Thema des Tages


(Quelle: picture alliance/chromorange)
Teilen

Gefechtsfeld Cyberraum

Verteidigungspolitiker Henning Otte über virtuelles Säbelrasseln im Netz

Nach einem IT-Angriff auf Telekom-Router verdichten sich die Hinweise, dass russische Hacker dahinter stecken könnten. Stecken wir mitten in einem Kalten Krieg in der Cyberwelt? Dazu drei Fragen – drei Antworten von Henning Otte, dem verteidigungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag.

Herr Otte, weltweit wird in Cyber-Verteidigung investiert. Ist das wirklich notwendig?

Henning Otte: Ja! Die sich wiederholenden Hackerangriffe in Deutschland in den letzten Jahren haben gezeigt, dass wir in der virtuellen Welt mehr Geld für die IT-Sicherheit ausgeben müssen. Hier geht es aber nicht nur um Panzer, Bewaffnung oder Ausrüstung im eigentlichen Sinne, sondern um Software. Ein digitaler Sicherheitsschutz ist für uns in Deutschland als strategisch bedeutsamer Technologiestandort enorm wichtig. Als ein Baustein wurde dazu das IT-Sicherheitsgesetz verabschiedet, das am 25.07.2015 in Kraft getreten ist. Ein weiter Baustein ist die Strategische Leitlinie für Cyber-Verteidigung und die Aufstellung des Cyber-Kommandos der Bundeswehr im nächsten Jahr. Hier werden die Cyber- und IT-Fähigkeiten der Bundeswehr gebündelt. Das größte Forschungszentrum für den Cyber-Raum bekommt in den nächsten Jahren die Universität der Bundeswehr in München. Dazu wird auch ein neuer internationaler Master-Studiengang Cyber-Sicherheit etabliert. Starten soll der neue Master-Studiengang im Januar 2018 mit zunächst 70 Studierenden.

Wer sorgt in Deutschland eigentlich im Moment für die IT-Sicherheit?

Otte: Bei Themen der IT-Sicherheit liegt die Zuständigkeit in vielen Bereichen beim Bundesministerium des Innern und seinen nachgeordneten Behörden. Gleichzeitig sind auch andere Bereiche in ihren jeweiligen Spezialbereichen betroffen. Das gilt insbesondere für die Verteidigungspolitik. Künftig werden ganze militärische Systeme digital bestimmt sein. Die Streitkräfte, ihre Ausrüstung und ihre Arbeitsweise werden sich dadurch dramatisch verändern. Hier müssen wir erfolgreich agieren. Dafür brauchen wir die passende Ausrüstung und das passende Personal. Mit der „Strategischen Leitlinie für Cyber-Verteidigung“ hat das Bundesverteidigungsministerium bereits erste Grundlagen geschaffen. Wie kaum ein anderer Bereich unterstreicht der Cyber-Raum die zunehmend schwierige Trennbarkeit von innerer und äußerer Sicherheit. Ressortübergreifende Zusammenarbeit und gemeinsames Üben haben hier einen großen Stellenwert.
Die Bundeswehr schützt sich, wie andere Behörden und Unternehmen der Privatwirtschaft auch, gegen Bedrohungen, Viren und Angriffe über Computernetzwerke. Zukünftig werden wir uns noch besser gegen digitale Angriffe von verschiedenen Gruppierungen und Regionen absichern müssen.

Auch die Bundeswehr rekrutiert derzeit eine Cyber-Truppe, in Teilen arbeitet sie auch schon. Wie bewerten Sie das?

Otte: Immer mehr unserer Lebensbereiche sind von Informationstechnologien durchsetzt. Für die Gesellschaft werden damit bisher ungekannte Möglichkeiten an Informationen, Lebensqualität und Effizienz erschlossen. In der Wirtschaft beschreibt der Begriff „Industrie 4.0“ die sich abzeichnende Vernetzung der Industrie. Intelligente Stromnetze ermöglichen die Energiewende, Big Data Anwendungen verbessern die Verkehrssteuerung und smarte Fabriken fertigen individuellere Produkte. Analog dazu wird auch die Verteidigungspolitik die Chancen nutzen, um die Risiken mit einer Sicherheitspolitik 4.0 abzufedern. Denn insbesondere in sicherheitssensiblen Bereichen gilt der Grundsatz: Wer digital vernetzt ist, ist auf diesem Wege auch angreifbar.

Mehr zu: