivzahlen geführt.“

Überlastung der Krankenhäuser vermeiden

Die Hospitalisierungsrate ist deshalb so wichtig, weil sie frühzeitig aufzeigt, wo Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen. Deshalb sollen die Länder selbst definieren, ab welchen Schwellenwerten Schutzmaßnahmen gegen Corona ergriffen werden müssen, weil nur sie genau im Blick haben, über welche Kapazitäten die Krankenhäuser in den einzelnen Regionen verfügen. Folglich betont Henke:

„Wenn wir die Hospitalisierung von COVID-19-Patienten als Maßstab haben wollen, müssen wir sie aber auch ins Verhältnis setzen zur Krankenhauslandschaft vor Ort.“

Auch die Impfquoten in den einzelnen Ländern seien unterschiedlich und bewegten sich in einer Bandbreite zwischen 50 und 70 Prozent. 

Keine statischen Vorgaben von Bundesseite

Ein Schwellenwert lasse sich daher „nicht mehr statisch von der Bundesseite vorgeben“, sagt er. „Da darf man nicht zu viel Gleichschritt erwarten.“ Wichtig sei im Zusammenhang mit der Hospitalisierungsrate auch, die Zahl der Patienten zu beobachten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen.  

Auf die Kinder achtgeben

Henke mahnt, dass man vor allem auf die Bevölkerungsgruppen achtgeben müsse, für die noch keine Impfempfehlung bestehe - wie für Kinder unter zwölf Jahren. Das Ziel bestehe nach wie vor darin, Infektionen einzudämmen, zu verhindern, dass viele Menschen schwer erkranken oder dass sie an Long-COVID leiden. Es gehe aber auch darum zu verhindern, dass die Krankenhäuser überfordert würden und dass andere wichtige Behandlungen zurückgestellt werden müssten. Deshalb hält er es für

„gut vertretbar, in dem ganzen Kriterienmix zur Steuerung der Lage in besonderer Weise auf die stationäre Versorgung zu fokussieren“.
 

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