Rede


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Fachliche Potenz und Kompetenz im kulturellen Bereich bündeln

Rede zu UNESCO-Weltkulturerbe dauerhaft sichern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach dem Weimarer Klassiker Herder ist die Kultur eines Volkes die Blüte seines Daseins.Wenn mich Menschen nach meinem Wahlkreis fragen, sage ich immer: Ich habe den schönsten Wahlkreis Deutschlands.

(Johannes Selle [CDU/CSU]: Nein, den habe ich! – Tabea Rößner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Den habe ich!)

Auch wenn ich, wie ich schon höre, mit dieser Aussage einer Reihe von Kollegen auf die Zehen trete, so frage ich doch: Welcher Wahlkreis hat noch drei Welterbestätten in dieser Dichte, in fahrradmäßiger Entfernung zueinander? Die Lutherstätten, das Bauhaus, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, aber auch alle anderen deutschen Welterbestätten sind heute in einem Zustand, in dem sie in der Historie zeitgleich niemals waren.

(Manfred Grund [CDU/CSU]: So ist es! Ja!)

Dies muss man hier feststellen. Liebe Frau Hupach, Sie haben angesprochen, was wir geleistet und was wir nicht geleistet haben. Ich kann mich ganz genau daran erinnern, in welchem Zustand wir das Bauhaus und die Meisterhäuser in Dessau übernommen haben.

(Johannes Selle [CDU/CSU]: In katastrophalem Zustand!)

Diese Leistung – ich sehe hier auch Frau Professor Monika Grütters – haben wir dem Bundeskanzleramt mit zu verdanken. Ganz herzlichen Dank auch an dieser Stelle.

So ist es schon eine Auszeichnung für den Einsatz unseres Landes – von Bund, Ländern und Kommunen – für den Erhalt dieser kulturellen Leuchttürme, dass wir ab dem 28. Juni die 39. Sitzung des Welterbekomitees in Bonn ausrichten dürfen. Dass dazu die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Frau Professor Dr. Maria Böhmer, die Präsidentschaft des Welterbekomitees übernommen hat, ist hocherfreulich. Frau Professor Böhmer, ich darf Ihnen dazu im Namen des ganzen Hauses gratulieren.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir wollen mit diesem Antrag aber nicht nur Erfreuliches würdigen, sondern auch unsere Gedanken einbringen und ein Zeichen setzen, wie wir uns eine Weiterentwicklung im Rahmen des UNESCO-Welterbekomitees vorstellen. Uns allen sind die schrecklichen Bilder der terroristischen Zerstörungen von Weltkulturerbestätten im Vorderen Orient und in Nordafrika – sie sind ja mehrfach angesprochen worden – vor Augen. Wie hilflos waren wir bei der Zerstörung unwiederbringlicher Kulturgüter durch die Naturgewalten in Nepal! Eine Welle der Hilfsbereitschaft ging gerade auch durch Deutschland, weil wir aufgrund unserer Welterbestätten sehr wohl wissen, dass diese Sehenswürdigkeiten wegen des Tourismus die Existenzgrundlage vieler Familien und Kleinstunternehmen in den betroffenen Gebieten darstellen. Gerade im Katastrophenfall Nepal gab es eine große Zahl an Hilfsangeboten von vielen Einrichtungen, Kommunen und Bundesländern; denn alle wussten, dass eine schnelle Hilfe eine doppelte Hilfe ist und verhindert, dass Kulturgüter weiter geschädigt oder gar gestohlen werden.

In diesen Fällen gilt es, zu koordinieren. Das Auswärtige Amt hält natürlich Koordinierungsmöglichkeiten für Hilfseinsätze vor, doch sind sie eher auf humanitäre Hilfen ausgerichtet. Jetzt gilt es, die fachliche Potenz und Kompetenz im kulturellen Bereich zu bündeln, was in unserem Wunsch nach einem durch finanzielle Ausstattung – darauf lege ich großen Wert – zur Hilfe befähigten Koordinierungs- und Steuerungszentrum für kulturelle Nothilfe zum Ausdruck kommt. Damit verstetigen wir die von uns immer wieder übernommene Verantwortung und hinterlassen wir eine nachhaltige Präsidentschaft; denn wir wollen, dass die deutsche Präsidentschaft des UNESCO-Welterbekomitees morgen nicht einfach vergessen ist.

Doch auch im Inland setzen wir uns übereinstimmend mit dem Deutschen Städtetag für ein nationales UNESCO-Kompetenzzentrum ein, das die unter der Kulturhoheit der Länder laufenden vielfältigen Aktivitäten bündelt und aufeinander abstimmt, ein Ansprechpartner für die Träger der Welterbestätten in Deutschland ist, aber auch der Ansprechpartner eines Nothilfezentrums für internationale Hilfe.

Sehr geehrte, liebe Frau Professor Böhmer, wir wünschen Ihnen für Ihre verantwortungsvolle Arbeit in den nächsten Wochen alles Gute und viel Erfolg beim Einsatz für unser Menschheitserbe. Bringen Sie die Blüten der Weltkultur zum Blühen.

Danke.

(Beifall bei der CDU/CSU)