Thema des Tages


(Quelle: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag | Steven Rösler)
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Bundestag gedenkt der Opfer im Nationalsozialismus

Erstmals wird an die Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen erinnert

In einer sehr bewegenden Gedenkstunde hat der Deutsche Bundestag an die Millionen Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Parlamentspräsident Norbert Lammert mahnte, die schrecklichen Verbrechen nie zu vergessen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, erinnerte er an Artikel 1 des Grundgesetzes.

Die Geschichte zeige sehr deutlich, dass die Würde des Menschen leider doch antastbar sei: „Nirgendwo wurde dieser Nachweis gründlicher erbracht als in Deutschland“, erklärt Bundestagspräsident Lammert in seiner Rede vor den Abgeordneten.

Gedenken an die Opfer der „Euthanasie“

„Wir gedenken in diesem Jahr besonders der Kranken, Hilflosen und aus Sicht der NS-Machthaber ‚Lebensunwerten‘, die im sogenannten Euthanasie-Programm ermordet wurden, sagt Lammert. 300 000 Menschen seien oft zuvor bereits zwangssterilisiert und auf andere Weise gequält worden.

Viele Opfer bis heute unbekannt

„Die Schergen des NS-Regimes deportierten gezielt und systematisch Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen und ermordeten sie dort“, erinnert Uwe Schummer, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen der Unionsfraktion, bereits im Vorfeld der Gedenkstunde an die entsetzlichen Taten. So hätten die verantwortlichen Ärzte ihre Verbrechen gegenüber den Angehörigen verschleiert. „Bis heute sind viele der Opfer noch unbekannt. Historiker müssen die Forschung intensivieren, nicht zuletzt um diesen Opfern endlich ein Gesicht zu geben“, so Schummer.

„Probelauf zum Holocaust“

Lammert lässt keinen Zweifel, dass zwischen der ‚Euthanasie‘ und dem Völkermord an den europäischen Juden ein enger Zusammenhang bestanden habe. „Als ‚Probelauf zum Holocaust‘ gilt das Töten durch Gas, das zuerst bei den ‚Euthanasie‘-Opfern praktiziert und damit zum Muster für den späteren Massenmord in den NS-Vernichtungslagern wurde, betont der Bundestagspräsident.

"Erinnern erfordert Mut und Beharrlichkeit“

In der Gedenkstunde schildern auch mehrere Rednern die Einzelschicksale von ‚Euthanasie‘-Opfern. So Hartmut Traub. Der Studiendirektor am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Essen erinnert an das Schicksal seines Onkels Benjamin Traub, der 1941 in der nordhessischen Stadt Hadamar im Rahmen des nationalsozialistischen ‚Euthanasie‘-Programms ermordet worden war. Er mahnt, dass Erinnern mehr sei als bloßes Zur-Kenntnis-Nehmen. Erinnern gehe uns innerlich an. „Es betrifft uns. Manches Erinnern erfordert Mut und Beharrlichkeit.“ Und weiter: „Manches Erinnern ist eine Pflicht, die uns der Wille zur Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit gegenüber Schuld und Versagen auferlegt“, so Traub.

Internationaler Holocaust-Gedenktag

An der Gedenkstunde des Parlaments nahm auch Bundespräsident Joachim Gauck teil. Seit 1996 wird auf Anregung des damaligen Staatsoberhaupts Roman Herzog am 27. Januar - dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz - in Deutschland der NS-Opfer gedacht. 2005 riefen die Vereinten Nationen diesen Tag zum internationalen Holocaust-Gedenktag aus.