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(Quelle: Unsplash.com)
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Faktencheck | Corona-Impfstoff

Auf der Suche nach einem Schutz vor COVID-19 – Fragen und Antworten

Nein, es wird keine Impfpflicht gegen das Corona-Virus geben. Und ein Immunitätsnachweis wird auch nicht verlangt. Stattdessen wird die Suche nach einem Impfstoff vorangetrieben. Mythen und Fakten hier im Check. 

Mit dem Coronavirus – auch bekannt unter den Namen COVID-19 und SARS-CoV-2 – kann sich jeder infizieren. Bislang gibt es kein Medikament und keinen Impfstoff dagegen. Aber die Erforschung von Impfstoffen läuft weltweit auf Hochtouren, auch in Deutschland. Schon im nächsten Jahr könnte ein solcher zur Verfügung stehen. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein, nennt die Entwicklung eines Impfstoffs entscheidend dafür, dass wir wieder zu unserem gewohnten Leben zurückkehren können, wie es vor der Pandemie war. Deshalb werde die Forschung sehr zügig, aber auf verantwortungsvolle Weise vorangetrieben. Auch das Engagement privater Stiftungen nannte er sehr wertvoll.  

Wie lange dauert es, einen Impfstoff zu entwickeln?

Normalerweise dauert es sehr lange, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel und damit in Deutschland für Impfstoffe zuständig – hält 15 Jahre im Regelfall für realistisch. Allerdings gibt es Hoffnung, dass es in Sachen Coronavirus schneller gehen könnte. So dauerte beispielsweise die Entwicklung des Ebola-Impfstoffes nur vier bis fünf Jahre, weil viele Schritte komprimiert wurden. 

Bei SARS-CoV-2 könnte es noch einmal schneller gehen, denn die Forschung profitiert davon, dass schon viel Vorarbeit geleistet wurde. So wurde nämlich bereits an Impfstoffen gegen die verwandten Viren SARS und MERS geforscht, die sich Anfang des Jahrtausends ausbreiteten. Gen-Abschnitte des neuartigen Coronavirus können in die seitdem vorhandenen Impfstoffe eingeschleust werden. 

Nach der Entwicklung des Impfstoffes muss er getestet werden, zunächst an Zellen, dann an Mäusen und zuletzt in sogenannten klinischen Studien an Menschen. In den Phasen II und III der klinischen Studien werden erst hunderte, dann mehrere tausend, wenn nicht gar zehntausende Probanden mit dem neuen Impfstoff geimpft. Auf diese Weise findet man heraus, ob der Impfstoff überhaupt wirksam ist und welche Nebenwirkungen auftreten können. 

Sobald Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes gewährleistet sind, kann er zugelassen werden. Allgemein wird damit gerechnet, dass es im nächsten Jahr so weit ist. Doch bevor der Impfstoff in großem Maßstab verfügbar ist, müssen die Produktionskapazitäten geschaffen werden. Auch das nimmt Zeit in Anspruch. 
 

Wie weit ist die Forschung?

Nach Angaben der WHO (Stand: Mitte September) werden weltweit 180 Impfstoffe gegen das Corona-Virus entwickelt. 35 Impfstoffkandidaten befinden sich in klinischen Studien der Phase I bis III, 145 werden in präklinischen Studien erprobt.

Auf der Liste von Instituten und Unternehmen, die an einem Impfstoff forschen, finden sich auch die deutschen Firmen BioNTech und CureVac sowie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung gemeinsam mit der Firma IDT. Das Mainzer Unternehmene BioNTech und das Tübinger Unternehmen CureVac haben bereits mit klinischen Prüfungen am Menschen begonnen. 

Mitte September teilte die Bundesregierung mit, dass sie die drei deutschen Pharmaunternehmen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus finanziell unterstützen wolle. Laut Bundesbildungsministerin Anja Karliczek wurden die Verhandlungen mit BioNTech und CureVac bereits mit einer Förderzusage abgeschlossen. Außerdem werde mit dem in Dessau-Roßlau ansässigen Unternehmen IDT Biologika über eine Förderung verhandelt.
 

Was bewirkt ein Impfstoff?

Nur eine Impfung kann vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen. Wenn ein hoher Prozentsatz einer Bevölkerung geimpft ist, kommt die Ausbreitung des Virus zum Erliegen, weil es keinen Wirt mehr findet. Man spricht dann von Herdenimmunität. Eine Herdenimmunität kann auch dann erreicht werden, wenn ein Großteil der Menschen die Krankheit durchlitten hat und auf diesem Wege dagegen immun geworden ist. Diesem Risiko kann man insbesondere Ältere und Personen mit Vorerkrankungen allerdings nicht aussetzen – zumal es auch noch kein Medikament gegen das Coronavirus gibt.

Im Falle von COVID-19 ist außerdem noch nicht bekannt, ob eine überstandene Erkrankung daran vor einer weiteren Ansteckung schützt oder wie lange der Immuneffekt anhält. Ebenfalls noch nicht erforscht ist, ob das Coronavirus – ähnlich dem Grippevirus – mutiert. Wäre dies der Fall, müsste ein Impfstoff in regelmäßigen zeitlichen Abständen angepasst werden. 
 
 

Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

Eine Impfpflicht ist aktuell kein Thema, allein schon, weil es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Im Moment befinden sich zahlreiche Impfstoffe in klinischen Tests, auch in Deutschland. 

Wenn sich einer oder mehrere Impfstoffe als wirksam und verträglich erweisen sollten, kann mit ihrer Zulassung im nächsten Jahr gerechnet werden. Da aber nicht von jetzt auf gleich massenhaft Impfdosen produziert werden können, werden zunächst Ärzte und Pflegekräfte sowie Risikogruppen geimpft werden können. 

Angesichts schwerer Verläufe bei COVID-19-Erkrankungen – vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen – ist davon auszugehen, dass sich viele Menschen freiwillig impfen lassen werden, sobald ein Impfstoff vorhanden ist.

Grundsätzlich sind Impfungen in Deutschland nicht vorgeschrieben. Es können aber Vorkehrungen gegen die Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit getroffen werden, etwa Quarantäne-Maßnahmen für Infizierte und Menschen, die mit ihnen in Kontakt standen. Das sieht das Infektionsschutzgesetz vor. 

 

Woher kommt das Geld für die Forschung?

Das Geld für Forschung und Entwicklung von Impfstoffen kommt von Staaten, aber auch von privaten Stiftungen wie der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung. 

Für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 stellt der Bund 145 Millionen Euro bereit. Deutschland fördert nach Angaben des Bundesforschungsministeriums auch die internationale Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – und zwar seit ihrer Gründung 2017 mit ingesamt 90 Millionen Euro. 

CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sowohl staatliche Förderer als auch Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Pharma-Unternehmen zusammenarbeiten. Neben Deutschland gehören unter anderem Norwegen, Japan, Kanada und Australien sowie die Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust zu den Financiers. In die von CEPI initiierten Entwicklungsprojekte ist auch das deutsche biopharmazeutische Unternehmen CureVac eingebunden. 

Welche Mythen ranken sich um die Erforschung eines Impfstoffes?

Um COVID-19 generell und um die Entwicklung eines Impfstoffes haben Verschwörungstheoretiker aus dem links- und rechtsextremen Spektrum eine Reihe von Mythen gesponnen, die vor allem in sozialen Medien verbreitet werden. Aber auch die sogenannten Querdenker-Demonstrationen rekrutieren sich in hohem Maße aus Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen. 

Unter anderem mutmaßen sie, dass das Coronavirus vorsätzlich in einem Labor – wahlweise in China oder in den USA – gezüchtet wurde. Oder sie behaupten, dass die Corona-Pandemie vom Ausbau des 5G-Netzes ausgelöst worden sei und dass dahinter ein Plan stecke, die Bevölkerung zu kontrollieren. Oder sie warnen davor, dass verpflichtende Impfungen bevorstünden, in deren Zuge den Menschen Nanochips eingepflanzt werden sollten, ebenfalls um sie zu kontrollieren. 

Was den Impfstoff angeht, so ist vor allem der Milliardär Bill Gates, der sich mit seiner Stiftung schon seit Jahren für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), für den Ausbau von Gesundheitssystemen und die Erforschung von Impfstoffen engagiert, ins Schussfeld der Verschwörungstheoretiker geraten. In der Coronavirus-Pandemie setzt sich der Microsoft-Gründer nicht nur für eine beschleunigte Forschung an einem Impfstoff, sondern auch für den gleichzeitigen Auf- und Ausbau von Produktionsstätten ein. Denn gerade die schnelle Verfügbarkeit eines solchen Impfstoffes in großen Mengen ist wichtig für die Eindämmung der Pandemie. Aktivisten und Extremisten werfen Gates im Netz stattdessen Allmachtsphantasien vor. Diese entbehren jedoch jeder Grundlage.

Die Verschwörungstheorien sind nicht nur das Werk von manipulativen Einzelnen oder Gruppen. Sie werden oft auch von Staaten verstärkt, die ein Interesse daran haben, westliche Demokratien in den Köpfen der Menschen zu diskreditieren. Indem sie sachliche Debatten willkürlich verzerren, wollen sie zeigen, dass Demokratien unfähig sind, mit Krisen umzugehen. 

Wird ein Immunitätsnachweis eingeführt?

Ein Immunitätsausweis ist bislang nicht vorgesehen. Eine entsprechende Passage im Infektionsschutzgesetz, die das ermöglicht hätte, wurde gestrichen. Stattdessen gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Mai beim Ethikrat eine Stellungnahme in Auftrag. 

Der Ethikrat sprach sich am 22. September einstimmig gegen die Einführung eines Immunitätsnachweises zum jetzigen Zeitpunkt aus. Er begründete dies mit „erheblichen Unsicherheiten“ darüber, ob ein Mensch nach einer überstandenen Infektion mit dem Coronavirus tatsächlich dauerhaft immun sei. Auch äußerte er Zweifel an der Aussagekraft von Antikörpertests. 

Geteilter Meinung hinsichtlich eines Ausweises war der Ethikrat jedoch für den Fall, dass eine Immunität gegen SARS-CoV-2 künftig verlässlich nachweisbar sein sollte. Die eine Hälfte sieht die Einführung einer Immunitätsbescheinigung in bestimmten Bereichen als sinnvoll an - beispielsweise für Menschen in Altenheimen, Angehörige von Pflegebedürftigen oder bestimmte Berufsgruppen wie Pfleger oder Polizisten. Andere lehnen eine solche Bescheinigung aus praktischen, ethischen und rechtlichen Gründen grundsätzlich ab. Auch auf möglichen Missbrauch weisen sie hin, etwa wenn Menschen sich bewusst ansteckten, um immun zu werden.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, nannte das Vorgehen des Ethikrats richtig, vor allem die Empfehlung „den Stand der Wissenschaft und die Möglichkeiten zur Testung in die Entscheidung mit einzubeziehen“. Dass es den Experten nicht leichtgefallen sei, einen Konsens zu finden, zeige einmal mehr, wie wichtig der andauernde Diskurs sei. Auch aus ihrer Sicht verbietet sich eine Immunitätsbescheinigung, solange eine Immunität gegen COVID-19 noch nicht sicher nachgewiesen werden kann.