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(Quelle: CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
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„Eine einmalige Geschichte der Versöhnung“

Bundestag erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren – Polnischer Präsident Komorowski zu Gast

Mit einer Gedenkstunde hat der deutsche Bundestag am Mittwoch an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren erinnert. Neben Bundestagspräsident Norbert Lammert beschrieb Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski als Gastredner den schwierigen Weg der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland.

Nach jenem Trauma, welches mit dem Überfall deutscher Truppen auf Polen am 1. September 1939 begann, könnten beide Länder heute stolz sein auf eine "einmalige Geschichte der Versöhnung", sagte Komorowski. An der Gedenkstunde nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel teil.

Als herausragendes Beispiel für das Zusammenwirken beider Völker nannte der polnische Präsident die Gewerkschaft Solidarnosc und die Freiheitsbewegung in der DDR. Ihr Weg der europäischen Einigung, der auch zur deutschen Einheit geführt habe, zeige nun seine Früchte: 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer könne eine junge Generation von Deutschen und Polen zusammen lernen und arbeiten.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte in seiner Rede die Bedeutung der deutsch-polnischen Freundschaft. In dem „verheerendsten Krieg der Geschichte“, dem von Deutschland angezettelten Zweiten Weltkrieg, sei Polen das erste Opfer gewesen und habe am längsten unter der deutschen Besatzung gelitten. Deshalb müsse es als Wunder betrachtet werden, dass aus Deutschen und Polen Freunde wurden.

Lammert gedachte der über 50 Millionen Toten, die der Erste und Zweite Weltkrieg zusammen genommen gefordert haben. Nicht zu Unrecht würde die Epoche daher als „zweiter 30-jähriger Krieg“ bezeichnet, sagte der Bundestagspräsident. Sie habe ein zerstörtes Europa zurückgelassen, „geteilt durch einen eisernen Vorhang und gezeichnet durch unbeschreibliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.  Bereits unmittelbar nach dem Überfall auf Polen habe der von Hitler-Deutschland ausgehende Feldzug den Charakter eines kühl kalkulierten Vernichtungskrieges gezeigt, der die „Auslöschung einer Jahrhunderte alten jüdischen Tradition in Europa“ einschloss.

Auch Staatspräsident Komorowski gedachte der Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Das polnische Staatsoberhaupt erinnerte zudem an den 17. September 1939, den Tag an welchem Russland als Verbündeter Deutschlands in Polen einmarschierte.

Mit Blick auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine zeigte sich das polnische Staatsoberhaupt tief enttäuscht „über den russischen Weg zurück in alte Macht- und Einflusssphären“. Niemand wünsche sich mehr als Polen, dass Russland sich als Freund des Westens verstehe. Die derzeitige Krise bezeichnete Komorowski als „eine Herausforderung für die gesamte freie Welt“, insbesondere für Europa.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte in der anschließenden Generaldebatte Bronislaw Komorowski und unterstrich, dass er dem Haus mit seiner Rede  „eine große Ehre“ erwiesen habe. Es sei „nicht hoch genug einzuschätzen“, dass ein polnisches Staatsoberhaupt anlässlich des Gedenkens an den Beginn des ZweitenWeltkrieg im Deutschen Bundestag gesprochen habe.

CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder würdigte ebenfalls die Rede des polnischen Präsidenten und sagte mit Blick auf die Ukraine, man könne nicht hinnehmen, dass „die Errungenschaften in Europa, unser Bild vom Menschen, einfach drangegeben werden“.