Pflegeberufe werden künftig in Deutschland neu geregelt

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(Quelle: picture alliance/ dpa)
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Reform der Pflegeberufe

Reform ermöglicht Auszubildenden größtmögliche Entscheidungsfreiheit

Lange war darüber verhandelt worden, nun hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe beschlossen. Ziel der Reform ist es, Pflegeberufe attraktiver zu machen.

Mit dem nun beschlossenen Gesetz zur Reform der Pflegeberufe werden die verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Pflegekräfte abgerundet. Maßnahmen zur Stärkung der Pflegeberufe sind dringend notwendig, denn die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich von derzeit rund 2,8 Millionen bis 2030 auf 3,5 Millionen erhöhen. Zwar gab es in den letzten 10 Jahren auch einen deutlichen Anstieg der in der Pflege tätigen Menschen, dieser reicht jedoch nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken.

Bundesgesundheitsminister Gröhe erklärte bei der Debatte im Plenum, dass die Reform mit „vielen Hoffnungen und mit vielen Sorgen“ verbunden gewesen sei. Er sei dennoch überzeugt, dass mit dem gefundenen Kompromiss die Pflege gestärkt werde. Seit mehr als zehn Jahren, so Gröhe, werde über die Pflegeausbildung diskutiert. „Heute haben wir einen wichtigen Schritt geschafft, um den Pflegeberuf weiter zu stärken. Wir werden in Zukunft mehr Pflegekräfte brauchen. Deshalb schaffen wir jetzt eine moderne Pflegeausbildung, die unsere Pflegekräfte besser auf die veränderten Anforderungen in der Praxis vorbereiten und mehr Berufs- und Aufstiegschancen bietet.“

 

 

"Stärkung und Aufwertung des Pflegeberufs sind dringend erforderlich"

Mit der Neuregelung werden die bisher im Altenpflegegesetz und Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Pflegeausbildungen einem neuen Pflegeberufegesetz zusammengeführt. Alle Auszubildenden erhalten künftig zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung, mit der Möglichkeit einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung zu wählen. Wer die generalistische Ausbildung im dritten Jahr fortsetzt, erwirbt den Abschluss zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.

Auszubildende, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können für das dritte Ausbildungsjahr statt des generalistischen Berufsabschlusses einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege erwerben. Außerdem wird die Möglichkeit für Auszubildende, zwischen den Bereichen zu wechseln, erleichtert.

„Vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels in der Pflege und einer sinkenden Zahl an Schulabsolventen ist eine Stärkung und Aufwertung des Pflegeberufs dringend erforderlich“, macht Unionsfraktionsvize Georg Nüsslein deutlich. Zudem verändere sich der Pflegealltag immer schneller und die Zahl der Menschen in Pflegeeinrichtungen, die chronisch krank sind oder an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, nimmt zu.

Gesetz tritt stufenweise in Kraft

Das Gesetz soll in Stufen in Kraft treten. Damit wird die Grundlage geschaffen, um rechtzeitig vor Beginn der neuen Ausbildung die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vorlegen zu können. Der erste Ausbildungsjahrgang soll 2020 beginnen. „Zur konkreteren inhaltlichen Ausgestaltung der Ausbildung erstellen das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesfamilienministerium im nächsten halben Jahr eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, die sie dem Bundestag zur Entscheidung zuleiten. Damit sind alle Mitwirkungsrechte des Parlaments gesichert“, erläutert die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Maria Michalk, das weitere Procedere.

Darüber hinaus soll sechs Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes die Entwicklung bewertet werden. Haben sich dann mehr als die Hälfte der Auszubildenden für den generalistischen Abschluss und gegen eine Spezialisierung entschieden, kann der Bundestag darüber entscheiden, ob er den Abschluss in der Alten- und Kinderkrankenpflege abschafft.

Berufsbild soll aufgewertet werden

„In dem Gesetz werden erstmals pflegerische Aufgaben definiert, welche für die Pflegequalität und den Patientenschutz von besonderer Bedeutung und deshalb allein dem Pflegepersonal vorbehalten sind. Durch die Festschreibung der Kompetenzen wird das Berufsbild deutlich aufgewertet“, so Maria Michalk weiter.

Unionsvize Nüsslein ergänzt: „Die neue Berufsausbildung steht weiterhin Schülern mit einer zehnjährigen abgeschlossenen Schulbildung offen. Das Schulgeld entfällt künftig für alle Auszubildenden. Auch bei Umschulungen zur Pflegekraft übernehmen die Arbeitsagenturen und Jobcenter die Lehrgangskosten dauerhaft. Bislang war dies zeitlich befristet.“

Pflegestudium als weiteres wichtiges Signal

Zudem soll jetzt ein weiteres wichtiges Signal mit der Einführung einer hochschulischen Pflegeausbildung gesetzt werden. „Dadurch, dass sich den Studenten zusätzliche Karrierewege erschließen, werden neue Zielgruppen angesprochen. Das berufsqualifizierende Studium vermittelt neben den Inhalten der Pflegeausbildung Kenntnisse über die Gestaltung von Pflegeprozessen oder die Entwicklung von Qualitätsmanagementkonzepten“, so Georg Nüsslein.

Bereits zuvor hatte die unionsgeführte Bundesregierung mit der großen dreistufigen Pflegreform auf den wachsenden Bedarf an Pflegepersonal und die sich verändernden Strukturen in der pflegerischen Versorgung reagiert.