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Ermutigende Gespräche in Kairo

Volker Kauder: Ägypten stabilisieren und Perspektiven schaffen

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat in Kairo politische Gespräche geführt. Vorab besuchte Kauder in der koptischen St. Peter und Paul Kirche auch den Anschlagsort, an dem vor einer Woche ein Selbstmordattentäter 25 Menschen mit in den Tod gerissen hatte.

Der Besuch in der St. Peter und Paul Kirche bewegt den Fraktionschef sichtlich. „Nach dem blutigen und sinnlosen Terroranschlag wollte ich mit meinem Besuch im Namen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den koptischen Christen unsere Anteilnahme und Solidarität ausdrücken“, sagt Kauder ägyptischen Journalisten, die zur Kirche gekommen sind. Den Attentätern dürfe nicht gelingen – so Kauder -  die ägyptische Gesellschaft zu spalten.

Situation der Kopten hat sich verbessert

In dem Gotteshaus hatte ein Selbstmordattentäter vor einer Woche 25 koptische Christen, überwiegend Frauen und Kinder getötet. Ein gezielter Schlag gegen die koptische Gemeinde in Ägypten, wo nahezu jeder zehnte Staatsbürger koptischer Christ ist. Oberhaupt der Kopten ist Papst Tawardos II. Auch ihm sprach Kauder bei einer Audienz seine Anteilnahme an dem schrecklichen Anschlag aus. "Ich habe mich gefreut zu hören, dass der Papst das Verhältnis zwischen den verschiedenen Religionsgruppen generell als gut bezeichnet", so Kauder. Papst Tawardos II. bezeichnet das Attentat als untypisch für das Land. Es gebe jedoch einige Gegenden, in denen sich der Extremismus ausbreite. Insgesamt hat sich nach Ansicht des Papstes die Lage für die Kopten in Ägypten in den vergangenen Jahren verbessert. So gebe es jetzt mehr koptische Abgeordnete im Parlament als je zuvor, sagte er im Gespräch.

Perspektiven für junge Ägypter schaffen

Nach dem Besuch in der Kirche traf Kauder den ägyptischen Staatspräsidenten Al-Sisi. Auch hier herrschte Einigkeit auf beiden Seiten darüber, dass eine Ausgrenzung von Christen in Ägypten mit allen Mitteln verhindert werden müsse. „Deutschland und Ägypten müssen ihre Beziehungen schon in naher Zukunft weiter ausbauen. Darüber war ich mir mit Präsident Al-Sisi einig“. Kauder sieht Deutschlands Rolle dabei vor allem darin zu helfen, das Bildungssystem zu verbessern. Kauder: „Ägyptens Bevölkerung wächst rasant. Der jüngeren Generation muss eine Perspektive gegeben werden.“

Islam will Religion des Friedens sein

Auch die oberste geistliche Autorität der Sunniten, Großscheich Al-Tajib, bekannte sich gegenüber Kauder eindeutig zu dem Ziel, dass Ägypten ein Land bleiben soll, in dem alle Religionen ihren Platz haben. „Ich bin dankbar für die Feststellung des Großscheichs, wonach der Islam eine Religion des Friedens sei“, so Kauder. „Alle Religionen sollten auch in muslimischen geprägten Ländern einträchtig zusammenleben.“

Fast vier Millionen Flüchtlinge in Ägypten

Volker Kauder ist selbstverständlich klar, dass man mit der Regierung in Kairo weiter über demokratische oder rechtsstaatliche Defizite in Ägypten diskutieren müsse. "Man darf aber nie vergessen: Ägypten beherbergt drei bis vier Millionen Flüchtlinge. In seiner derzeitigen Verfassung wäre Europa kaum in der Lage, davon auch nur einen Bruchteil aufzunehmen", so der Fraktionsvorsitzende. Zudem müsse man Ägypten hoch anrechnen, dass es mit Europa auch bei der Bekämpfung der Schleuserkriminalität kooperiere. Und letztedendlich, so Kauder, leiste Ägypten seinen Beitrag zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und schütze damit Bürgerinnen und Bürger in Europa. "Es wäre nicht auszudenken, wenn Ägypten ein ähnliches Schicksal wie Libyen oder Syrien erleiden würde."