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Antje Tillmann
Texte und Interviews |
Antje Tillmann: Auch die Lebensversicherer kämpfen mit sinkenden Zinsen (Quelle: Michael Voigt)
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Reform der Lebensversicherung: Stabilität für die Kunden

Interview mit Antje Tillmann

Die Lebensversicherung ist eine der beliebtesten Bausteine der Deutschen für die private Altersvorsorge. In Deutschland bestanden Ende 2012 88,7 Millionen Versicherungsverträge. Nun sind die niedrigen Zinsen ein Problem für alle Institutionen geworden, die langfristig Geld anlegen, auch für Lebensversicherer. Mit der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Finanzen, Antje Tillmann, sprach cducsu.de über den Gesetzentwurf zur Reform der Lebensversicherung, der sicherstellen soll, dass die Versicherer auch in Zukunft die vertraglich zugesagten Ansprüche der Kunden und Kundinnen in vollem Umfang erfüllen können.

Frage: Die Kunden der Lebensversicherer sorgen sich um ihre Ersparnisse. Wie kann man Abhilfe schaffen?

Antje Tillmann: Seit 2008 sinken die Zinsen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Sparer. Auch die Lebensversicherer haben damit zu kämpfen.

Wir müssen sicherstellen, dass unter diesen Bedingungen die Ansprüche aller Versicherten langfristig sichergestellt werden. Die Versicherungsaufsicht BaFin und die Deutsche Bundesbank empfehlen daher, Maßnahmen zu ergreifen, damit die Lebensversicherungen weiterhin das finanzielle Risiko tragen und trotzdem am Markt bestehen können. Mit unserem Reformgesetz stärken wir die Versicherungsgesellschaften und sorgen dafür, dass sich Versicherungen für die Kunden weiterhin lohnen.

 

Frage: Was ist konkret geplant und wie wirkt sich dies für den Einzelnen aus?

Tillmann: Wichtig ist, dass alle, die an einer Versicherung beteiligt sind – also Versicherer, Aktionäre und Kunden -, einen angemessen Beitrag zur Stabilität leisten. Nur so können wir sicherstellen, dass auch in Zukunft alle Versicherten die Leistungen erhalten, die ihnen zustehen.

Konkret ist hierfür im Gesetzentwurf vorgesehen, dass die Versicherungsunternehmen zu mehr Transparenz und zu Kostensenkungen im Vertrieb verpflichtet werden. Außerdem müssen sie sich intensiver mit ihren möglichen Unternehmensrisiken auseinandersetzen.

Wir wollen außerdem, dass auch die Kunden stärker davon profitieren, wenn Lebensversicherer Risikoüberschüsse erwirtschaften. Diese ergeben sich, wenn die Versicherer vorsichtig kalkulieren und daraus einen Gewinn erzielen. Außerdem ist vorgesehen, dass Bewertungsreserven von Staatsanleihen nur ausgeschüttet werden dürfen, wenn sichergestellt ist, dass den bisherigen Versicherten ihr garantierter Zinssatz auch ausgezahlt werden kann.

Bewertungsreserven  entstehen lediglich dadurch, dass der Marktwert eines Wertpapiers über dessen ursprünglichem Kaufpreis liegt. Bei Anlagen mit einem festen Zinssatz wie einer Staatsanleihe ist das der Fall, wenn die allgemeinen Zinsen  sinken. Am Tage der Fälligkeit ist die Anlage aber wieder genauso viel wert wie am Tage ihrer Ausgabe. Anders ist es z.B. bei Aktien oder Immobilien. Hier sind Wertzuwächse dauerhafte Wertsteigerungen.

Ist der garantierte Zinssatz nicht sichergestellt, sollen darüber hinaus auch die Aktionäre des Lebensversicherers auf Ausschüttungen zugunsten der Ansprüche der Versicherten verzichten.

 

Frage: Warum ist das, was wir machen, gerecht?

Tillmann: Die Bewertungsreserven aus festverzinslichen Anlagen sind derzeit nur deshalb so hoch, weil wir uns in einer Niedrigzinsphase befinden. Verträge, die jetzt auslaufen, würden nach den geltenden Vorschriften von dieser Entwicklung stark profitieren, allerdings auf Kosten der folgenden. Dies ist nicht gerecht.

Denn die hohe Beteiligung an den Bewertungsreserven ist wirtschaftlich betrachtet nichts anderes als die vorzeitige Auszahlung der Zinserträge, die das Versicherungsunternehmen in der Zukunft aus seinen festverzinslichen Anlagen erzielen wird. Diese künftigen Zinserträge sind damit bereits verwendet und stehen den Versicherten, deren Verträge noch lange laufen, nicht mehr für die Finanzierung der garantierten Leistungen zur Verfügung.

Versicherte, deren Verträge noch lange laufen, müssten dann nicht nur damit rechnen, dass  sie deutlich geringer bzw. gar nicht an den Bewertungsreserven beteiligt werden. Grundsätzlich bestünde sogar die Gefahr, dass auch die garantierten Leistungen von den Versicherungen nicht mehr gezahlt werden könnten.

Die bisherige Regelung zur Beteiligung an den Bewertungsreserven führt daher zu einem Ungleichgewicht in der Verteilung von Überschüssen und Bewertungsreserven. Dieses Ungleichgewicht wollen wir generationengerecht im Interesse der gesamten Versichertengemeinschaft ausgleichen.

 

Frage: Was bedeuten die geplanten Änderungen konkret für meine Lebensversicherung?

Tillmann: Bei  bestehenden Verträgen ändert sich nichts an dem von der Versicherung garantierten Zins.  Bei den darüber hinausgehenden Erträgen, der sogenannten Überschussbeteiligung, kann es Änderungen geben.  Die Neuregelung verpflichtet die Versicherung, in Zukunft einen höheren Anteil als bisher an den Risikoüberschüssen auszuzahlen. Außerdem werden etwaige Bewertungsreserven bei Staatsanleihen nur insoweit ausgezahlt, als die Ansprüche der verbleibenden Versicherungskunden dadurch nicht gefährdet werden.

Frage: Viele Versicherte überlegen, ob sie noch schnell vor der Verabschiedung des Gesetzes aus ihrem Vertrag aussteigen sollen, um kein Geld zu verlieren. Was raten Sie, wenn Bürger Sie fragen, ob sie ihre Lebensversicherung kündigen sollen?

Tillmann: Das muss in jedem Einzelfall geprüft werden. Denn bei einer Kündigung entfällt die Garantieverzinsung für die Zukunft und auch die Beteiligung an den Schlussüberschüssen. Entscheidend ist die Lebenssituation des Versicherungskunden und vor allem auch die konkrete Ausgestaltung des Vertrages. Daher sollten sich die Versicherungskunden vor einer Kündigung an eine Verbraucherberatung oder an ihre Versicherung wenden und sich beraten lassen. 

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