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(Quelle: picture alliance/dpa)
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In der Mitte der Gesellschaft

Inklusion von Menschen mit Behinderung den ersten Arbeitsmarkt eröffnen

Menschen mit Behinderungen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Sie sollen gleichberechtigt und selbstbestimmt am Leben teilhaben. Daher will die CDU/CSU-Fraktion die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickeln.

Auf einem Kongress zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Arbeit und Gesellschaft diskutierten Politiker mit Betroffenen sowie Vertretern von Verbänden, Initiativen und Unternehmen über Wege dorthin.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling, warb für eine grundsätzlich neue Sichtweise. Der Begriff „Menschen mit Behinderung“ solle sich nicht länger am Defizit orientieren, sondern am Potenzial, das ein Mensch entfalten könne. „Keiner kann alles, niemand kann nichts, jeder kann etwas“, sagte Schiewerling. Es gehe darum, ein vielfältiges Arbeitsangebot zu schaffen in Werkstätten und Integrationsbetrieben, aber auch auf dem ersten Arbeitsmarkt, etwa indem Arbeitsnehmern mit Behinderung eine Assistenz zur Seite gestellt werde. Behinderte, die den Schritt aus der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt wagten, sollten eine Rückkehrmöglichkeit haben, damit sie nicht in eine Falle gerieten, forderte Schiewerling. 
 

Öffnung der Kitas für Kinder mit Behinderung

 
CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder betonte, dass gerade Arbeit das Selbstwertgefühl der Betroffenen enorm erhöhe. Er nannte die Inklusion am Arbeitsmarkt eine große Herausforderung. Nicht nur die Arbeitgeber seien hier gefordert, sondern auch die Kollegen, die sich der Zusammenarbeit mit Behinderten öffnen müssten. Um dafür die Grundlagen zu schaffen, sprach sich die Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Donata Schenck zu Schweinsberg, für die Öffnung der Kitas auch für Kinder mit Behinderungen aus. Nur so lernten Menschen frühzeitig und spielerisch, andere Menschen mit all ihren Besonderheiten zu achten. 
Kanzleramtschef Peter Altmaier stellte fest, dass die Unternehmen die Potenziale von Arbeitnehmern mit Behinderungen längst nicht voll ausschöpften. Allerdings – so  Alfons Adam von der Daimler AG – beschäftigten Betriebe, in denen starke Schwerbehindertenvertretungen die Arbeitgeber unterstützen, nachweislich viele Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung. Nach Überzeugung von Monika Labruier, Geschäftsführerin des Kölner Inklusionsdienstleisters Füngeling Router, könnten schon heute viel mehr Menschen mit Behinderung eine reguläre Arbeit haben, wenn mehr individuelle Wege in den Arbeitsmarkt möglich wären.  
 

Vermögensbildung muss möglich sein

 
Neben dem geplanten Teilhabegesetz nannte der Behindertenbeauftragte der Fraktion, Uwe Schummer, als weitere wichtige Reformbereiche das barrierefreie Reisen, menschengerechte Innenstädte oder die Verwendung von leichter Sprache in der Kommunikation. Benedikt Lika, Mitglied des Stadtrates in Augsburg, lenkte den Blick auf die finanziellen Sorgen behinderter Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind. Die Tatsache, dass sie kein größeres Vermögen als 2.600 Euro besitzen dürfen, wenn sie nicht riskieren wollen, dass es vom Staat als Ausgleich für die Kosten der Assistenz eingezogen wird, kritisierte er scharf. Diese Regelung führe geradewegs in die Altersarmut, mahnte er. 
Behinderte sollten Vermögen bilden und erben können, auch wenn sie Eingliederungshilfen beziehen, forderte ebenso der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann. Damit Menschen mit Behinderung selbstbestimmt leben können, brauchen sie auch auf sie ausgerichtete Wohnformen. Das Rote Kreuz bietet laut Schenck zu Schweinsberg unter anderem ein Wohntraining an, bei dem Betroffene lernen, wie sie mit Geld umgehen, wie sie einkaufen oder Behördengänge erledigen. Auch Eltern, deren behinderte Kinder alleine leben wollen, bekommen beim DRK Informationen.