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Faktencheck | Corona-Impfstoff

Die Impfungen gegen das Coronavirus nehmen ab April Fahrt auf. Neben den Impfzentren werden in Deutschland nach Ostern schrittweise die Hausärzte in die Impfkampagne einbezogen. Auch wenn der Impfstoff von AstraZeneca seit Ende März nur eingeschränkt verwendet werden kann, sollen bis zum Ende des Sommers alle, die dies möchten, ein Impfangebot erhalten.

Gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) wurden bislang vier verschiedene Impstoffe in der Europäischen Union zugelassen – die der Firmen BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson. Drei weitere Anträge auf Zulassung liegen vor. Alles Wissenswerte hier im Check.

Faktencheck

  • Wie weit ist Deutschland mit den Impfungen gegen Corona?

    In Deutschland haben bis Ende März über neun Millionen Menschen eine Erstimpfung erhalten. Gut vier Millionen wurden vollständig geimpft.

    Zu den ersten, die ein Impfangebot erhielten, gehörten die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen. Von ihnen haben mittlerweile mehr als 850.000 Pflegeheimbewohner eine erste und die meisten von ihnen auch schon eine zweite Impfung erhalten.

  • Wieviel Impfstoff ist vorhanden?

    Nachdem in Deutschland zu Anfang des Jahres 2021 wegen der hohen weltweiten Nachfrage einerseits und Lieferengpässen andererseits nur wenig Impfstoff vorhanden war, stehen im zweiten Quartal deutlich mehr Vakzine zur Verfügung.

    Allein im April sollen nach den Prognosen der Hersteller rund 15 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden, fast so viele wie in den ersten drei Monaten des Jahres zusammen. Insgesamt summieren sich die Impfdosen nach diesen Lieferprognosen für das zweite Quartal auf fast 70 Millionen. Bis Ende des Jahres sollen über 270 Millionen Impfdosen verfügbar sein – also mehr als das Dreifache der Bevölkerung Deutschlands. Und nicht alle Impfstoffe müssen zweimal gespritzt werden. Beim Vakzin von Johnson&Johnson beispielsweise genügt eine Dosis.

    In die Rechnung für das Gesamtjahr einbezogen sind auch Lieferungen von Herstellern, deren Produkt bislang noch nicht in der EU zugelassen ist, also das des Tübinger Unternehmens CureVac und das des französischen Pharmariesens Sanofi. Für den Impfstoff von CureVac wie für das russische Präparat Sputnik V und ein Vakzin des US-Herstellers Novavax sind Zulassungen bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt.

  • Welche Arten von Impfstoffen gibt es?

    Auf dem Markt sind bislang zwei Arten von Impfstoffen: Boten-RNA-Impfstoffe wie die von BioNTech oder Moderna und Vektorimpfstoffe wie die von AstraZeneca oder Johnson&Johnson. Beide Arten versetzen den Körper in die Lage, eine Immunreaktion auf das Cornoavirus zu entwickeln. Beide Arten haben jedoch unterschiedliche Eigenschaften.

    So können die neuartigen mRNA-Impfstoffe, die nur die genetische Information des Virus, aber nicht das Virus selbst enthalten, vergleichsweise leicht hergestellt und an Mutationen angepasst werden. Allerdings muss das Vakzin von BioNTech bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Das macht die Aufbewahrung und den Transport schwierig. Ihre Effektivität wird mit rund 95 Prozent angegeben.

    Vektorimpfstoffe schleusen den Bauplan des Coronavirus über ein harmloses Trägervirus in den Köper. Sie werden seit zwei Jahrzehnten klinisch erprobt. Ihr Vorteil ist, dass sie bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden können und daher leichter handhabbar sind. Ihre Wirksamkeit wird generell mit rund 75 Prozent angegeben, was sehr viel ist. Schwere Krankheitsverläufe verhindern sie in den allermeisten Fällen. Zum Vergleich: Impfstoffe gegen Grippe erreichen einen Wirkungsgrad von 40 bis 60 Prozent.

    Während die meisten zugelassenen Wirkstoffe zweimal verimpft werden müssen, reicht bei dem Impfstoff von Johnson&Johnson eine Spritze. Die Abstände zwischen den beiden Impfungen der anderen Vakzine, mit denen die volle Immunität erzielt werden soll, variieren zwischen drei Wochen und drei Monaten.

  • Sind alle Impfstoffe gleich gut?

    Grundsätzlich ist die Verträglichkeit bei allen Impfstoffen sehr gut. Nebenwirkungen halten sich in der Regel in sehr geringen Grenzen und entsprechen den nach Impfungen erwartbaren Reaktionen wie kurze grippeartige Symptome oder Kopfschmerzen. Diese Reaktionen sind insofern positiv, als sie anzeigen, dass der Impfstoff das Immunsystem mobilisiert. 

    Allerdings sind beim Vakzin von AstraZeneca im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen bei einer sehr geringen Anzahl von Geimpften Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten. Bereits Mitte März wurden daher die Impfungen mit AstraZeneca in einigen europäischen Staaten – darunter Deutschland – für eine kurze Zeit vorsorglich ausgesetzt, damit die europäische Arzneimittelagentur EMA die Fälle eingehend prüfen konnte. Die EMA kam zu dem Schluss, dass der Impfstoff weiterhin als wirksam und sicher betrachtet werden kann. Der Nutzen des Impfstoffs überwiege die Risiken bei Weitem, so die Schlussfolgerung.

    In Deutschland wurden daraufhin die Aufklärung und Warnhinweise für den AstraZeneca-Impfstoff angepasst. So kann entschieden werden, ob im Einzelfall auf einen anderen Impfstoff zurückgegriffen werden sollte.

    Nach weiteren Fällen von Hirnvenen-Thrombosen – vor allem bei jüngeren Frauen - entschieden Bund und Länder am 30. März 2021, den Impfstoff von AstraZeneca grundsätzlich nur noch an über 60-Jährige zu verimpfen. Im Einzelfall können sich auch jüngere Menschen damit impfen lassen, vorausgesetzt sie wurden umfassend aufgeklärt und ihr individuelles Risiko wurde ärztlich abgeklärt.

  • Wie sieht die Impfstrategie aus?

    Da Impfstoffe vorerst nicht flächendeckend zur Verfügung stehen, musste entschieden werden, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden. Dieses Verfahren wird Priorisierung genannt.

    Nach der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) beruht, gibt es drei priorisierte Gruppen. Als Erstes werden alle Menschen über 80, Bewohner und Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie unter anderem medizinisches Personal in Krankenhäusern, Notaufnahmen, in der Betreuung von COVID-19-Patienten und mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen geimpft. 

    Als nächstes kommen alle Bürger über 70 an die Reihe sowie Menschen, bei denen aufgrund von Vorerkrankungen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 besteht. Dazu zählen unter anderem Demenz- und akut Krebskranke, Patienten mit Diabetes oder schweren Lungen- und Nierenschäden sowie Organtransplantierte und Menschen mit Down-Syndrom, aber auch das weitere medizinische Personal sowie Polizei- und Ordnungskräfte, die in ihrer täglichen Arbeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Inzwischen gehören auch Grundschul-, Sonderschul- und Förderschullehrer sowie Betreuer in Kindertagesstätten zur zweiten Gruppe, weil kleine und lerneingeschränkte Kinder den notwendigen Abstand nicht einhalten können.

    Zu der dritten Gruppe schließlich zählen Personen über 60, weitere gesundheitliche Risikogruppen sowie Menschen mit erhöhtem beruflichem Ansteckungsrisiko, unter anderem Feuerwehrleute, Beschäftigte im Einzelhandel und im Transportwesen.

    Im Einzelfall können Ärzte entscheiden, ob bei besonders gefährdeten Patienten gesundheitliche Gründe bestehen, diese bei der Impfung vorziehen. Außerdem können Menschen aus nachfolgenden Priorisierungsgruppen vorzeitig geimpft werden, wenn die epidemiologische Lage es erfordert, beispielsweise wenn sie in Hotspots mit hohem Verbreitungsgrad des Virus leben. Grundsätzlich soll vorhandener Impfstoff optimal genutzt werden.

    Menschen im Alter zwischen 60 und 69 Jahren können sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen, auch wenn sie keiner Risikogruppe angehören. Damit soll die Impfkampagne – vor allem angesichts der dritten Corona-Welle – beschleunigt werden.

  • Wer bekommt welchen Impfstoff?

    So lange der Impfstoff knapp ist, können die Bürger nicht zwischen den Vakzinen der verschiedenen Hersteller wählen. Gespritzt wird das, was in den Impfzentren der Bundesländer verfügbar ist. Alle verfügbaren Impfstoffe schützen wirksam vor einem schweren Krankheitsverlauf.

    Menschen der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre können sich auch jenseits der Priorisierung mit AstraZeneca impfen lassen. Das steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass dieser Impfstoff anfangs nur für unter 65-Jährige zugelassen war. Dies hing ausschließlich damit zusammen, dass zunächst nicht ausreichend Studien für die Altersgruppe ab 65 vorlagen. Seit die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Vakzins auch für diese Altersgruppe dokumentiert ist, gilt diese Beschränkung nicht mehr.

    Geimpft werden können derzeit nur Erwachsene, da nur der Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen ist, die anderen Impfstoffe jedoch ausschließlich für Personen ab 18 Jahren. Kinder und Jugendliche können erst geimpft werden, wenn ausreichende Studien ihre Sicherheit und Wirksamkeit auch für diese Altersgruppe belegen und damit eine Zulassung erfolgen kann.

    BioNTech/Pfizer testen bereits die Wirksamkeit und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffes an Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren. Wie Pfizer mitteilte, haben sie gerade mit einer Studie bezogen auf Kinder zwischen elf Jahren und sechs Monaten begonnen. Sollte sich der Impfstoff in dieser Altersgruppe bewähren und eine Zulassung erteilt werden, wollen sie mit Impfungen Anfang 2022 beginnen. Auch der US-Hersteller Moderna hat im März nach eigenen Angaben mit verschiedenen klinischen Studien an Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und 17 Jahren begonnen. Bis Sommer sollen demnach erste Ergebnisse vorliegen.

  • Wirken die Impfstoffe auch gegen Mutationen?

    Wie in allen anderen EU-Ländern breitet sich auch in Deutschland die hochansteckende „britische Mutante“ B.1.1.7. immer mehr aus. Sie wird so genannt, weil sie in Großbritannien erstmals wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Ihr Anteil liegt inzwischen bei über 72 Prozent des Infektionsgeschehens, während das Wildvirus auf dem Rückzug ist. B.1.1.7. ist dafür verantwortlich, dass Deutschland von einer dritten Infektionswelle erfasst wird. Auch die „südafrikanische“ und die „brasilianische“ Mutante wurden nachgewiesen – bislang jedoch in geringem Umfang.

    Laut Robert-Koch-Institut (RKI) schützen alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch die britische Variante. Sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten.

  • Gibt es Vorteile für Geimpfte?

    Zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht alle Bürgerinnen und Bürger ein Impfangebot bekommen haben, soll es keine Vorteile für Geimpfte geben. Auch ist noch nicht vollständig klar, ob Geimpfte das Virus nicht doch weitertragen können, obwohl sie selbst immun sind. Erste Studien sprechen dafür, dass dies der Fall ist. Doch noch ist die Datenlage nicht ausreichend; es muss weiter geforscht werden. 

    Von der Wissenschaft muss zweifelsfrei geklärt werden, ob ein Zusammenhang zwischen Impfung und Infektiosität besteht, bevor man darüber diskutieren kann, ob Geimpfte Freiheitsrechte wahrnehmen dürfen. Denn sie dürfen nicht die Gesundheit anderer gefährden, die bislang noch kein Impfangebot erhalten haben. Daher ist es unabdingbar, dass auch geimpfte Personen die Abstands- und Hygieneregeln einhalten und medizinische Schutzmasken tragen.

    Dennoch trifft die Europäische Union Vorsorge für den Sommer, wenn die Zahl der Menschen, die geimpft sein werden, steigt. Bis zum 1. Juni 2021 will die EU ein digitales Impfzertifikat erstellen, das sowohl Impfungen also auch aktuelle Negativtests oder überstandene COVID-Erkrankungen dokumentieren kann. Welche Freiheiten, beispielsweise beim Reisen, damit verbunden sein könnten, wird noch diskutiert.

  • Was bedeutet Herdenimmunität?

    Nur eine Impfung kann vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen. Wenn ein hoher Prozentsatz einer Bevölkerung geimpft ist, kommt die Ausbreitung des Virus zum Erliegen, weil es keinen Wirt mehr findet. Man spricht dann von Herdenimmunität. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Robert Wieler, schätzt, dass die Schwelle im Fall von Corona bei circa 80 Prozent der Bevölkerung liegt. Das heißt, wenn 80 Prozent der Menschen immun gegen COVID-19 sind, dann ist auch der Rest der Bevölkerung geschützt. 

    Eine Herdenimmunität könnte theoretisch auch dann erreicht werden, wenn ein Großteil der Menschen COVID-19 durchlitten hat und auf diesem Wege dagegen immun geworden ist. Dies würde jedoch sehr schwere Erkrankungen und Todesfälle mit sich bringen. Nicht nur Ältere und Personen mit Vorerkrankungen tragen ein hohes Risiko für solch massive Erkrankungen, auch unter jungen Menschen kommt es zu schweren Verläufen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es noch kein Medikament gegen das Coronavirus gibt. Auch die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion, bezeichnet als Long-COVID, treffen alle Altersgruppen und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Im Falle von COVID-19 ist außerdem noch nicht erwiesen, wie lange der Immuneffekt anhält, und ob Menschen, die die Krankheit hinter sich haben, auch gegen Mutationen immun sind. 

  • Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

    Nein, die Impfung ist freiwillig. Die Bundesregierung spricht von einem Impfangebot. Sie setzt auf Aufklärung über Wirksamkeit und Risiken, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Informationen können den Menschen helfen, eine selbstbestimmte Impfentscheidung zu treffen.

    Angesichts des anhaltenden Lockdowns, aber auch angesichts schwerer Verläufe und langfristiger Folgen von COVID-19-Erkrankungen ist davon auszugehen, dass sich viele Menschen freiwillig impfen lassen, sobald sie an der Reihe sind. Umfragen zufolge liegt die Impfbereitschaft derzeit bei über 60 Prozent.

    Grundsätzlich sind Impfungen in Deutschland nicht vorgeschrieben. Es können aber Vorkehrungen gegen die Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit getroffen werden, etwa Quarantäne-Maßnahmen für Infizierte und Menschen, die mit ihnen in Kontakt standen. Das sieht das Infektionsschutzgesetz vor. 

  • Woher kommt das Geld für die Forschung an Impfstoffen?

    Das Geld für Forschung und Entwicklung von Impfstoffen kommt von Staaten, aber auch von privaten Stiftungen wie der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung. 

    Für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 stellt der Bund 145 Millionen Euro bereit. Deutschland fördert nach Angaben des Bundesforschungsministeriums auch die internationale Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – und zwar seit ihrer Gründung 2017 mit insgesamt 90 Millionen Euro und hat außerdem ein Sonderprogramm zur Erforschung eines Impfstoffes gegen Corona mit einem Volumen von bis zu 750 Millionen Euro aufgelegt. Ziel des Programms ist es, klinische Prüfungen zu fördern, Studienkapazitäten auszubauen und die Produktionskapazitäten für die zu prüfenden Impfstoffkandidaten zu erhöhen. 

    CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sowohl staatliche Förderer als auch Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Pharma-Unternehmen zusammenarbeiten. Neben Deutschland gehören unter anderem Norwegen, Japan, Kanada und Australien sowie die Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust zu den Financiers. In die von CEPI initiierten Entwicklungsprojekte ist auch das deutsche biopharmazeutische Unternehmen CureVac eingebunden. 

  • Wie sieht es mit Medikamenten gegen Covid-19 aus?

    Die Forschung nach Medikamenten gegen Covid-19 läuft auf Hochtouren, hat im Moment allerdings noch keine bahnbrechenden Ergebnisse gebracht. Das Bundesforschungsministerium hat im Januar 50 Millionen Euro für die Erforschung bereitgestellt, um die sich Forschende und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft bewerben können.