Henning Otte verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Text und Interview


(Quelle: Fotograf Blume)
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Otte: „Die Truppe kann effektiv Hilfe leisten“

Henning Otte zur Beteiligung der Bundeswehr am Kampf gegen das Coronavirus

Am Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Epidemie beteiligt sich auch die Bundeswehr. Was die Bundeswehr konkret tun kann – dazu drei Fragen an und drei Antworten von Henning Otte, dem verteidigungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Herr Otte, was kann und darf die Bundeswehr in der jetzigen Corona-Krise tun, um zu helfen?

Otte: Auf die Bundeswehr ist immer Verlass, wenn es darum geht,für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger einzustehen. Das gilt auch in der Corona-Epidemie - vor allem dann, wenn die Kommunen im Krisenfall Amtshilfe anfordern. Dabei kann die Truppe auf unterschiedliche Weise effektiv Hilfe leisten, je nachdem, wo sie gebraucht wird. Denkbar sind verschiedene Stufen von Hilfe -  von Transportleistungen über sanitätsdienstliche Unterstützung bis hin zum Betrieb von Feldlazaretten.

Ein aktuelles Beispiel der Unterstützung sind die LKW-Fahrer auf den Autobahnen, denen die Bundeswehr mit Verpflegung aushilft. Auch bereits bei der Rückführung von erkrankten Landsleuten aus Wuhan und deren Erstaufnahme in Deutschland hat die Bundeswehr einen großartigen Dienst geleistet. Gerade in unseren föderalen Strukturen kann die Bundeswehr als überregionale Organisation schnell und unkompliziert helfen. Es kommt jetzt darauf an, dass wir alles dafür tun, die Ausbreitung des Coronavirus so gut wie möglich zu verlangsamen. Und dabei kann jeder Einzelne mit den bekannten Maßnahmen mithelfen.

Hat die Bundeswehr - etwa im Sanitätsbereich - auch genügend Kapazitäten dafür?

Otte: Aktuell bereiten sich die fünf Bundeswehr-Krankenhäuser darauf vor, zusätzliche Unterstützung bei der Versorgung von Patienten anzubieten. Deshalb werden unter anderem die Kapazitäten für Beatmung und Intensivmedizin verstärkt. Außerdem wird die Bundeswehr freiwillige Reservisten des Sanitätsdienstes zur Bewältigung der Krise einberufen.

Es haben sich bereits über 2.000 Freiwillige gemeldet, von denen etwa 1.000 als medizinisches Fachpersonal eingesetzt werden können. Das zeigt, wie groß das Engagement auch der ehemaligen Soldaten ist, in Krisenzeiten für die Bürgerinnen und Bürger einzustehen.Des Weiteren hilft die Bundeswehr bei der Beschaffung von medizinischen Schutzausstattungen. Und die Bundeswehr stellt in ihren Kasernen Infrastruktur zur Verfügung, um - falls erforderlich - Quarantänemöglichkeiten zu schaffen. Das funktioniert bereits jetzt. Fest steht, dass alle Beteiligten eine hervorragende Arbeit leisten. Die Bundeswehr ist gut aufgestellt. Sie ist bereit, alles an Hilfe zu leisten, was sie leisten kann.

„Das Risiko von Infektionen klein halten“

Wie schützt die Bundeswehr ihre Soldaten und Soldatinnen davor,sich zu infizieren?

Otte: Bei den Soldatinnen und Soldaten, die zivile Einrichtungen direkt unterstützen, steht der Eigenschutz an vorderster Stelle. Die Aufrechterhaltung der Führungsfähigkeit und der Einsatzbereitschaft ist Voraussetzung dafür, dass die Bundeswehr selbst für uns alle da sein kann.

Daher gilt auch bei der Bundeswehr und vor allem in den Kasernen, das Risiko von Infektionen so gering wie möglich zu halten. Der Dienstbetrieb muss aufrechterhalten bleiben. Und für die Einsätze der Bundeswehr wurden besondere Regeln erlassen -übrigens in Abstimmung mit unseren jeweiligen internationalen Partnern. Dazu zählt zum Beispiel, dass Soldaten vor dem Abflug in ein Einsatzland zuvor in Quarantäne müssen. Dies ist für die Soldatinnen und Soldaten eine notwendige, wenn auch zugegebenermaßen zusätzliche Beanspruchung.

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