Dr. Johann Wadephul

Thema des Tages


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Was bedeutet der diplomatische Konflikt um Katar?

Katar steht momentan im Fokus der diplomatischen Bemühungen. Wegen des Vorwurfs, die Regierung in Doha unterstütze Terrororganisationen, hatten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu dem Emirat abgebrochen und eine umfassende Blockade gegen Katar verhängt. Jetzt droht dem Land die vollständige Isolation. Was bedeutet das für die Lage im Nahen und Mittleren Osten? Dazu drei Fragen und drei Antworten von Johann Wadephul. 

Um welche politischen Streitthemen geht es in der aktuellen Krise um Katar?

Katars Unterstützung für Terrororganisationen in der Region wird von den Golfstaaten und den USA als der dominante Hauptstreitpunkt angeführt. Katar hat in der Vergangenheit in der Tat fragwürdige Verbindungen zu extremistischen Gruppen gehabt, so beispielsweise zur Nusra-Front in Syrien. Der Vorwurf ist daher nicht falsch. Andere Gründe, wie der politische Umgang Katars mit den islamistischen Muslimbrüdern wiegen in diesem Streit aber deutlich schwerer. Sowohl Saudi-Arabien als auch die Vereinigte Arabische Emirate (VAE) betrachten die Muslimbruderschaft als erhebliche Bedrohung für die Legitimität ihrer Herrscherhäuser. Katars Unterstützung 2011 für die Muslimbrüder in Ägypten und für deren politische Ableger in der Region haben die politischen Führungen in Riad und Abu Dhabi sehr übel genommen. Insbesondere für Saudi-Arabien ist Katars pragmatischer Umgang mit Iran ein Dorn im Auge. Katar teilt sich ein Öl- und Gasfeld mit Iran und ist daher auf gute Beziehungen zu Teheran angewiesen. Gegenwärtig versucht Saudi-Arabien den Golfkooperationsrat, in dem Katar Mitglied ist, von eine härtere Linie gegen Iran zu überzeugen. Katar als finanzstarker, außenpolitscher Akteur stört dabei mit seinem pragmatischen Ansatz. Die Sanktionen dienen daher auch dazu, Katar „politisch auf Linie zu bringen.“ Riad will damit seinen politischen Führungsanspruch in der Region untermauern.

Welche Rolle spielen dabei US-Präsident Trump und sein Besuch in Saudi-Arabien?

Der Besuch von Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien fällt zwar in eine zeitliche Nähe dieser Krise, ist aber nicht der unmittelbare Auslöser dafür gewesen. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar bestanden bereits seit geraumer Zeit. Trumps Haltung gegenüber Terrorismus und dem Iran haben den Hardlinern in der saudischen Regierung jedoch den Eindruck vermittelt, sie hätten nun sowohl gegen Iran, als auch gegen politische Rivalen wie Katar freie Hand. Bislang hat Trump noch nicht zu einem Dialog zwischen den beteiligten Streitparteien beigetragen. Mäßigende Worte kommen jedoch von US-Außenminister Rex Tillerson und aus dem Pentagon. Auffällig ist, dass die Trump-Administration in der aktuellen Krise um Katar nicht mit einer Stimme spricht. So hat Trump wenige Stunden, nachdem Tillerson Saudi-Arabien dazu aufgerufen hat, die Sanktionen gegen Katar zu lockern, in einem Tweet unterstrichen, dass Katar „seit geraumer Zeit und in erheblichen Umfang Terrorismus unterstützt“.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle diplomatische Krise um Katar auf die Region

Die aktuelle Krise trägt dazu bei, dass die ohnehin schon angespannten politischen Beziehungen in der Region zusätzlich komplizierter werden. Die politischen Gräben innerhalb des Golfkooperationsrats könnten noch weiter wachsen. Gleichzeitig haben die rhetorischen Auseinandersetzungen zwischen Saudi-Arabien und Iran schon vor der Krise deutlich zugenommen. Die Krise birgt die Gefahr, dass Katar, Hamas und die Türkei gegenwärtig politisch stärker zum Iran tendieren könnten. Das wiederum könnte Iran nutzen. Teheran nimmt deutlich wahr, dass Saudi-Arabien mit Rückenwind der USA in jüngster Zeit noch stärker Front gegen Iran aufbauen will. Eine geschickte saudische Außenpolitik, welche die möglichen Konsequenzen der aktuellen Krise in Katar im Auge behält, ist das leider nicht. Daher sind die Aussagen des amerikanischen Außenministers richtig, indem er sagt, dass man gemeinsam möglich rasch zu einer Einigung finden sollte. Gleichzeitig muss man Katar aber politische Grenzen aufzeigen, insbesondere welche Gruppen durch die katarische Regierung finanziell unterstützt werden. Doha hatte darin zuletzt bereits moderatere Töne angeschlagen, was man z.B. an der neuen Hamas-Charta gesehen hat. Die in Doha ansässige Hamas-Führung hat die Anmerkungen über die Verbindungen zur Muslimbruderschaft aus der neuen Charta entfernt.