Rede


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Verantwortung in der Region gerecht werden

Rede Fortsetzung der Ausbildungsunterstützung der Sicherheitskräfte der Regierung der Region Kurdistan-Irak und der irakischen Streitkräfte

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt steht die Beratung des Antrags zur Verlängerung des Mandats im Nordirak auf der Tagesordnung. Dabei geht es um die Ausbildung der Peschmerga.

Da ich die Debatte eben beobachtet habe, ahne ich, welche Salve gleich von links kommen wird. Deshalb sage ich gleich: Meine Damen und Herren, ich habe nicht vergessen, wie der IS die Peschmerga vor anderthalb Jahren überrannt hat, wie er versucht hat, die Jesiden auszurotten, wie er die Jesiden abgeschlachtet und in das Sindschar-Gebirge gejagt hat. Ich habe nicht vergessen, was es damals für Bilder gegeben hat. Ich habe auch nicht vergessen, wie schwer wir uns getan haben, zu entscheiden, tatsächlich zu intervenieren, in eine Krisenregion Waffen zu liefern, die Peschmerga auszurüsten.

(Dr. Karl A. Lamers [CDU/CSU]: So ist es! Und das war gut!)

Aber wenn ich heute sehe, was gelungen ist – es ist gelungen, die Flüchtlinge zu schützen, den IS zurückzuschlagen, ihm empfindliche Niederlagen beizubringen und Territorium zurückzugewinnen –, dann kann ich nur sagen: Diese Entscheidung war richtig, und ich halte es für absolut gerechtfertigt, dass wir so gehandelt haben.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Seit Mai letzten Jahres haben die Terroristen kein neues Territorium mehr dazugewonnen, im Gegenteil. Es ist nicht nur gelungen, ihnen Einhalt zu gebieten. Ich werde nie vergessen, wie die Peschmerga uns geschildert haben, was für einen Unterschied diese Unterstützung für sie gemacht hat. Anfangs standen sie ohnmächtig da, wenn Daesh seine Lastwagen und Autos mit Sprengmaterial gefüllt hat und sie quasi als rollende Bomben in die kurdischen Dörfer oder in die Peschmerga-Linien gefahren hat, um sie dort zur Explosion zu bringen. Sie haben uns geschildert, was es für sie bedeutet hat, dass sie diese terroristischen Bomben auf Distanz halten konnten, dass sie ihre eigenen Leute schützen konnten. Sie haben uns geschildert, wie viel Mut ihnen das gegeben hat.

Insofern ist dieser Erfolg zwar vorrangig ein Erfolg der Peschmerga und des jesidischen Bataillons, das wir ausgerüstet und ausgebildet haben; ohne diese Unterstützung seitens der Bundesrepublik Deutschland und anderer Partner wäre das aber nicht möglich gewesen. Die Bundeswehr hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 6 000 einheimische Kräfte ausgebildet, im Nordirak und auch hier in Deutschland. Sie schlagen sich tapfer. Wir wissen aber: Der Kampf wird noch lange dauern; er ist noch lange nicht ausgestanden. Teile Nord- und Westiraks leiden immer noch unter dem grausamen Joch von Daesh.

Jetzt gilt es, den Erfolg zu verstetigen und fortzusetzen, aber auch aus den Erfahrungen zu lernen. Wir werden Sie darum bitten, die Kontingentgröße dieses Mandats zu erhöhen, von 100 auf 150 Soldatinnen und Soldaten. Wir haben gelernt, welchen Bedarf es neben der Grundausbildung gibt. Wir wollen die Ausbildung erweitern um ABC-Fähigkeiten, um Fähigkeiten in den Bereichen Sanitätsdienst und Logistik. Das wollen wir den Kurden, den Peschmerga beibringen.

In diesem Kampf gegen den Terror wollen wir neben der robusten militärischen Antwort, die Daesh braucht, natürlich auch eine zivile Antwort geben, die immer wieder eingefordert wird. Wenn man in Erbil ist, spürt man vor allem Dankbarkeit für die breite Hilfe, die geleistet wird, nicht nur für das, worüber wir heute im Zusammenhang mit diesem Mandat sprechen, sondern vor allem auch für die humanitäre Hilfe, die von Anfang an geleistet worden ist. Wenn wir den Kampf gegen den Terror gewinnen wollen, dann bedarf es vor allen Dingen eines politischen Prozesses.

Neben dem Mandat, über das wir hier jetzt sprechen, das wir hier auf den Weg bringen, ist vor allem Folgendes wichtig – darüber müssen wir uns im Klaren sein –: An dem Tag, an dem wir durch die Peschmerga Territorium oder Städte zurückerobert haben, an dem wir Daesh zurückgeschlagen haben, an dem Tag des Erfolges beginnt eigentlich erst die entscheidende Arbeit, die auf einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg zielt, nämlich die Stabilisierung, der Wiederaufbau, der Versöhnungsprozess. Wenn die Familien in die Region zurückkommen, in der sie bitterste Erfahrungen gemacht haben, aus der sie vertrieben worden sind – mit dieser Erfahrung sind auch Enttäuschungen durch Nachbarn verbunden –, dürfen sie nicht Rache walten lassen, sondern müssen den Versöhnungsprozess zusammen mit dem Aufbauprozess verbinden. Das heißt, wir werden einen langen Atem brauchen. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt Strecke machen und dieses Momentum der Stärke, das ich anfangs geschildert habe, nutzen, um Daesh den Boden vielfältig zu entziehen.

Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu dem vorliegenden Mandat, auch, um der Bitte der Kurden in der Region nachzukommen.

Unser Beitrag zeigt, dass wir unserer Verantwortung in der Region gerecht werden. Er zeigt, dass wir unseren Partnern in Europa, aber auch in der Welt im gemeinsamen Kampf gegen Daesh unbeirrt zur Seite stehen, dass auf uns Verlass ist und dass Gleichgültigkeit für ein Land wie unseres keine Option ist.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)