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Dr. Helge Braun

Intensivierung der Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten

Rede zum Bericht zur Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung

5.) Unterrichtung BundesregierungBericht zur Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung - Drs 16/13852 - Herr Präsident!Meine sehr verehrten Damen und Herren!Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung hat das Bundeskabinett am 20. Februar 2008, also etwa vor zwei Jahren beschlossen. Deutschland muss sich – das ist die Grundüberzeugung – auf den Weg begeben, einer der dynamischsten, wissensbasiertesten Räume in Europa zu werden, und Europa muss der dynamischste, wissensbasierteste Raum der Welt werden. Ein Mangel an Rohstoffen macht diesen Weg für uns alternativlos. Aber gleichzeitig ist auch klar, dass wir diesen Weg nicht allein mit nationalen Strategien gehen können. Man sieht in dieser Zeit noch etwas anderes: Die Dynamik in anderen Regionen der Welt ist ebenfalls groß. Die UNESCO hat die Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Zeitraum von 2002 bis 2007 weltweit beobachtet und hat die positive Entwicklung festgestellt, dass die Zahl der wissenschaftlich tätigen Menschen in den Entwicklungsländern in diesem Zeitraum um sage und schreibe 56 Prozent angewachsen ist. Wenn man das in Beziehung zu dem etwa 10-prozentigen Anwachsen in Deutschland setzt, ist klar, dass wir im internationalen Vergleich einen geringeren Anteil an Wissenschaftlern in Europa und in Amerika haben: Heute sind etwa 20 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in China tätig, 28 Prozent in Amerika und 26 Prozent in Europa. Deshalb ist es eine Aufgabe der nationalen Politik, Wissenschaft und Forschung in einen Internationalisierungsprozess zu bringen, um langfristig die Erfolge gemeinsam mit anderen zu mehren. Im Kabinettsbeschluss von 2008 hat die Bundesregierung daher vier Ziele festgelegt. Das erste Ziel ist die Intensivierung der Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten. Das zweite Ziel ist das Erschließen internationaler Innovationspotenziale. Das dritte Ziel ist die deutliche Stärkung der Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern. Das vierte Ziel ist die Übernahme globaler Verantwortung bei der Bekämpfung und Beantwortung globaler Herausforderungen. Zwei Jahre nach diesem allerersten Beschluss hat jetzt die Bundesregierung einen ersten Bericht vorgelegt. Dieser zeichnet eine alles in allem ausgesprochen positive Entwicklung. Wir können nämlich sagen, dass nahezu alle Beteiligten in Deutschland die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung aufgegriffen haben und jetzt mit eigenen Initiativen dabei sind, diese mit Leben zu erfüllen. Dazu gehören nicht nur die Bundesressorts und die Länder, also der politische Teil Deutschlands, sondern dazu gehören auch die Wirtschaft, die Hochschulen, die Wissenschaftsorganisationen und unsere Mittlerorganisationen. Alle haben mit eigenen Ini-tiativen die Internationalisierungsstrategie in den letzten zwei Jahren mit Leben erfüllt. Ich will dazu einige Beispiele erwähnen. Wir haben die Alexander-von-Humboldt-Professuren ausgebaut und werden sie weiter ausbauen. Sie sind ein geeignetes Mittel, um Wissenschaftler, und zwar die besten der Welt, nach Deutschland zu holen, damit sie hier ihre Expertise einbringen. Das Interessante ist, dass in den letzten zwei Jahren, nämlich von 2008 bis 2009, 10 der 16 Preisträger der Alexander-von-Humboldt-Professur gar keine Bildungsaus-, sondern ursprüngliche Bildungsinländer waren, die wir wieder nach Deutschland zurückholen konnten. Somit ist das eine Maßnahme, die dem Braindrain in Deutschland sehr wirksam entgegenwirkt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat im zweiten Halbjahr 2009 mit einer Pilotmaßnahme die Kontakte deutscher Netzwerke aus Wirtschaft und Wissenschaft mit den fachlich relevanten Netzwerken und Clustern weltweit gefördert. Wir sind heute froh, zu sehen, dass sich viele kleine und mittelständische Unternehmen daran beteiligen. Das nächste Zielfeld, die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern, ist ein Feld, das gut gedeiht. Es ist uns wichtig, dass wir mit den Schwellen- und Entwicklungsländern auf Augenhöhe handeln und uns etwa in den Kompetenzzentren in Afrika gemeinsam mit den Herausforderungen von Hunger, Dürre oder vernachlässigten Erkrankungen anwendungsnah auseinandersetzen. Zusammen mit unseren Partnern in der EU, in den Vereinten Nationen, in der OECD, den G-8-Staaten und zunehmend auch den G-20-Staaten wollen wir wissenschaftliche Lösungsbeiträge für die globalen Klima-, Ressourcen-, Gesundheits- und Sicherheitsprobleme leisten. Gerade zu diesem Zweck hat das BMBF eine multinationale Initiative bei der OECD angeschoben, die noch in dieser Legislaturperiode Empfehlungen für eine verbesserte multilaterale Zusammenarbeit entwickeln soll. Ein weiterer Vorstoß des BMBF im Rahmen der G 8 war gerade erst in der letzten Woche von einem schönen Erfolg gekrönt. Unter der Federführung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG, haben die Förderorganisationen der G 8 ein multilaterales Pilotprogramm eingerichtet. Künftig müssen Forschungsteams ihre Fördergelder nicht mehr einzeln in jedem G-8-Staat bei einer Vielzahl von Organisationen, sondern nur noch einmal gemeinsam bei einer federführenden Förderorganisation beantragen. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP) Wer das Verfahren in der Vergangenheit kennt, der müsste jetzt genauso begeistert wie die CDU/CSU-Fraktion sein. (Dr. Petra Sitte [DIE LINKE]: Begeisterung sieht anders aus!) Meine Damen und Herren, die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung hat eine ungeheure Dynamik in Gang gesetzt. Viele unserer Allianzinstitutionen haben eigene Internationalisierungsstrategien auf den Weg gebracht. Mit dem Vorsitz des europäischen Strategischen Forums für Internationale Kooperation bei der EU hat das BMBF eine Schlüsselposition neu besetzt. Ich hoffe, dass der Bundestag die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung in den kommenden Jahren so unterstützt, dass wir diese mit Mitteln und Expertisen fortsetzen können, und zwar im Interesse von Wissenschaft und Forschung in Deutschland, aber auch weltweit. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)