Skip to main content
(Quelle: pixabay)

Faktencheck | Corona-Impfung

Fragen & Antworten zum Impfen

Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen auf Hochtouren, während die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Neben den speziellen Zentren impfen die Haus- und Fachärzte sowie die Betriebsärzte.

So konnten bis Anfang Juli über 70 Millionen Impfdosen verabreicht werden. In der Spitze erhalten pro Tag bis zu 1,4 Millionen Menschen eine Impfung. Bis zum Ende des Sommers sollen alle, die dies möchten, ein Impfangebot erhalten. Werden die Impfstoffe wie erwartet geliefert, könnte es auch schneller gehen. Das hohe Impftempo ist nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil sich die hoch ansteckende Delta-Variante des Virus deutlich ausbreitet.

Gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) wurden bislang vier verschiedene Impstoffe in der Europäischen Union zugelassen – die der Firmen BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson. Vier weitere Anträge auf Zulassung liegen vor. Alles Wissenswerte hier im Check.
 

Faktencheck

  • Wie weit ist Deutschland mit den Impfungen gegen Corona?

    Das Tempo der Impfungen hat sich im zweiten Quartal des Jahres deutlich erhöht. Über 82 Millionen Impfdosen wurden bislang geliefert, über 70 Millionen verimpft. Bis Anfang Juli hat über die Hälfte der Menschen eine Erstimpfung erhalten. Mehr als ein Drittel wurden vollständig geimpft.

     Am 7. Juni wurde die Priorisierung der Personengruppen, die ein besonders hohes gesundheitliches oder berufliches Risiko tragen, aufgehoben. Das bedeutet: Ohne Einschränkung kann sich also jeder Bürger und jede Bürgerin ab dem Alter von zwölf Jahren um einen Impftermin bemühen. Nach wie vor gilt, dass bis Ende des Sommers alle, die dies möchten, ein Impfangebot erhalten sollen. Angesichts der hohen Impfstoff-Liefermengen könnte es allerdings auch sehr viel schneller gehen.

    Die Mehrheit der drei Priorisierungsgruppen, die es bis Anfang Juni gab, wurden inzwischen geimpft. So haben laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) von den über 60-Jährigen in den meisten Bundesländern über 80 Prozent eine Erstimpfung erhalten. Um die 60 Prozent sind in den meisten Bundesländern vollständig geimpft. 
     

  • Wie steht es um die Impfung von Kindern?

    Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat für Jugendliche ab dem zwölften Lebensjahr den Impfstoff von BioNTech/Pfizer freigegeben. Folglich können sich Jugendliche in Deutschland um einen Impftermin bemühen.

    Allerdings hat die Ständige Impfkommission (STIKO) empfohlen, dass sich Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren nur dann impfen lassen, wenn sie selbst ein erhöhtes gesundheitliches Risiko tragen oder wenn es in ihrer Familie gefährdete Menschen gibt. Die STIKO begründet ihre Empfehlung damit, dass Jugendliche äußerst selten schwer an COVID erkranken. Das Verhältnis zwischen Nutzen des Corona-Impfstoffes und das Risiko einer Nebenwirkung falle daher anders aus als bei Erwachsenen. Außerdem gebe es noch zu wenig Daten und Erfahrungen zu der Wirkung der Corona-Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen.

    Die EMA prüft auch eine Zulassung des Wirkstoffs von Moderna für Jugendliche ab zwölf. Für Kinder unter zwölf Jahren hat bislang noch kein Pharma-Hersteller eine Zulassung beantragt. Mehrere Unternehmen wie BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca arbeiten aber an Studien über die Wirksamkeit und Sicherheit ihrer Impfstoffe bei jüngeren Kindern.
     

  • Was bedeutet die Ausbreitung der Delta-Mutante für die Geimpften?

    Die erstmals in Indien nachgewiesene Delta-Mutante breitet sich in Europa rasch aus. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte sie bereits 50 Prozent des Infektionsgeschehens in Deutschland beherrschen. 

    Angesichts dieser Entwicklung ist es umso wichtiger, dass die Impfkampagne zügig voranschreitet. Denn die Variante verbreitet sich vor allem in der ungeimpften Bevölkerung, momentan bei Menschen unter 60 Jahren.

    Nur eine vollständige Impfung schützt in ausreichendem Maße vor einer Ansteckung mit der hochansteckenden Mutante. Studien haben ergeben, dass die vorhandenen Impfstoffe fast genauso gut gegen die Delta-Mutante wirken wie gegen die Alpha-Mutante, die zuerst den Wildtyp des Virus abgelöst hatte. Vor allem schwere COVID-Verläufe können mit der Impfung fast ganz vermieden werden. 
     

  • Welche Vorteile gibt es für Geimpfte?

    Am 8. Mai wurden für Menschen, die vollständig gegen COVID-19 geimpft oder von einer Erkrankung damit genesen sind, Erleichterungen eingeführt. So müssen sie sich nicht mehr auf Corona testen lassen, wenn sie beispielsweise einen Friseur aufsuchen oder im Innenbereich eines Restaurants essen wollen. Außerdem gelten für sie keine Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen mehr. Bei privaten Treffen werden sie nicht mitgezählt. 

    Außerdem müssen Geimpfte und Genesene nicht mehr in Quarantäne, etwa wenn sie aus dem Ausland einreisen oder Kontakt mit Infizierten hatten. Einzige Ausnahme ist die Einreise aus Virusvariantengebieten. Denn im Fall der Delta-Mutante es ist noch nicht hundertprozentig sicher, ob Geimpfte nicht doch die Coronaviren übertragen können. 

    Grundsätzlich geht das Robert-Koch-Institut (RKI) aber davon aus, dass von vollständig Geimpften und Genesenen ein äußerst geringes Risiko ausgeht, das Coronavirus zu übertragen. Jedenfalls ist es deutlich geringer als bei Personen, die einen negativen Antigen-Schnelltest vorlegen. Denn die Schnelltests schlagen bei symptomlosen Infizierten nicht immer an. Vollständig Geimpfte gelten ab dem 15. Tag nach der zweiten Impfung als immun, Genesene bis zu einem halben Jahr nach ihrer Erkankung.

    Nicht zuletzt als Schutz vor hochansteckenden Mutanten sind alle Bürger nach wie vor aufgefordert, weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und im Alltag medizinische Schutzmasken zu tragen. 
     

  • Wie können Geimpfte ihren Status nachweisen?

    Ihren Status können Geimpfte entweder mit dem herkömmlichen gelben Impfpass in Papierform dokumentieren oder auf digitale Weise mit dem Smartphone. Für den digitalen Impfpass erhalten Menschen, die dies möchten, nach der Impfung einen QR-Code, den sie auf ihr Smartphone hochladen: entweder mit der Corona-Warnapp oder mit der CovPass-App. In den Apps lassen sich auch die Zertifikate für eine Genesung von COVID-19 oder ein aktueller Test dokumentieren.

    Neben den Impfzentren und niedergelassenen Ärzten können auch Apotheker die QR-Codes ausstellen. Dies ist besonders für diejenigen Menschen von Bedeutung, die zu einer Zeit geimpft wurden, als es lediglich den gelben Impfpass gab, und die nun eine Übertragung des Nachweises auf den digitalen Impfpass wünschen. 

    Um sicheres Reisen zu erleichtern, hat auch die Europäische Union zum 1. Juli ein einheitliches Impfzertifikat eingeführt. Es dokumentiert ebenfalls den Impfstatus, aktuelle Negativtests oder überstandene COVID-Erkrankungen – sowohl digital als auch in Papierform. Um in den Genuss des erleichterten Reisens zu kommen, muss der Geimpfte jedoch einen in der EU zugelassenen Impfstoff erhalten haben. 
     

  • Droht nach dem Sommerurlaub eine vierte Welle?

    Die dritte Corona-Welle ist gebrochen. Seit Ende April nimmt die Zahl der Neuinfektionen ab, sinkt die Zahl der Intensivpatienten und der Todesfälle. Inzwischen liegt die Inzidenz im einstelligen Bereich. Daher wurden Kontaktbeschränkungen gelockert. Die sogenannte Notbremse, die ab einem Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner pro sieben Tage bundeseinheitlich strenge Restriktionen vorsah, läuft zum 1. Juli aus. Urlaubsreisen sind wieder möglich. 

    Doch die Gefahr einer vierten Welle ist nicht gebannt, wie der Blick nach Großbritannien und nach Portugal zeigt. Beide Länder sowie Russland wurden zu Virusvariantengebieten erklärt. Das bedeutet: Einreisen nach Deutschland von dort sind nur für deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland erlaubt. Sie müssen sich nach Rückkehr in eine vierzehntägige Quarantäne begeben, die sie nicht mittels negativem Test verkürzen können. 

    Einreisende aus Hochinzidenzgebieten müssen am Heimatort zehn Tage in Quarantäne bleiben, aus der sie sich frühestens nach fünf Tagen freitesten können. Bei Einreisen aus einfachen Risikogebieten reicht ein negativer Test, ein Impf- oder Genesenennachweis vor Abflug. 

    Ob nach dem Ende der Urlaubszeit eine vierte Welle droht, hängt davon ab, wie schnell die Impfkampagne voranschreitet, ob bis dahin vielleicht sogar Herdenimmunität besteht. Virologen gehen davon aus, dass jeder Ungeimpfte früher oder später an COVID erkranken wird. 
     

  • Was bedeutet Herdenimmunität?

    Nur eine Impfung kann vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen. Wenn ein hoher Prozentsatz einer Bevölkerung geimpft ist, kommt die Ausbreitung des Virus zum Erliegen, weil es keinen Wirt mehr findet. Man spricht dann von Herdenimmunität. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Robert Wieler, schätzt, dass die Schwelle im Fall von Corona bei circa 80 Prozent der Bevölkerung liegt. Das heißt, wenn 80 Prozent der Menschen immun gegen COVID-19 sind, dann ist auch der Rest der Bevölkerung geschützt. Herdenimmunität ist deshalb wichtig, weil es Menschen gibt, die sich aus gesundheitlichen Gründen gar nicht impfen lassen können oder für die noch kein Impfstoff zugelassen ist, zum Beispiel Kinder und Schwangere.

    Eine Herdenimmunität könnte theoretisch auch dann erreicht werden, wenn ein Großteil der Menschen COVID-19 durchlitten hat und auf diesem Wege dagegen immun geworden ist. Dies würde jedoch sehr schwere Erkrankungen und Todesfälle mit sich bringen. Nicht nur Ältere und Personen mit Vorerkrankungen tragen ein hohes Risiko für solch massive Erkrankungen, auch unter jungen Menschen kommt es zu schweren Verläufen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es noch kein Medikament gegen das Coronavirus gibt. Auch die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion, bezeichnet als Long-COVID, treffen alle Altersgruppen und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Im Falle von COVID-19 ist außerdem noch nicht erwiesen, wie lange der Immuneffekt anhält, und ob Menschen, die die Krankheit hinter sich haben, auch gegen Mutationen immun sind. 
     

  • Wieviel Impfstoff ist vorhanden?

    Nachdem in Deutschland zu Anfang des Jahres 2021 wegen der hohen weltweiten Nachfrage einerseits und Lieferengpässen andererseits nur wenig Impfstoff vorhanden war, stehen nun ausreichend Vakzine zur Verfügung. 

    Bis Ende Juni wurden über 82 Millionen Impfdosen geliefert – rein rechnerisch so viele, dass jeder Bürger, jede Bürgerin einmal damit geimpft werden kann. Bis Ende des Jahres prognostizieren BioNTech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna und Johnson&Johnson zusammen die Lieferung von über 300 Millionen Dosen. Weitere vier Hersteller haben die Zulassung ihrer Vakzine in der EU beantragt, darunter der US-Hersteller Novavax. Die Zahl der verfügbaren Impfdosen könnte sich also nochmals erhöhen. 
     

  • Welche Arten von Impfstoffen gibt es?

    Auf dem Markt sind bislang zwei Arten von Impfstoffen: Boten-RNA-Impfstoffe wie die von BioNTech oder Moderna und Vektorimpfstoffe wie die von AstraZeneca oder Johnson&Johnson. Beide Arten versetzen den Körper in die Lage, eine Immunreaktion auf das Cornoavirus zu entwickeln. Beide Arten haben jedoch unterschiedliche Eigenschaften. 
    So können die neuartigen mRNA-Impfstoffe, die nur die genetische Information des Virus, aber nicht das Virus selbst enthalten, vergleichsweise leicht hergestellt und an Mutationen angepasst werden. Allerdings muss das Vakzin von BioNTech bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Das macht die Aufbewahrung und den Transport schwierig. Die Effektivität von mRNA-Impfstoffen wird mit rund 95 Prozent angegeben. 

    Vektorimpfstoffe schleusen den Bauplan des Coronavirus über ein harmloses Trägervirus in den Körper. Sie werden seit zwei Jahrzehnten klinisch erprobt. Ihr Vorteil ist, dass sie bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden können und daher leichter handhabbar sind. Ihre Wirksamkeit wird generell mit rund 75 Prozent angegeben, was sehr viel ist. Schwere Krankheitsverläufe verhindern sie in den allermeisten Fällen. Zum Vergleich: Impfstoffe gegen Grippe erreichen einen Wirkungsgrad von 40 bis 60 Prozent. 

    Während die meisten zugelassenen Wirkstoffe zweimal verimpft werden müssen, damit die volle Immunität erreicht ist, genügt bei dem Impfstoff von Johnson&Johnson eine Spritze. Die Abstände zwischen den beiden Impfungen der anderen Vakzine variieren zwischen drei Wochen und drei Monaten. 

  • Sind alle Impfstoffe gleich gut?

    Grundsätzlich ist die Verträglichkeit bei allen Impfstoffen sehr gut. Nebenwirkungen halten sich in der Regel in sehr geringen Grenzen und entsprechen den nach Impfungen erwartbaren Reaktionen wie kurze grippeartige Symptome oder Kopfschmerzen. Diese Reaktionen sind insofern positiv, als sie anzeigen, dass der Impfstoff das Immunsystem mobilisiert.  

    Allerdings sind beim Vakzin von AstraZeneca im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen bei einer sehr geringen Anzahl von Geimpften Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten. In Deutschland wurden daraufhin die Aufklärung und Warnhinweise für den AstraZeneca-Impfstoff angepasst. Jeder kann im Gespräch mit seinem Arzt entscheiden, ob dieser Impfstoff für ihn in Frage kommt. Für Menschen unter 60 wird er von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht empfohlen.

    Menschen unter 60, die bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten haben, können entsprechend dieser Empfehlung zwölf Wochen nach der Erstimpfung eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna erhalten. Inzwischen gibt es Studien, die sogar besagen, dass die Kombination wirksamer sei als eine zweifache Impfung mit demselben Wirkstoff.

    Nach Erkenntnissen des Paul-Ehrlich-Instituts wirken die zugelassenen Impfstoffe zwar leicht verringert, aber immer noch sehr gut gegen die Delta-Mutante und können schwere Krankheitsverläufe verhindern. Wichtig für die Wirksamkeit ist, dass die Betroffenen vollständig – also zweimal – geimpft wurden. Lediglich bei dem Vakzin von Johnson&Johnson reicht eine Impfdosis aus. 

  • Wer bekommt welchen Impfstoff?

    So lange der Impfstoff knapp ist, können die Bürger nicht zwischen den Vakzinen der verschiedenen Hersteller wählen. Gespritzt wird das, was in den Impfzentren der Bundesländer oder beim Hausarzt verfügbar ist. Alle verfügbaren Impfstoffe schützen wirksam vor einem schweren Krankheitsverlauf. Für den Impfstoff von AstraZeneca wurde die Priorisierung am 6. Mai 2021 allerdings aufgehoben. Jeder Impfwillige kann sich damit – unabhängig von seiner Priorisierungsgruppe – spritzen lassen, wenn in einem Arztgespräch festgestellt wird, dass kein erhöhtes Thrombose-Risiko vorliegt.

    Geimpft werden können derzeit nur Erwachsene. Nur der Impfstoff von BioNTech/Pfizer ist für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen, die anderen Impfstoffe jedoch ausschließlich für Personen ab 18 Jahren. Kinder und Jugendliche sollen erst geimpft werden, wenn ausreichende Studien ihre Sicherheit und Wirksamkeit auch für diese Altersgruppe belegen und damit eine Zulassung erfolgt sein wird. 
    Inzwischen hat BioNTech/Pfizer bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung seines Vakzins für Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren beantragt. Mit einer Entscheidung wird im Juni gerechnet. 

    Pfizer führt nach eigenen Angaben außerdem eine Studie bezogen auf Kinder zwischen elf Jahren und sechs Monaten durch. Sollte sich der Impfstoff in dieser Altersgruppe bewähren und eine Zulassung erteilt werden, wollen sie mit Impfungen Anfang 2022 beginnen. Auch der US-Hersteller Moderna hat im März nach eigenen Angaben mit verschiedenen klinischen Studien an Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und 17 Jahren begonnen. Bis Sommer sollen demnach erste Ergebnisse vorliegen.

  • Wirken die Impfstoffe auch gegen Mutationen?

    Wie in allen anderen EU-Ländern breitet sich auch in Deutschland die hochansteckende „britische Mutante“ B.1.1.7. immer mehr aus. Sie wird so genannt, weil sie in Großbritannien erstmals wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Ihr Anteil liegt inzwischen bei über 90 Prozent des Infektionsgeschehens, während das Wildvirus auf dem Rückzug ist. B.1.1.7. ist dafür verantwortlich, dass Deutschland seit März von einer dritten Infektionswelle erfasst wurde, die inzwischen aber langsam abebbt – nicht zuletzt dank des Impffortschritts. Auch die „südafrikanische“ und die „brasilianische“ Mutante wurden nachgewiesen – bislang jedoch in geringem Umfang. 

    Laut Robert-Koch-Institut (RKI) schützen alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch die britische Variante. Sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten.

    Jüngste Studien aus Israel und Katar zeigen, dass der Wirkstoff von BioNTech/Pfizer zu 95 Prozent vor schweren Erkrankungen oder Tod schützt – auch im Falle der Virusvarianten, die in Großbritannien oder Südafrika identifiziert wurden. 
      

  • Was bedeutet Herdenimmunität?

    Nur eine Impfung kann vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen. Wenn ein hoher Prozentsatz einer Bevölkerung geimpft ist, kommt die Ausbreitung des Virus zum Erliegen, weil es keinen Wirt mehr findet. Man spricht dann von Herdenimmunität. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Robert Wieler, schätzt, dass die Schwelle im Fall von Corona bei circa 80 Prozent der Bevölkerung liegt. Das heißt, wenn 80 Prozent der Menschen immun gegen COVID-19 sind, dann ist auch der Rest der Bevölkerung geschützt. Herdenimmunität ist deshalb wichtig, weil es Menschen gibt, die sich aus gesundheitlichen Gründen gar nicht impfen lassen können oder für die noch kein Impfstoff zugelassen ist, zum Beispiel Kinder.

    Eine Herdenimmunität könnte theoretisch auch dann erreicht werden, wenn ein Großteil der Menschen COVID-19 durchlitten hat und auf diesem Wege dagegen immun geworden ist. Dies würde jedoch sehr schwere Erkrankungen und Todesfälle mit sich bringen. Nicht nur Ältere und Personen mit Vorerkrankungen tragen ein hohes Risiko für solch massive Erkrankungen, auch unter jungen Menschen kommt es zu schweren Verläufen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es noch kein Medikament gegen das Coronavirus gibt. Auch die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion, bezeichnet als Long-COVID, treffen alle Altersgruppen und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Im Falle von COVID-19 ist außerdem noch nicht erwiesen, wie lange der Immuneffekt anhält, und ob Menschen, die die Krankheit hinter sich haben, auch gegen Mutationen immun sind. 

  • Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

    Nein, die Impfung ist freiwillig. Die Bundesregierung spricht von einem Impfangebot. Sie setzt auf Aufklärung über Wirksamkeit und Risiken, um die Impfbereitschaft zu erhöhen.

    Informationen können den Menschen helfen, eine selbstbestimmte Impfentscheidung zu treffen.
    Angesichts der Ausbreitung von Mutanten, aber auch angesichts schwerer Verläufe und langfristiger Folgen von COVID-19-Erkrankungen ist davon auszugehen, dass sich viele Menschen freiwillig impfen lassen. Umfragen zufolge liegt die Impfbereitschaft derzeit zwischen 60 und 80 Prozent. 

    Grundsätzlich sind Impfungen in Deutschland nicht vorgeschrieben. Es können aber Vorkehrungen gegen die Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit getroffen werden, etwa Quarantäne-Maßnahmen für Infizierte und Menschen, die mit ihnen in Kontakt standen. Das sieht das Infektionsschutzgesetz vor. 

  • Wie sieht es mit Medikamenten gegen Covid-19 aus?

    Die Forschung nach Medikamenten gegen COVID-19 läuft auf Hochtouren, hat im Moment allerdings noch keine bahnbrechenden Ergebnisse gebracht.

    Das Bundesforschungsministerium hat im Januar 50 Millionen Euro für die Erforschung bereitgestellt, um die sich Forschende und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft bewerben können. Im Juni stockte es die Summe um weitere 40 Millionen Euro auf. Auch die EU fördert die Erforschung und Erprobung von Therapeutika und Diagnostika. Der Plan: Bis Oktober sollen drei neue wirksame COVID-19-Therapeutika entwickelt und zulassen sein, die das Potenzial haben, den Verlauf der Krankheit zu ändern. 

    Weltweit werden zahlreiche Wirkstoffe getestet. Geforscht wird an neuen Medikamenten, aber auch an der Umwidmung bestehender Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten zugelassen wurden. Beachtet werden muss auch, dass in verschiedenen Stadien einer COVID-Erkrankung unterschiedliche Therapien angewandt werden müssen – die etwa die Vermehrung der Viren in den Atemwegen hemmen, das Andocken der Viren in den Zellen verhindern oder die Entzündungsreaktion des Körpers dämpfen.